Kreis Esslingen. Alleinerziehenden, Älteren, behinderten Menschen, Migranten sowie Jugendlichen galt im vergangenen Jahr das besondere Augenmerk des Jobcenters Landkreis Esslingen. Das hat sich insbesondere bei den jungen Leuten bezahlt gemacht: Ende 2013 erhielten 283 Arbeitslose unter 25 Jahren Arbeitslosengeld II (Hartz IV). Ein Jahr zuvor waren es noch zehn Prozent mehr. Dass die Jugendarbeitslosigkeit so deutlich abgebaut werden konnte, obwohl 82 Prozent dieser jungen Menschen keine abgeschlossene Berufsausbildung hatten, schreibt Schreiner eng getakteten Beratungsgesprächen zu. 25 jüngere Erwachsene hatten im Rahmen der Initiative „Spätstarter“ die ihnen gebotene zweite Chance genutzt und eine Ausbildung oder Umschulung begonnen. Wie Schreiner sagte, investiere er viel Geld in die Fortbildung seiner Mitarbeiter. Die qualifizierte Beratung sorge für nachhaltige Beschäftigungsverhältnisse und vermeide „Drehtüreffekte“.
Die Arbeitslosenquote im Landkreis Esslingen sank im Laufe des Jahres von 3,7 auf 3,6 Prozent, die Zahl der Arbeitslosen lag im Dezember bei 9 970. Im Jobcenter, das von Landkreis und der Agentur für Arbeit getragen wird, waren 2013 durchschnittlich gut 5 750 Menschen arbeitslos gemeldet. Gegenüber dem Vorjahr reduzierte sich die Zahl der Hartz-IV-Bezieher um vier Prozent.
Nach wie vor stellt die Zahl der Arbeitslosen ohne abgeschlossene Ausbildung ebenso eine große Herausforderung dar wie der hohe Anteil Langzeitarbeitsloser. Fast die Hälfte aller Arbeitslosen beim Jobcenter war länger als zwölf Monate ohne versicherungspflichtige Stelle. Mit einer hochwertigen Beratungs- und Vermittlungsarbeit will das Jobcenter dieses Jahr weiter zum Abbau der Arbeitslosigkeit beitragen. Mit 450 Weiterbildungsmaßnahmen ist geplant, dieses Instrument noch intensiver zu nutzen als im vergangenen Jahr. Dagegen muss die Zahl der Ein-Euro-Jobs deutlich reduziert werden. Das stieß Eberhard Haußmann als Vertreter der Wohlfahrtsverbände sauer auf. Gab es 2013 noch 300 Stellen, so sind es dieses Jahr nur noch 200. Um schwer vermittelbare Personen in den Arbeitsmarkt zu bringen, werde man „intensiver auf die Firmen zugehen“, so Schreiner. 30 Langzeitarbeitslose haben die Möglichkeit, an dem vom Landkreis kofinanzierten Landesprogramm „Sozialer Arbeitsmarkt“ teilzunehmen. Noch kann das Jobcenter bei der Vermittlung älterer Arbeitsloser auf das 2015 auslaufende Bundesprogramm „50 plus“ bauen. „Einen adäquaten Ersatz dafür gibt es nach derzeitigem Stand jedoch nicht“, sagte Schreiner.
7,9 Millionen Euro hatte das Jobcenter Landkreis Esslingen 2013 zur Verfügung, um Arbeitslose zu qualifizieren oder Jobsuchenden eine Stelle zu vermitteln. Wie hoch das Budget dieses Jahr ist, weiß Schreiner noch nicht. „Sie machen das Beste aus der schwierigen Situation“, bescheinigte SPD-Kreisrätin Solveig Hummel dem Geschäftsführer des Jobcenters, beklagte aber, dass trotz aller Bemühungen eine ganze Menge Langzeitarbeitslose „auf der Strecke bleiben“.
Mit ein Verdienst der Liga der freien Wohlfahrtspflege sei es, Härten zu vermeiden, so Schreiner. Seit Juli vergangenen Jahres bietet die Liga an verschiedenen Orten eine unabhängige Hartz-IV-Beratung an. „Wir erbringen etwa 40 Stunden pro Woche“, sagte Haußmann. Dabei gehe es oft nur darum, den Menschen das Schreiben zu erklären, das sie erhalten haben.
Gegen die Entscheidungen des Jobcenters wurden im vergangenen Jahr knapp 2 300 Widersprüche eingelegt, zwölf Prozent weniger als 2012. Die Klagen stiegen dagegen um elf Prozent auf 357 an.
