„Drei halbe Italiener“ in der Stadthalle
In- und ausländisch

Kirchheim. „Drei halbe Italiener“, das wären – rein mathematisch betrachtet – 1,5 Italiener. In der Kirchheimer Stadthalle aber präsentierte 


Andreas Volz

„manne kurz events“ drei ganze Italiener, und drei ganze Schwaben dazu. Patrizia Moresco, Roberto Capitoni und Heinrich Del Core erzählten und sangen abwechselnd davon, wie sie geprägt sind durch ihre „ständige Zerrissenheit zwischen Hartweizen und Eiernudel“. Dabei ließen sie kaum ein Klischee oder gar ein Vorurteil aus – im Bewusstsein, dass man ihnen nichts vorwerfen kann, weil sie ja im Zweifelsfall nur über sich selbst lachen. Immer wieder tauchen deshalb in ihrem Programm die Momente der Persönlichkeitsspaltung auf, weil sie eben nicht nur halbe Italiener und halbe Deutsche sind, sondern beide Erbanlagen jeweils zu hundert Prozent in sich tragen.

So werden zum Beispiel für Roberto Capitoni die beiden Seelen, ach, in seiner Brust zum Problem, wenn er als Italiener mal ganz schnell 30 Leute spontan zu einer Party zu sich ins Haus winkt, dann aber als Schwabe zu allen sagt: „Des wird mr z‘ teuer, gangat bitte henta wieder naus.“ Ganz italienisch wird es, wenn er seinen Onkel Luigi aus Palermo beschreibt. Der sehe aus „wie Pavarotti, nur in Dick“. Außerdem gibt er immer gute Ratschläge und beweist, warum Jesus nur ein Italiener gewesen sein kann: Erstens, weil nur ein Italiener bis 30 bei seiner Mutter lebt; zweitens, weil nur ein Italiener seine Mutter für eine Jungfrau hält; und drittens, weil nur eine Italienerin ihren Sohn für Gott hält.

Patrizia Moresco dagegen lässt die Zuschauer am Verhältnis italienischer Mütter zu ihren Töchtern teilhaben. So rät die Mama der Tochter, dass sie ihr Alter unbedingt geheim halten muss. Dazu gehört die mütterliche Frage: „Hast du was mit deinen Haaren gemacht?“ Auf die klare Verneinung folgt die ebenso klare Ansage: „Solltest du aber dringend.“ Den Alterungsprozess erfährt die Tochter auch dadurch, dass die vom Kollegen angesprochenen spontanen Partys gar nicht mehr möglich sind, wenn man nicht schon ein Jahr vorher Mails mit dem Betreff „save the date“ verschickt. Entsprechend öde verlaufen diese Partys – weil sich da nur die langweiligen Rotweinkenner unterhalten, die keine Ahnung mehr davon haben, worauf es ankommt: „Egal, wie der Wein schmeckt; Hauptsache, er wirkt.“ Eines findet Patrizia Moresco aber doch faszinierend am Älterwerden – und das gilt wohl für Italiener wie Deutsche gleichermaßen: „Es ist bewundernswert, wie Männer sich vom Alterungsprozess verschont fühlen.“

Heinrich Del Core wiederum hinterfragt hintergründig den Missbrauch der Sprache, vor allem durch die Automobilhersteller, die mit „Park-Piloten“, „Attentions-Assistenten“ oder „intelligenten Laderaum-Managern“ werben. Haben im Publikum erst einmal genügend Leute bestätigt, dass ihr Fahrzeug über eine Mittelarmlehne verfügt, stellt er genüsslich die entscheidende Frage: „Hent Sie au en Mittelarm?“ Die italienische Version der deutschen Sprache wiederum bereichert sein Vater nicht nur durch „die Reife von die Auto“ statt Autoreifen, sondern auch durch Begriffe wie „Pfirsich ohne Fell“ für Nektarine oder „Gras mit Strom“ für Brennnessel. Dass ihn sein Vater durch die Umstellung seines Vornamens „Heinrich Klaus“ zu „Klaus, Heinrich“ einmal in ernste Schwierigkeiten gebracht hat, gehört natürlich auch zu diesen Wortspielen. Als Heinrich Del Core nämlich sein Nikolaus-Trauma überwinden und einen kompletten Verkleidungssatz kaufen wollte, klaute er die Rute. Noch im Parkhaus mahnte ihn sein Navi zur Korrektheit und stellte fest: „Die Rute wird berechnet.“

Berechnet dagegen wurde in der Stadthalle zumindest die Zugabe nicht, obwohl das Publikum eigentlich hätte „nachlösen“ müssen, wie die Italo-Schwaben bemerkten. Jedenfalls fühlte sich das Publikum bestens unterhalten und hatte sich schon zum Ende des offiziellen Programms unbewusst erhoben, um „standing ovations“ auszubringen.