Kirchheim. Simon Petrus war kein Superstar. Er hatte große Schwächen, zum Beispiel die, dass er seinen besten Freund, Jesus von Nazareth, im Stich gelassen hatte, oder dass er viel versprochen hatte, was er nicht halten konnte.
65 Teenies aus Kirchheim und Umgebung hatten sich auf Einladung des Missionswerks „Wort des Lebens“ und der landeskirchlichen Gemeinschaft Württembergischer Brüderbund im Bissinger Freizeitheim vier Tage lang mit der alten biblischen Geschichte des Apostels Petrus befasst und herausgefunden, dass diese ganz aktuell ihr eigenes Leben betrifft. In einem mitreißenden Musical, aufgeführt am Sonntagabend in der Kirchheimer Stadthalle, stellten sie Szenen aus der Biografie des Jesus-Jüngers Situationen aus dem Leben von Nina, Fabi und Stefan gegenüber und entwickelten damit einen großen Spannungsbogen zu den Problemen heutiger Jugendlicher.
Ausgedacht hatte sich die effektvolle und zu Herzen gehende Geschichte Alexander Lombardi. Die eingängige und zum Mitklatschen anregende Musik hatte Gregor Breier geschrieben. Launig mitgeklatscht hatten die vielen Zuschauer aller Altersklassen jedoch nur zu Beginn. Schon bald wich die Ausgelassenheit einer atemlosen Spannung und Aufmerksamkeit, die die Jugendlichen durch ihr authentisches Schauspiel, die ästhetisch gekonnte Choreografie und bewegende Gesangseinlagen erzeugten.
Schön war der Kunstgriff des „Spiels im Spiel“: Schauplatz des Stücks war eine Halle, in der die Proben für eine bevorstehende Musical-Premiere stattfanden. Das Personal im Stück waren die Darsteller des potenziellen Musicals, die ihrerseits Jugendliche mit jeder Menge Probleme waren. Probenleiter im Schauspiel wie im Leben war Autor Alexander Lombardi. Die Band wurde als Playback eingespielt.
Nebenschauplätze befanden sich links und rechts der Hauptbühne und gleich zu Beginn wurde einer davon mit einem Interview zum Prozedere genutzt. Die zentrale Frage: „Wie fängt man das nur an, ein Superstar zu sein?“, wollte Nina durch ein erfolgreiches Casting lösen, Fabi und Stefan durch den Aufstieg als Fußballstars. Abmagerungskuren bei den Mädchen, hartes Training bei den Jungs, Zickenkrieg und Erpressung machen das Leben der jungen Menschen zur Hölle, der Druck, „super“ zu sein, ist allgegenwärtig.
Einen Ausweg aus dem Dilemma verhieß die Botschaft des Musicals: „Bei Gott ist es nicht wichtig, ein Superstar zu sein, er liebt dich so, wie du bist“. Auch Petrus war nicht super, war nur ein einfacher Fischer und wurde doch der Fels in Jesus Vermächtnis. Mit Engagement sangen und tanzten die Teenies die biblischen Szenen, Petrus‘ dreimalige Verleugnung und die Vergebung des Auferstandenen. „Superstars“ waren zwar alle Teilnehmer auch (noch)nicht, aber alle hatten ihre Talente überzeugend und anrührend zum Besten gegeben.
