Lenningen. Druckfrisch liegt das Jahresprogramm 2011 des Naturschutzzentrums Schopflocher Alb vor. Es wurde gestern bei einer Pressekonferenz vorgestellt. „Wir haben ein richtig großes Jahr vor uns“, sagte Matthias Berg, Erster Landesbeamter im Kreis Esslingen, nicht nur im Hinblick auf die Fertigstellung der Scholle, deren offizielle Einweihung am ersten Juliwochenende stattfindet. Im Zuge der Baumaßnahme wurde der gesamte Gebäudekomplex des Naturschutzzentrums grundlegend unter ökologischen Gesichtspunkten saniert. Dr. Wolfgang Wohnhas, Leiter des Naturschutzzentrums, geht jedoch davon aus, dass die Arbeiten schon im April abgeschlossen sind und die ersten Gäste bereits am 1. Mai mit offenen Türen empfangen werden – mit dem Saisonstart des Rad- und Wanderbusses.
„Den Architekten ist die Planung hervorragend gelungen. Die Scholle schiebt sich in die Landschaft rein und passt mit den Gabionen auch bestens zur Region“, kommt Matthias Berg regelrecht ins Schwärmen. Schon jetzt hat das Nordportal des UNESCO-Biosphärenreservats Schwäbische Alb ein einprägsames Gesicht. Die Landschaftsgärtner modellieren noch die Außenanlagen, die auch schon konkrete Gestalt angenommen haben. Im Innern des Anbaus legen die Handwerker letzte Hand an den Albtrauf an. Dabei handelt es sich um ein raumfüllendes, interaktives Modell, das die Besonderheiten dieser Landschaftsform den Besuchern näher bringt.
„Wir haben deutlich erweiterte Öffnungszeiten, dienstags bis samstags von 10 bis 17 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr“, erklärte Wolfgang Wohnhas. So stehen die Gäste, die mit dem Rad- und Wanderbus die Alb hochkommen und um 10.02 Uhr Halt am Naturschutzzentrum machen, nicht vor verschlossenen Türen. Sie können sich gleich im neuen Biosphärenlädle ein zweites Frühstück mit Kaffee und Produkten aus der Region gönnen. Auch im Winter ist künftig jeden Sonntag offen. „Wir hoffen auf Skifahrer und Winterwanderer, die sich bei uns mit einem Kaffee aufwärmen wollen“, so Wolfgang Wohnhas.
Im Zuge der Erweiterung wollten er und seine Mitstreiter Neues bieten. So wird es erstmals einen Kultursommer geben. Den Reigen eröffnet am 8. Juli Thomas Hoeth, der aus seinem Krimi „Erblast“ vorliest, musikalisch begleitet von Eberhard Frohnmeyer. Unter anderem geben Werner Dannemann and Friends am 23. Juli ein Konzert und den Abschluss bildet der Kabarettist Bernd Kohlhepp am 15. September. Der „Schwabendenker“ und die Streuobstwiesen ist der Abend vielsagend überschrieben. „Wir sind gespannt, wie das ankommt – ob wir glaubwürdig rüberkommen und es nicht abschätzig heißt: Der Naturschutz macht jetzt auf Kultur“, so Wolfgang Wohnhas.
Wie gewohnt gibt es mehrere Sonderausstellungen. Den Anfang macht „Reußenstein – Gemälde, Aquarelle und Grafiken“ vom 24. Mai bis 24. Juli. „Dabei handelt es sich um eine Privatsammlung, die bisher selten zu sehen war und lokale, unbekannte Künstler in den Fokus rückt“, erklärte Wolfgang Wohnhas.
Wichtig ist dem Naturschutzzentrum der Austausch unter den Menschen, die im Bioshärengebiet wohnen. So ist die Volkshochschule Bad Urach mit im Boot, die die Menschen aus der Region dort über die Land- und Regierungsbezirksgrenze nach Norden unter anderem zum Randecker Maar fährt. In Gegenrichtung führt eine Busexkursion zu den „Alb-Leisa“ in und um Lauterach.
In den Fokus rückt das Naturschutzzentrum die moderne Landwirtschaft im Biosphärengebiet. Bei Führungen und Betriebsvorstellungen wird dieses Spannungsfeld beleuchtet, das sich durch viele Ausflügler und Vorschriften oder kleinparzellierte Flächen ergibt.
Seinen Bildungsauftrag nimmt das Naturschutzzentrum auf vielfältige Art und Weise wahr. So gibt es zahlreiche naturkundliche Führungen zu unterschiedlichen Themen, Lehrerfortbildungen, Fachseminare und vielfältige Umweltbildung für Kinder. Dazu gehören Kindergeburtstage, Führungen für Schulklassen und ein erweitertes Themenangebot für das Schullandheim Lichteneck. Beim grünen Klassenzimmer Streuobstwiese helfen die Kinder beim Mähen oder sogar beim Baumschnitt und backen mit den Landfrauen leckeren Apfelkuchen. Ganz nebenbei bekommen sie theoretisches Wissen über die Artenvielfalt dieses Lebensraums vermittelt.
Neu ist auch die Veranstaltungsreihe Ökologisches Bauen. „Anhand unseres Gebäudes lässt sich vieles veranschaulichen: Dachbegrünung, WC mit Regenwasserspülung, Holzpelletsheizung und anderes mehr“, so Wolfgang Wohnhas. Handwerker und Ingenieure, die am Bau beteiligt waren, informieren und geben Tipps.
Außerdem beteiligt sich das Naturschutzzentrum an unterschiedlichen Themenwochen, allen voran die Biosphären-Woche vom 13. bis 22. Mai. Auch bei der Woche der Europäischen Geoparks vom 2. bis 19. Juni sind die Schopflocher mit dabei – und fester Bestandteil des Programms bleibt der beliebte Bauernmarkt, der am 18. September stattfindet.
