akz-o. In Deutschland werden jährlich rund 430.000 Immobilien vererbt. Bis etwa 2040 dürfte diese Zahl auf über 500.000 pro Jahr steigen. Gleichzeitig nehmen Immobilienwerte, Sanierungsbedarf und finanzielle Anforderungen zu. Damit wird ein Immobilienerbe für viele Hinterbliebene nicht nur zum Vermögenszuwachs, sondern auch zu einer wichtigen finanziellen und strategischen Entscheidung. „Ein Immobilienerbe wird häufig zunächst als wertvoller Zugewinn wahrgenommen. Gleichzeitig können damit erhebliche Verpflichtungen verbunden sein“, sagt Peggy Koschella von der LBS. Neben möglichen steuerlichen Belastungen spielen vor allem laufende Kosten eine wichtige Rolle.
Ältere Gebäude erfordern oft Investitionen
Die Ertüchtigung eines alten Gebäudes kann teuer werden: Eine neue Heizungsanlage kostet 15.000 bis 30.000 Euro, eine Dacherneuerung 20.000 bis 40.000 Euro – und das bei steigenden Baukosten, höheren Zinsen und strengeren Anforderungen an die Energieeffizienz. Selbst ohne Eigennutzung stehen Ausgaben für Grundsteuer, Versicherungen, Instandhaltung, Grundbuchumschreibung oder die Anpassung von Versicherungs- und Versorgungsverträgen an.
Eigennutzung, Vermietung oder Verkauf?
Wer eine Immobilie erbt, muss zunächst entscheiden, wie sie künftig genutzt werden soll: „Eigennutzung kann langfristig sinnvoll sein, setzt aber eine dauerhaft tragfähige Finanzierung voraus“, betont Koschella. Eine Vermietung bringt zusätzliche Pflichten in Verwaltung und Instandhaltung mit sich. Ein Verkauf kann wirtschaftlich attraktiv sein, erfordert jedoch oft Abstimmungen – insbesondere bei mehreren Erbberechtigten.
Früh an finanzielle Folgen denken
Besondere Aufmerksamkeit verdienen bestehende Verbindlichkeiten. Offene Darlehen oder Grundschulden gehen in der Regel auf die Erbenden über. Deshalb sollte frühzeitig geprüft werden, welche finanziellen Verpflichtungen mit dem Nachlass verbunden sind. Übersteigen die Schulden den Wert des Nachlasses, kann das Erbe innerhalb von sechs Wochen nach Kenntnis des Erbfalls ausgeschlagen werden. Komplex wird es häufig in Erbengemeinschaften. Möchte eine Person die Immobilie übernehmen, sind meist Ausgleichszahlungen an Miterbende erforderlich – die schnell hohe Finanzierungsvolumina erreichen können. Vor diesem Hintergrund gewinnen planbare Finanzierungsinstrumente wie Bausparen an Bedeutung. Durch angespartes Guthaben und einen gesicherten Darlehensanspruch lassen sich finanzielle Spielräume für Modernisierungen oder Ausgleichszahlungen schaffen. Auch steuerliche Fragen sollten berücksichtigt werden. Unter bestimmten Voraussetzungen – etwa bei Eigennutzung durch nahe Angehörige – kann eine Steuerbefreiung möglich sein. „Wer frühzeitig mit der Familie über die Zukunft der Immobilie spricht, vermeidet Konflikte, reduziert Risiken und schafft Klarheit für alle Beteiligten“, rät Koschella.

