Im Rahmen der „Tastatour“ gastierte das Jazzprojekt „Cantus“ in der Kirchheimer Bastion
Jazz und Volksmusik als reizvolle Paarung

Kirchheim. Alle zwei Jahre veranstaltet die Kirchheimer Volkshochschule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Kulturring ein Festival der Tasteninstrumente unter dem Titel


„Tastatour“. Dazu leistete am Samstagabend auch der Kirchheimer Club Bastion mit einem Konzert des Wuppertaler Jazzprojektes „Cantus“ seinen Beitrag.

Zweimal im Jahr finden sich im „Jazzpool NRW“ unter der Leitung des Wuppertaler Saxofonisten Wolfgang Schmidtke und des Düsseldorfer Schlagzeugers Peter Weiss Musiker aus Nordrhein-Westfalen und verschiedenen Ländern Europas zusammen, um gemeinsam ein bestimmtes musikalisches Thema zu bearbeiten und dieses dann in einigen Konzerten vorzustellen. Am Samstag konnten sich die für ein Jazz-konzert durchaus zahlreichen Zuhörer in der Bastion das jüngste Projekt der beiden Masterminds des Jazzpool zu Gemüte führen.

Für „Cantus“ betrieben die beteiligten Musiker aus Portugal, Polen und Deutschland Heimatforschungen im musikalischen Bereich. Forschungsobjekte waren die Volkslieder Polens und Portugals aus den Zeiten, die, wie es der Bastion-Flyer so treffend beschreibt, „weit vor der ,Amerikanisierung‘ der Musikkultur“ liegen.

Wie der Tango für Argentinien steht für Portugal in diesem Sinne der Fado. Paula Oliveira war mit Leib und Seele, vor allem aber mit einer ihre Zuhörer in Bann schlagenden Stimme dabei, die sprichwörtliche „Tristeza“ von Hoffnungslosigkeit fern zu halten. Mit dem Saxofonisten Wolfgang Schmidtke, dem Schlagzeuger Peter Weiss, dem Pianisten Benjamin Schäfer und Dieter Manderscheid am Kontrabass hatte sowohl Paula Oliveira als auch die aus der Tatra stammende Polin Hanka Rypka die ideale Begleit-Crew für die gefühlvollen und temperamentvollen Gesänge ihrer jeweiligen Heimatländer. Ergänzt wurde das Musiker-Quartett durch den Trompeter Joao Moreira, dessen faszinierendes Spiel das Publikum des Öfteren zu offenem Szenenapplaus hinriss, zumal er seinem über ein Mikrofon verstärkten Instrument mittels eines Multieffektgeräts die merkwürdigsten Klangvarianten zu entlocken verstand.

Ganz auf die Volkslied-Schiene wollte sich das Projekt „Cantus“ aber dann doch nicht schieben lassen, auch wenn das Zusammenwirken von volkstümlichem Liedgut mit den Rhythmen und Harmonien der Jazzmusik sich als ausgesprochen reizvoll erwies. So hatten sie unter anderem eine Komposition der Jazzmusikerin Carla Bley im Gepäck, die unter dem Titel „Air“ ebenfalls sehr gut beim Publikum in der Kirchheimer Bastion ankam.