Gang durch die Historie: Drei Tafeln an geschichtsträchtigen Ötlinger Gebäuden enthüllt
„Hosaspannede“ gehört zur Geschichte

Stelen und Tafeln an geschichtsträchtigen Gebäuden und Plätzen weisen den Weg durch Ötlingens Historie. Am Mittwochabend sind im Beisein von Kirchheims Oberbürgermeisterin und Ötlingens Ortsvorsteher drei Geschichtstafeln enthüllt worden.

Kirchheim. Ötlingens Ortsvorsteher sind „Tatzen“ und „Hosaspannede“ noch lebhaft in Erinnerung. Kein Wunder, stand er doch gemeinsam mit Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, Ortschaftsräten und Bürgern am Ort seines Wirkens in jungen Jahren – der alten Ötlinger Volksschule, deren Schulbänke er einst drückte. Nun weist eine Tafel auf die bewegte His­

torie des 1913 erbauten Hauses hin. Diese Geschichtstafel und zwei weitere am ehemaligen Pfarrhaus sowie am Gasthaus „Rössle“ wurden am Mittwochabend enthüllt.

Die Idee, Ötlingens Geschichte für Bürger und Besucher sichtbar zu machen, geht auf das Jahr 1999 zurück. Damals erhielten die drei Lauterbrücken in dem Kirchheimer Stadtteil Namensschilder. „Man hat nur immer von der Lauterbrücke gesprochen. Keiner wusste aber, welche gemeint war“, nannte Ortsvorsteher Hermann Kik den einsichtigen Grund für die Bezeichnungsaktion. Zwei Jahre später setzte sich der Ortschaftsrat zusammen und entwickelte ein Konzept mit dem Ansinnen, bestimmte historisch erwähnenswerte Gebäude und Plätze zu würdigen. Ziel der Ötlinger Bürgervertreter war es, der Bevölkerung sowie Neubürgern bei Stadtteilführungen die Geschichte Ötlingens näherzubringen.

2003 begannen die Ötlinger, das Konzept in die Tat umzusetzen. So wurde die kunstvoll gestaltete Stele „Farrenstall/Dreschplatz“ der Öffentlichkeit übergeben. Sechs Jahre später folgte anlässlich der S-Bahn-Erweiterung Kirchheim – Plochingen die Stele „Bahnhof/Post“. Doch die Ötlinger, so selbstbewusst sie auch auftreten, wollten in der Gestaltung der Tafeln keinen eigenen Weg beschreiten, wie Hermann Kik sagte. „Wir sind nicht nur Ötlinger, wir sind auch Kirchheimer.“ Deshalb übten sie sich in Geduld, bis der Gemeinderat – „wegen der Corporate Identity“ – ein einheitliches Design der Tafeln beschloss und dem Konzept seinen Segen gab. Die erste Geschichtstafel in dieser Ausführung wurde im Dezember 2009 am Ötlinger Bahnhof angebracht. Weitere, außer den drei am Mittwoch enthüllten, sollen folgen. Die „würdigen Gebäude“ im Ortskern in der Umgebung des Ötlinger Rathauses müssen nach Kiks Worten noch bis zur Gestaltung des Rathausplatzes warten. Welche Gebäude durch die Geschichtstafeln geadelt werden sollten, darüber zerbrachen sich der ehemalige Leiter des Kirchheimer Stadtarchivs Rainer Kilian und in dessen Nachfolge Dr. Roland Deigendesch den Kopf.

In ihrem Geschichtsbewusstsein auf gutem Wege sah Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker die Ötlinger: „Heimatverbundenheit heißt auch Standortbestimmung für die Menschen, die hier leben.“ Das gelte besonders für den Ortsvorsteher, der nicht locker gelassen habe, die Historie Ötlingens sichtbar zu machen. Den Eigentümern der geschichtsträchtigen Gebäude dankte sie dafür, dass sie sich an den Kosten der Tafeln beteiligten.