Kirchheimer Forsteinrichtung bis 2021: Artenschutz und Erholung haben Vorrang vor Ökonomie
Jedes Jahr fallen 10 000 Bäume

Der Kirchheimer Stadtwald ist in einem guten Zustand. 2011 gab es keinen nennenswerten Schädlingsbefall, und auch die Ertragslage ist zufriedenstellend: Zumindest beim Brennholz kann das Angebot die Nachfrage nicht mehr befriedigen.

Andreas Volz

Kirchheim. Beim jährlichen Waldbericht im Finanz- und Verwaltungsausschuss des Kirchheimer Gemeinderats blickte Forstdirektor Felix Reining auf ein „Normaljahr“ für den Kirchheimer Wald zurück. 2011 gab es im Kirchheimer Wald „weder He-rausragendes noch Katastrophales“. Vielleicht habe es insgesamt zu wenig Regen gegeben. Etwas Besonderes war das Jahr 2011 also nur, weil es das „Jahr der Wälder“ war und weil sich Kirchheim daran mit den verschiedensten Aktion und Angeboten beteiligt hatte.

Beim „Sorgenkind“ im Wald gab es lediglich eine Verschiebung: War es 2010 noch die Fichte, zeigten sich die Förster 2011 im Kirchheimer Stadtwald eher um die Buche besorgt. Für 2012 besteht Felix Reining zufolge aber „aller Grund, optimistisch zu sein“. Waldbesitzer könnten mit der aktuellen Marktlage sehr zufrieden sein. Die einzige Unsicherheit ist das Wetter. „Wir hoffen auf eine günstige Witterung, dass der Waldzustand stabil bleibt.“

Revierförster Daniel Rittler verwies beim Rückblick auf das vergangene Forstjahr auf ein trockenes Frühjahr. Deshalb habe bei den jungen Pflanzen viel gegossen werden müssen. Der Sommer dagegen sei für den Wald sehr gut gewesen: „Es gab immer wieder Regen.“ Als besonders positiv vermerkte Daniel Rittler: „Im ganzen Stadtwald gab es keinen einzigen Käferbaum.“ – Für die Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung in Kirchheim spricht zum einen die Jungbestandspflege auf einer Fläche von 24 Hektar und zum anderen das Ästen der besten Bäume, „damit wir sie“ – so Daniel Rittler – „in 50 bis 200 Jahren teuer verkaufen können“.

Auf die Bemerkung von Ötlingens Ortsvorsteher Hermann Kik, dass die Versteigerung von Polterholz kritisch gesehen werde, meinte Daniel Rittler: „Brennholz ist so stark nachgefragt, dass wir die vielen Bestellungen nicht mehr bedienen konnten. Wir können nicht mehr jedem die gewünschte Menge garantieren. Deshalb müssen wir das Holz versteigern.“

Dr. Silvia Oberhauser, die Fraktionsvorsitzende der Frauenliste, wollte wissen, warum keine Fichten mehr gepflanzt werden. Revierförster Rittler gab auch dazu die passende Auskunft: „Fichte hat keine große Zukunft mehr. Sie wurzelt zu flach. Bei einem entsprechenden Sturm fällt sie um. Die Tanne macht das besser, und deshalb stellen wir von Fichte auf Tanne um.“

Im Zusammenhang mit Protesten gegen Baumfällaktionen in Stuttgarts Innenstadt fragte Ulrich Kübler (Freie Wähler) nach der Zahl der Bäume, die jedes Jahr allein im Kirchheimer Stadtwald umgesägt werden. Die Forstexperten nannten eine Zahl von rund 10 000, fügten aber hinzu: „Die Bäume wachsen alle wieder nach.“

Nachhaltigkeit war denn auch im Gemeinderat das Thema, als es um die Forsteinrichtung bis 2021 ging. Bürgermeister Günter Riemer nannte als Eckpunkte dafür die Waldinventur und die „Festlegung strategischer Ziele, wie es mit unserem Wald weitergehen soll“. Vor allem gehe es darum, den Wald als gesundes und vitales Ökosystem zu erhalten. Dabei spiele auch die Jagd eine „nicht unerhebliche Rolle“, meinte Günter Riemer und machte unmissverständlich klar: „Wir brauchen die Jagd.“

In den Zielen für die nächsten zehn Jahre geht es darum, den Kirchheimer Stadtwald zu erhalten und, wenn möglich, in seiner Funktion als Ökosystem, als Naherholungsraum, als Wirtschaftsfaktor sowie in seiner Artenvielfalt und Schutzfunktion voranzubringen. Auch wenn sich im Wald in den vergangenen Jahren regelmäßig ein erklecklicher Überschuss erzielen ließ, gibt es bei den Zielen doch eine klare Rangordnung. So heißt es in der Zusammenfassung: „Im Falle von Zielkonflikten am konkreten Waldort haben Arten- und Biotopschutz sowie Erholungsaspekte Vorrang vor ökonomischen Erwägungen.“ Der Wald als Lebensraum ist demnach höher einzuschätzen als der reine Holzlieferant Wald.