Kirchheims Hauptamtsleiter Weigel bewirbt sich als Bürgermeister in Wendlingen
Insider mit dem Blick von außen

Zwölf lange Wochen sind es noch bis zur Bürgermeisterwahl in Wendlingen. Doch einer putzt schon jetzt eifrig Klinken und führt Gespräche: Kirchheims Hauptamtsleiter Steffen Weigel will Amtsinhaber Frank Ziegler ablösen.

Wendlingen / Kirchheim. „Ich möchte die Bedürfnisse und Prob­leme der Bürger kennenlernen“, erläutert Weigel, weshalb er schon vor Start der Bewerbungsfrist am 16. April den Wahlkampf offiziell be­ginnt. Mit Einzelhandelsvertretern, Kirchen, Vereinen und natürlich mit den Gemeinderatsfraktionen habe er bereits gesprochen, überall in freundlicher, offener Atmosphäre.

Weigel stammt aus Markgröningen, lebt in Notzingen und ist seit 2006 Leiter der Kirchheimer Hauptverwaltung sowie persönlicher Referent von Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker. „Ich vereine beides: Ich bin kein Wendlinger, sondern ein Kandidat von außen, kenne mich hier aber sehr gut aus“, erläutert er. So ist er nicht nur mit einer Köngenerin verheiratet, sondern auch Mitglied im Zeltspektakelverein.

Es bedarf keiner Insiderkenntnisse um zu wissen, dass in Wendlingen viele nur auf einen Gegenkandidaten zu Amtsinhaber Frank Ziegler warten. In einem gemeinsamen Schreiben haben die Fraktionssprecher ihren Wunsch nach Alternativen kundgetan. Steffen Weigel steht nicht für eine Partei, obwohl er seit 2002 ein SPD-Parteibuch hat. „Mir ist es sehr wichtig, überparteilicher Kandidat zu sein“, betont er und ergänzt mit Blick auf die angespannte Situation im Wendlinger Rathaus: „Ich würde mich nicht bewerben, wenn ich mir nicht Chancen ausrechnen würde.“ Der 43-jährige Diplomverwaltungswirt ist sich sicher, dass Wendlingen für ihn die richtige Stadt und jetzt der richtige Zeitpunkt ist.

Gedanken gemacht hat sich der Kandidat bereits über eine ganze Reihe von Sachthemen. Drei Arbeitsschwerpunkte sieht er für Wendlingen. Zum einen müssten Bildung und Betreuung ausgebaut werden, nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ. Wichtig sei auch im Hinblick auf den Fachkräftemangel die Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. – Weigel weiß, wovon er spricht. Schließlich hat der Hauptamtsleiter vor drei Jahren als frischgebackener Vater Elternzeit genommen. „Ich weiß, dass das geht – wenn das Umfeld und der Chef, in meinem Fall die Chefin, dies unterstützen“, betont er und spricht von wertvollen Erfahrungen aus dieser Zeit.

Zweiter Schwerpunkt soll der Städtebau samt Infrastruktur sein. Hier hat der Kandidat „Wunden“ ausgemacht, etwa das Otto-Areal. Auch für die L 1200, die Wendlingen durchschneidet, sind Ideen gefragt. „Die Extremlösung wäre natürlich die Untertunnelung“, sagt Weigel, wohl wissend, dass dies an den Finanzen scheitert. Mehr Chancen sieht er da schon für sein Ziel, den ÖPNV in Wendlingen zu verbessern.

An dritter Stelle nennt Weigel die Aufgaben Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing. Unbedingt müsse die Innenstadt durch eine Kooperation mit den Einzelhändlern gestärkt werden. Netzwerke sollten Leute zum Mitmachen animieren.

Innerhalb des Gemeinderats will Weigel auf einen kooperativen Führungsstil setzen. Trotz allem müsse aber die Verwaltung im Ratsrund klar sagen, wohin sie wolle. In Fragen der Planungshoheit gelte es, die Interessen der Stadt zu verfolgen – selbst wenn sie nicht immer mit denen der Wirtschaft konform gehen.

Dass sich im Leben der Familie Weigel im Falle einer Wahl einiges ändern würde, dessen sind sich alle drei bewusst. Zum Beispiel der Wohnort. „Ein Bürgermeister muss präsent sein“, bekundet Weigel den Willen zum Umzug und zur Bürgernähe. Nicht zuletzt entwickle man ein ganz anderes Gefühl für Probleme.

Der Wahlfahrplan

16. April: Beginn der Bewerbungsfrist

6. Juni: Ende der Bewerbungsfrist

9. Juni: Öffentl. Kandidatenvorstellung

3. Juli: Bürgermeisterwahl

24. Juli: Eventuell 2. Wahlgang