Kreis Esslingen. Die Wirtschaft im Landkreis Esslingen behauptet ihren guten Stand zum Jahresbeginn: Der konjunkturelle Abwärtstrend des vergangenen Jahres scheint gebremst. Die Industrieunternehmen bleiben dank stabiler in- und ausländischer Auftragseingänge vielfach in Topform. Der Handel zeigt sich – trotz Schwächen beim Weihnachtsgeschäft – mehrheitlich zufrieden. Auch die Dienstleister blicken angesichts ihrer robusten Geschäftslage mit weniger Skepsis in die Zukunft.
Den Auswirkungen der europäischen Schuldenkrise kann sich die exportorientierte Wirtschaft im Landkreis jedoch nicht völlig entziehen.
Insgesamt setzen die Unternehmen in der aktuellen Konjunkturumfrage ein Signal, dass sich die Wirtschaft in die richtige Richtung entwickelt, eine Trendwende kann auf Basis der Umfrage bislang nicht ausgerufen werden. Dafür fehlt es an Dynamik.
Für 93 Prozent aller Unternehmen gibt es bei der aktuellen Geschäftslage wenig zu beklagen: 52 Prozent sind zufrieden, 41 Prozent geht es nach eigenen Angaben gut. Bei sieben Prozent ist allerdings der Wurm drin; hier laufen die Geschäfte schlecht.
Die Situation ist für alle nicht einfacher geworden, der Druck auf die Umsätze ist gestiegen. Im Vergleich zum letztjährigen Jahresauftakt verbuchen 27 Prozent aller Unternehmen Einbußen beim Umsatz. Bei 35 Prozent ist der Umsatz konstant, immerhin 38 Prozent konnten zulegen. Neben Umsatz entscheidet die Ertragslage über Wehe und Wohl eines Betriebes. Trotz einer mit 85 Prozent guten Kapazitätsauslastung können rund 17 Prozent der Unternehmen ihren Soll-Ertrag nicht erreichen. Immerhin melden 32 Prozent eine gute Ertragslage, mehr als die Hälfte ist zufrieden.
Die im Durchschnitt robuste aktuelle Wirtschaftslage bietet den Unternehmen Anlass genug, zuversichtlicher in die Zukunft zu blicken.
22 Prozent der Betriebe – und damit sieben Prozentpunkte mehr als noch in 2012 – blicken optimistisch ins laufende Jahr.
Das Gros – 59 Prozent – erwartet in 2013 gleichbleibend gute betriebswirtschaftliche Kennzahlen. Mehrheitliche Hoffnungen auf stabile und steigende Auftragseingänge und entsprechende Umsatzerwartungen bilden die Basis für den optimistischeren Ausblick.
Die aufkeimende Zuversicht fördert auch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Weitere Investitionen werden in 27 Prozent der Betriebe geplant. Vorrangig beschäftigen sich die Unternehmensstrategen dabei mit Ersatz- und Rationalisierungsinvestitionen.
Daneben geraten bei 29 Prozent der Unternehmen Kapazitätserweiterungsinvestitionen in den Fokus der Entscheider – ein mögliches Zeichen, dass sich positive Wachstumserwartungen sukzessive in der Realwirtschaft niederschlagen könnten.
Die Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung bleiben jedoch. Die vorderen Plätze im Risiko-Ranking nehmen die Stabilität der Binnennachfrage – 58 Prozent – sowie hohe Energie- und Rohstoffpreise – 52 Prozent – ein. Auf Platz drei – mit einem Zuwachs um zwölf Prozentpunkte auf 46 Prozent – stehen steigende Arbeitskosten.
Drohender Fachkräftemangel und wirtschaftshemmende politische Rahmenbedingungen folgen auf Platz vier und fünf.
Ein Vergleich der IHK-Konjunkturindikatoren zur Geschäftslage und zur Geschäftserwartung im Landkreis Esslingen mit denen in der Gesamtregion Stuttgart, zeigt einen deutlich besseren IHK-Geschäftslageindikator bei der Industrie im Landkreis Esslingen.
Damit profitiert der Industriesektor mit seiner Dominanz im Maschinen- und Fahrzeugbau überproportional von der starken Exportnachfrage. Im Gegensatz dazu bleibt der Handel unter den Möglichkeiten, die sich in der Region bieten.
Die Lage am Arbeitsmarkt zeigt sich zum Jahreswechsel saisonbedingt etwas angespannter als zum Jahresende.
Mit einer Arbeitslosenquote von 3,7 Prozent Ende Januar steht der Landkreis Esslingen aber immer noch gut da.
Im Quotenvergleich mit der Region Stuttgart (4,5 Prozent), Baden-Württemberg (4,3 Prozent) und Deutschland (7,4 Prozent) hat Esslingen die Nase vorn.
Damit ist der Jahresstart am Arbeitsmarkt im Landkreis Esslingen besser verlaufen als in den anderen Landkreisen der Region Stuttgart.
Wenn es ausschließlich nach den Unternehmen im Kreis Esslingen ginge, könnte dies auch so bleiben: Nach der aktuellen Umfrage wollen mehr Unternehmen – 21 Prozent – zusätzliche Beschäftigte einstellen als über Entlassungen nachdenken – 16 Prozent. pm
