Posaunenchor des CVJM gab in der Auferstehungskirche in Kirchheim ein begeisterndes Konzert
Hoher künstlerischer Anspruch

Kirchheim. Schon die Ankündigung für das Konzert des Posaunenchors des CVJM ließ aufhorchen. Hatte sich die Bläsergruppe nicht schon

längst überlebt? Sollte nun die Wiederauferstehung gefeiert werden? Ein bisschen war es wohl so, obwohl die Wahl des Veranstaltungsorts – die Auferstehungskirche – damit nichts zu tun hatte. Dirigent Johannes Storz erklärte das so: In der Auferstehungskirche sei die kreative Nähe zwischen allen Beteiligten leicht herzustellen. Sein Konzert war die glänzende Bestätigung: Es lebte vom begeisterten Kontakt zwischen Dirigent und Pub­likum, Dirigent und Spielern, unter den Musikern selbst und auch unter den Zuhörern, die in großer Zahl zur Auferstehungskirche geströmt waren. Sie ließen es sich nicht nehmen, jedes einzelne Musikstück ausführlich zu beklatschen.

Johannes Storz ist ein wahrer „Posaunenchorflüsterer“. Es gibt ja so manches Ensemble, das sich „Posaunenchor“ nennt, ohne eine einzige Posaune. Beim Konzert in der Auferstehungskirche standen Posaunen jedoch im Mittelpunkt – nicht nur dem Namen nach, sondern mit künstlerischem Anspruch. Das Posaunentrio mit Johannes Storz, Thilo Adam und Bernhard Znaimer, der für den ausgefallenen dritten Mann einsprang und stürmischen Beifall erntete, sorgte mit einer Suite über Bach-Themen für das professionelle Niveau. In dessen Glanz durften sich alle Beteiligten sonnen.

Das Gegenstück dazu waren die „Brass Kids“ – die jüngste Truppe von Johannes Storz. Mit Feuereifer und zum Teil erstaunlichem Können wurden vier Stücke im Stil zwischen Intrade und Rock ’n’ Roll präsentiert. Die Kinder bewiesen eiserne Nerven, die Hörer tobten, und der jüngste Posaunist blähte die Backen, sodass man sich fast nach New Orleans versetzt fühlte.

Tuba, Posaune und Horn bilden als tiefes Klangregister das Fundament der „Blechmusik“. Trotzdem werden meist die Spitzentöne der Trompeten geliebt und bewundert. Als Posaunist Johannes Storz dirigierend seine Piccolotrompete ansetzte, erstaunte und motivierte er nicht nur seine eigenen Leute – auch das Publikum lag ihm zu Füßen. Noch größer war das Erstaunen, als er alle tiefen Bläser vortreten ließ und mit ihnen eine Suite für tiefe Stimmen von Altmeister Johann Pezelius aus dem 17. Jahrhundert musizierte. Diese his­torische Literatur hat die Posaunenchöre jahrzehntelang gut „ernährt“. So durfte sie auch an diesem Abend nicht fehlen – allerdings in einer aufgehübschten Form, an der sich die Musiker zwischen sieben und 70 Jahren hörbar erfreuten. Überhaupt ist das eine der erfreulichsten Wirkungen der Ensemblemusik: Alle Generationen können mühelos zusammenwirken.

Und wenn jetzt der Posaunenchor Jungbläserschulung und musikalische Leitung in professionelle Hände gelegt hat, umso besser. Die Zeiten haben sich geändert – durchaus in positivem Sinne – und der Posaunenchor hat wieder Zukunft.

Das liegt auch an der Literatur. Johannes Storz legte den Finger in die Wunde und erinnerte daran, dass die Posaunenchöre nahe dran waren, an musikalischer Unterernährung einzugehen. Wie recht er damit hatte, ließ sich am Beifall ablesen. Immer dann schwoll er mächtig an, wenn rhythmusbetonte Stücke präsentiert wurden oder Schlagzeug im Spiel war – traktiert übrigens von einem multitalentierten Bläser. Dass die alten Choräle noch nicht ganz ausgespielt haben, erwies sich bei den schwungvollen Piècen von Traugott Fünfgeld: „Befiehl du deine Wege“ und „Nun danket alle Gott.“ Damit schloss auch das Konzert. Der berühmte Bach-Satz durfte dabei nicht fehlen; Hansjörg Dierolf setzte, wie schon so oft, mit der Überstimme Glanzlichter.

Die Zugabe, ein ganz ruhiges, ­poetisches Stück, war wie ein Nachruf auf den bekanntesten Kirchheimer Posaunenchorbläser, den kürzlich verstorbenen Hans Höger.