Verantwortung übernehmen in der Region und für die Region – Vorstellung des Projekts „CSR Kirchheim“
Im Zeichen der Nachhaltigkeit

Zehn Kirchheimer Unternehmen haben sich zusammengetan, um unter dem Begriff „Corporate Social Responsibility“ (CSR) gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. In der Stadthalle stellten sie nun vor, wie und in welchen Bereichen diese Verantwortung im Projekt „CSR Kirchheim“ seit 2012 wahrgenommen worden ist.

Kirchheim. „Was die Abkürzung CSR bedeutet, habe ich auch erst im Laufe des Projektes gelernt“, gab Matthias Bankwitz, der mit seinem Architekturbüro die Koordination von „CSR Kirchheim“ übernommen hat, mit einem Schmunzeln zu. Die deutsche Übersetzung des internationalen Begriffs lautet in etwa „Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung“. Diese könne Bankwitz zufolge auf vielfältige Weise in verschiedenen Aktionsfeldern wahrgenommen werden – gegenüber den Mitarbeitern am Arbeitsplatz, in der eigentlichen Geschäftstätigkeit mit Partnern und Kunden, gegenüber der Umwelt oder durch Austausch und Engagement in der Region.

Bürgermeister Günter Riemer, der als Vertreter der Stadt, Mit-Initiator und Unterstützer von „CSR Kirchheim“ die Gäste begrüßte, zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf des Projekts: „Sie haben einen Stein ins Wasser geworfen, der hoffentlich noch weiter Wellen schlagen wird.“ Mit Blick auf aktuelle Themen wie Billigarbeit in Bangladesch und Verbraucherbetrug im Fall des ADAC erinnerte er an die besondere Bedeutung nachhaltigen, verantwortungsvollen unternehmerischen Handelns.

Für Julia Scheerer von der Bertelsmann-Stiftung stellt „CSR Kirchheim“ eine Besonderheit dar: „Bei ,CSR Kirchheim‘ handelt es sich nicht um ein einzelnes Unternehmen mit einem einzigen Schwerpunkt, sondern um einen Zusammenschluss in der Region und für die Region.“ Die Bertelsmann-Stiftung ist Träger des „Vernetzungsprojekts“: Scheerer ist als Projektmanagerin für den Austausch zwischen den CSR-Experten innerhalb des gesamten Programms zuständig. „Durch die Bündelung der Ressourcen und den regen Austausch untereinander konnten in Kirchheim die Themen Nachhaltigkeit und Verantwortung besonders wirksam im Bewusstsein der Unternehmen verankert werden. Damit wurde das Maß hier mehr als erfüllt“, betonte sie.

Seit 2012 hat das Projekt „CSR Kirchheim“ unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt, um die Leitfrage „Wo liegt meine Verantwortung?“ zu beantworten. In kurzen „Blitzlichtern“ stellten die Projektteilnehmer jeweils vor, was erreicht wurde und was für die Zukunft geplant ist. Gerade im Aktionsfeld „Arbeitsplatz“ sind viele Unternehmen aktiv geworden und bieten ihren Mitarbeitern kostenlose Workshops, Seminare und Vorträge zu Gesundheitsthemen an. Auch für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf wurde etwas getan. In den Feldern „Markt“ und „Umwelt“ wurde bei den Unternehmern vor allem das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Regionalität geweckt und gefestigt. Ein Beispiel: Optik Bacher bietet seinen Kunden mittlerweile eine Reihe mit Fassungen von Herstellern, die ausschließlich in Deutschland, im Fall der „Albtrauf-Brillen“ sogar ausschließlich in Baden-Württemberg produzieren.

Als Gastredner referierte Jan Lorch, Mitglied der Geschäftsleitung des Sportartikelherstellers Vaude und gebürtiger Kirchheimer, über die CSR-Aktivitäten bei Vaude. „Wir wollen bis 2015 Europas nachhaltigster Outdoor-Ausrüster werden. Das Verantwortungsbewusstsein gegenüber Mensch und Natur ist bei uns tief verankert“, betonte Lorch. Vieles von dem, was in Kirchheim im „kleinen Rahmen“ geschehe, habe Vaude in der Unternehmensstrategie umgesetzt. So gibt es am Firmensitz in Tettnang bereits seit 2001 ein firmeneigenes Kinderhaus. „Soziale Verantwortung fängt zu Hause an“, sagt Lorch.

Vor allem in der Herstellung achtet Vaude auf Umweltfreundlichkeit und Sozialverantwortung. So hält sich das Unternehmen laut Lorch an den sogenannten „bluesign“-Standard, eine Art „strenges, ökologisches Reinheitsgebot“. Mit „Green Shape“ hat man außerdem eine eigene Kennzeichnung für Produktreihen etabliert, die von der Auswahl des Materials bis zu den Verarbeitungs- und Färbungsprozessen umwelt- und ressourcenfreundliche Fertigung signalisiert.

Die Produktionsstätten in China und Vietnam werden persönlich ausgewählt und regelmäßig von der „Fair Wear Foundation“ unter die Lupe genommen – einer Vereinigung, die weltweit auf faire Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie achtet. „Es ist uns wichtig, fairen Handel, Sozialverträglichkeit und umweltschonende Herstellung nicht nur zu behaupten, sondern auch durch Dritte nachweisen und zertifizieren zu lassen“, erklärte Lorch. „Wir sehen in Globalisierung und Fairness keinen Widerspruch.“ Selbst die Logistik wickelt der Outdoor-Hersteller nach eigenen Angaben zu über 90 Prozent über Schiff und Bahn ab, der ganze Fertigungsprozess sei darauf hin optimiert.

„Die heute vorgestellten Beispiele zeigen, worum es bei CSR geht: Es ist nicht nur wichtig, wie ein Gewinn verwendet wird, sondern auch, auf welche Weise er erwirtschaftet wird“, fasste Matthias Bankwitz zusammen. CSR Kirchheim habe sich auf die Fahnen geschrieben, wirtschaftlichen Erfolg mit sozialverträglichen Zielen zu verbinden. „Es ist ein stetiger Lernprozess, bei dem schon kleine Maßnahmen etwas positiv verändern können – und sei es nur im Kopf der Beteiligten. Wir sind von unserem Handeln überzeugt und wollen auch in Zukunft den eingeschlagenen Weg gemeinsam weitergehen und voneinander lernen.“