Kirchheim. Im Kindergarten Westerbach war am gestrigen Donnerstag ein besonderer Tag. Fröhliche Kinderstimmen drangen durch das Haus und schnell war klar, dass nichts so ist wie sonst. Vor allem die Jungen hatten allen Grund zur Freude. Endlich spielten in ihrem Kindergarten auch einmal Männer mit ihnen Fußball. „Wir freuen uns, dass wir heute hier zusammen Fußball spielen“, riefen die Kinder. Der Grund für so viel Freude am Morgen war der landesweite Boys‘ Day. Ziel dieses Aktionstages ist, das Berufswahlverhalten von Jungen zu erweitern und ihnen die Chance zu bieten, neue Interessen und Fähigkeiten von sich zu entdecken.
Ulas Yildirim und Noah Makl nahmen an diesem Projekt teil. Die Sechstklässler der Raunerschule Kirchheim hatten sich als Einsatzort den Kindergarten Westerbach ausgesucht. „Mir macht die Arbeit mit den Kindern Spaß, obwohl ich eigentlich Polizist werden will“, verriet der zwölfjährige Ulas. Auch sein Mitschüler fand Gefallen an der Arbeit mit Kindern, obwohl er seinen Traumberuf im Bereich des Autodesigners sieht.
„Ich finde es toll, dass wir jedes Jahr am Boys‘ Day männliche Schüler begrüßen dürfen, die sich über den Beruf des Erziehers informieren wollen. Die Kinder freuen sich, wenn sie auch männliche Bezugspersonen im Kindergarten haben und nicht nur wir Erzieherinnen mit ihnen Fußball spielen“, meinte Constanze Zimmermann. Zu Beginn waren die Kindergartenkinder noch etwas schüchtern. Als Ulas und Noah jedoch anfingen, Papierflieger mit ihnen zu basteln, um diese dann in der Turnhalle fliegen zu lassen, war der Bann zwischen den Kindern und den Probeerziehern schnell gebrochen. Himmel und Hölle, ein Basketballspiel und weitere Bewegungsspiele folgten. „Später wollen wir noch mit den Kindern zusammen malen und vielleicht noch etwas anderes basteln“, nahmen sich die motivierten Schüler vor.
Eine Ecke entfernt standen die weiblichen Mitschüler bereits in ihren Startlöchern. Jessica Rutz und Lourdena Chandrakumar, auch Schülerinnen der sechsten Klasse der Raunerschule, und Katharina Richter, Fünftklässlerin des Robert-Bosch-Gymnasiums Wendlingen, entschieden sich, ihren Girls‘ Day im technischen Bereich zu absolvieren. Das Ziel des Girls‘ Days ist ähnlich dem des Boys‘ Days. Auch hier sollen Mädchen Gefallen an Berufen finden, in denen sie bis jetzt unterrepräsentiert sind und die gute Verdienst- und Aufstiegschancen bieten.
Im Autohaus Schmauder hieß die Chefin des Hauses die Schülerinnen willkommen und freute sich auf den weiblichen Nachwuchs. „Wir haben derzeit auch zwei weibliche Auszubildende. Diese werden die Mädchen heute begleiten und ihnen die Berufe der Kfz-Mechatronikerin und der Karosseriebauerin zeigen“, sagte Bettina Schmauder. Nach einer kurzen Einführung ging es auch schon zur Praxis über. Ein Reifenwechsel stand auf dem Programm: Reifen holen, wegbringen und einlagern, mit dem Schlagschrauber wechseln sowie die Radkappen zum Schluss aufklipsen, waren Aufgaben, die die Mädchen mit Bravour meisterten. Auch in der Unfallinstandsetzung gab es einiges zu tun: Beschädigte Autoteile mussten abgeschmirgelt, geschliffen und grundiert werden. Die Schülerinnen bekamen Schutzmasken und eine kurze Einweisung, aber dann ging es auch schon los.
„Es macht schon Spaß hier in der Werkstatt, aber ich möchte später einmal mit Tieren arbeiten“ sagt die zwölfjährige Jessica. Auch die 13-jährige Lourdena sieht ihren Traumberuf eher in der Altenpflege. „Ich bin dennoch offen für alles und muss mich jetzt zum Glück noch nicht entscheiden“, resümierte sie den spannenden Tag mit vielen neuen Eindrücken aus der Berufswelt.
