„Schwertgosch“ LinkMichel bereitete Muskelkater im ausverkauften Rad-Saal in Unterlenningen
Humor oberhalb der Halskrause

Lenningen. Wer seine Bauchmuskeln trainieren will, sollte sich das Mundart-Kabarett LinkMichel anschauen: Kurzweiliger geht‘s nicht mehr, Muskelkater durch herzhaftes Lachen ist garantiert.

Michael Klink aus Nürtingen brachte die 80 Besucher mühelos mit seiner Schwertgosch zum Lachen, bis


die Tränen flossen. Der Saal in der Gaststätte Rad in Unterlenningen war schon im Kartenvorverkauf restlos ausverkauft, zahlreiche Besucher, die ohne Karten kamen, mussten wieder nach Hause geschickt werden, an der Abendkasse gab es keine Karten mehr. LinkMichel gilt mittlerweile als Geheimtipp unter den schwäbischen Kabarettliebhabern.

„Sein Humor ist nicht unterhalb der Gürtellinie, sondern oberhalb der Halslinie“, kommentiert ein Besucher vom Fernsehsender SWR die Sketche. Er will sehen, ob LinkMichel fernsehtauglich ist, denn er sucht Talente. Auch dieser Herr kriegt sich vor Lachen nicht mehr ein. Die Szenen aus dem täglichem Leben, die Klink so herrlich durch den Kakao zieht, erlebt jeder täglich zu Hause oder auf der Straße. Ein nicht versiegender Quell der Inspiration ist für den 43-jährigen Schwaben seine eigene Familie zu Hause. Er hat vier Weiber, zählt er vor, seine Frau und drei Töchter. „Ich bin stolz, dass Gott ausgerechnet mir diese Prüfung zutraut“, haut er raus und fügt hinzu: „Ohne meine Frau und meine Töchter hätt‘ ich kein Programm.“

Er sei ein Halbblut, ein sogenannter „Fisch-Seggel“, sagt er. Die Mutter kommt aus Hamburg, der Vater aus Neuffen: „Labskaus meets Maultasch.“

Studiert hätte er auch, dienstags war’s mal, in Tübingen: Er saß im falschen Hörsaal.

Seine Sketche wiederzugeben, ist ein Ding der Unmöglichkeit, das muss man einfach selbst erlebt und gehört haben. Wie aus der Pistole geschossen reiht sich ein Gag an den anderen. Wie aus dem Stegreif scheint Klink eine alltägliche Szene nach der anderen plötzlich einzufallen und er kommentiert sie mit einem derart trockenen Humor oder gespieltem Ärger, dass sich die Leute vor Lachen die Tränen aus den Augen wischen und erschöpft japsen.

Er bezieht sein Publikum mit ein, stellt eine Frage in die Runde und entwickelt aus der Antwort gleich den nächsten Gag. Witzig ist es, nicht verletzend, und das dankt ihm sein Pub­likum, indem es auftaut und sich aktiv beteiligt. Und einzelne Sätze merkt sich das Publikum, spielt sie ihm schlagfertig wie Bälle zurück. Künstler und Publikum werden eine Einheit. Klink war manches Mal perplex, aber nie um eine Antwort verlegen. „Leut‘ i glaub, jetzt kann i mein Job an den Nagel hänge“, lacht er und lobt damit sein Publikum, das ihm an Schlagfertigkeit nicht nachsteht.

„Kabarett machscht du? Ond schaffa duscht du nix?“, habe ihn eine Frau mal verwundert gefragt. Wie wird man eigentlich Kabarettist? Seit zwölf Jahren steht Klink auf der Bühne, er habe tatsächlich mal studiert. Als sich dann Gelegenheiten ergaben, die Moderation von Vereinsfeiern, Festen und Geburtstagen zu übernehmen, habe er gemerkt, dass ihm das Spaß macht. Kurzgeschichten habe er auch schon geschrieben und sie der Familie und Freunden vorgelesen. Als er auf die Idee kam, die Szenen nicht nur zu lesen, sondern zu spielen, hätten sich die Leute vor Lachen gebogen.

Vor rund vier Jahren hat der Nürtinger den Durchbruch als Kabarettist geschafft. Er könne 120 Auftritte im Jahr machen, erzählt Klink, aber er beschränke sich auf 80. Er hat gemerkt: „Wenn ich zu viel mache, verliere ich den Spaß daran.“