Kirchheim. Am 25. April 2007 ist der bislang letzte Film im Kirchheimer Stadtkino gelaufen. Es handelte sich bereits um eine Sondervorstellung. Gezeigt wurde ein Film über die Klimaveränderung und deren Auswirkungen. Der Titel „Eine unbequeme Wahrheit“ bezog sich natürlich ganz auf den Inhalt des Films. Aber für Kirchheim und die Kinogänger sollte es für die nächsten vier Jahre zur unbequemen Wahrheit werden, dass die Zeiten des Stadtkinos definitiv zu Ende waren. Das Kino begann ungenutzt zu verstauben.
Der Kirchheimer Gastronom Michael Holz, der das Kino dieses Jahr wieder eröffnen will, beschreibt, wie er es angetroffen hat: „Die hatten eigentlich nur den Schlüssel rumgedreht und alles dagelassen, selbst die Süßigkeiten und Getränke.“ Außerdem habe es in der Zwischenzeit einen Frostschaden gegeben, sodass Michael Holz feststellt: „Wir haben jetzt das Gebäude gerettet.“ Zwei kalte Winter noch, und es wäre seiner Ansicht nach zu Ende gewesen.
Die Investition zur Sanierung des Stadtkinos beziffert Michael Holz auf circa 100 000 Euro. Ein großer Teil dieser Summe fließt in Bereiche, die kein künftiger Kinogänger zu Gesicht bekommen wird, beispielsweise in die Heizung oder in die Lüftung. Die Notbeleuchtung stammt noch aus dem Jahr 1955, als das Kino gebaut wurde, wie Michael Holz erzählt. Und der Projektor ist Baujahr 1982. Damit würden sich aber alle gängigen Filme zeigen lassen, abgesehen von denen in modernster 3-D-Technik.
Aber 3-D-Filme hält Michael Holz im Stadtkino auch gar nicht für nötig. Er setzt einerseits auf Events und andererseits auf Kooperation mit Kirchheimer Geschäftsleuten und Veranstaltern. Bei Events denkt er unter anderem an klassische Kino-Kult-Ereignisse wie die „Rocky Horror
Picture Show“. Aber auch spezielle Kinoangebote für Kinder sind es, die ihm vorschweben – wie sie der Kirchheimer City Ring über einige Jahre hinweg veranstaltet hatte. „Was macht man mit den Kleinen in den Herbstferien, wenn es regnet?“ fragt Michael Holz. Für ihn ist die Antwort klar: „Man“ sollte in solchen Fällen ins Kirchheimer Stadtkino gehen. „Die Kinder brauchen dann gar keine 3-D-Technik. Die lassen sich auch dafür begeistern, einen Film wie die ,Wilden Kerle‘ auf der Großleinwand in Lebensgröße zu sehen.“
Aber nur allein mit Kino lässt sich das Unternehmen nicht refinanzieren. Da ist Michael Holz realistisch genug. Deshalb denkt er auch an alle möglichen anderen Veranstaltungen wie Musik, Theater, Kabarett. Für manche Veranstaltungen des Club Bastion beispielsweise sei die Bastion selbst zu klein. Im Stadtkino dagegen sei Platz für 300 Personen bei Filmvorführungen. Für andere Veranstaltungen reichen die Plätze mit guter Sicht auf die neue Bühne immerhin noch für 250 Leute.
Für diese Bühne hat Michael Holz schon einmal die ersten drei Sitzreihen im Parkett entfernen lassen. Und bei den entsprechenden Veranstaltungen will er nicht nur selbst Künstler einladen, sondern setzt auf Kooperationen, zum Beispiel gerade mit der Bastion. Bei den Filmen will Michael Holz eng mit der Familie Frech zusammenarbeiten, also mit den Betreibern der beiden anderen Kirchheimer Kinos – „Central“ und „Tyroler“. Selbst für das Sommernachtskino hat er Ideen, und deshalb hat er auch bereits den Kontakt zum Sommernachtskino-Macher Reimund Fischer geknüpft: „Wenn es so einen verregneten Sommer gibt wie letztes Jahr, dann ist das Stadtkino vielleicht das ideale Ausweichquartier.“
Und auch an sonstige Events denkt Michael Holz, sei es eine Modenschau, ein Friseurwettbewerb, ein Dia-Vortrag oder auch ein Fotoshooting im Ambiente der 1950er-Jahre. Er selbst hat erste Erfahrungen mit eigenen Veranstaltungen schon 1979 in Weilheim gesammelt, damals mit der legendären Band „Schwoißfuaß“.
Und ansonsten setzt Michael Holz auf sein ureigenes Metier: die Gastronomie. Entscheidend ist dafür die neue Fußgängerzone in der Max-Eyth-Straße. Das Eiscafé im Stadtkino soll 20 Sitzplätze innen bieten und 40 Sitzplätze außen. Besonders schätzt Michael Holz die Ausrichtung der Max-Eyth-Straße. Davon verspricht er sich nämlich Sonnenschein bis zum Sonnenuntergang.
Momentan gibt es noch viel zu tun, was auch auf der Homepage www.stadtkino.tv deutlich wird. Eröffnung ist am 4. Juni zur Kirchheimer Musiknacht. Das Eiscafé soll möglichst einen Monat später den Betrieb aufnehmen. Und wann dann der erste Film läuft, das muss sich erst noch zeigen. Dafür ist bislang kein fester Termin vorgesehen. Aber es bleibt zu hoffen, dass nach dem vierjährigen Dornröschenschlaf für die nächsten acht Jahre auch Filme im Stadtkino zu sehen sind. So lange zumindest läuft der Pachtvertrag.
