Baden-Württemberg-Stiftung und der VfB Stuttgart begeistern für Fußball und das Abenteuer Lesen
Jungs sportlich zum Lesen motivieren

Dass Lesen uncool ist, ist ein Vorurteil, das das Projekt „kicken & lesen“ ausräumen will. Jungs im Alter zwischen 10 und 14 Jahren können an dem Leseförderprojekt teilnehmen. Einige trafen sich zum gegenseitigen Austausch und einer spannenden Partie Fußball.

Kirchheim. Die Bruderhaus Diakonie, die Evangelische Gesellschaft mit der Steigschule Stuttgart und die Jugendfarm Kusterdingen trafen sich am Samstag auf dem Gelände des VfL Kirchheim, um ihre Projekterfahrungen auszutauschen sowie eine Vernetzung der verschiedenen Projekte auszubauen. Im Anschluss daran gab es eine gemeinsame Partie Fußball. Drei Mannschaften traten jeweils mit einer Vor- und Rückrunde gegeneinander an. Die Mannschaft, die ins Endspiel kam, musste sich gegen das Betreuerteam durchsetzen, um aufs Siegertreppchen zu gelangen. Dieses Treffen und Engagement wurde von der BW-Stiftung ausdrücklich begrüßt und ist vorbildhaft.

„Unser Projekt lautete ,Vom Ball zum Buch‘. Wir haben insgesamt zehn Tage zusammen verbracht, in denen wir eine Lesenacht veranstalteten und gemeinsam gefrühstückt haben. Zudem mussten die Jungen einen Steckbrief zu jedem VfB-Spieler schreiben“, s

o Ahmet Aksu von der Bruderhaus Diakonie. Kooperationspartner des Kirchheimer Projekts waren VfL Kirchheim, Stiftung Tragwerk, Sozialer Dienst Kirchheim, Kreuzkirche, Alleenschule, Konrad-Widerholt-Schule und Raunerschule. „Die Partner haben dazu beigetragen, dass wirklich die Jungen teilnehmen, bei denen Bedarf besteht“, meinte Aksu.

Die Kinder und Jugendlichen der Jugendfarm Kusterdingen erzählten von ihrem Projekt, das den Namen „Kick dich schlau“ trug. Neben einem Besuch bei einem Zeitungsverlag und der Druckerei konnten die Jungen eine Stadtbibliothek sowie das Mercedes-Benz-Museum besuchen. Ein Höhepunkt war das Interview mit Bundesliga-Schiedsrichter Knut Kircher. „Wir durften Kircher selbst interviewen. Wir haben uns davor Fragen überlegt, diese aufgeschrieben und sie dann gestellt. Die Antworten mussten wir mitschreiben, um auch ja nichts zu verpassen“, erzählte der zehnjährige Severin Filipovic vom Kusterdinger Projekt. Das Stuttgarter Projekt mit dem Namen „Fußballinsel“ ist noch nicht ganz abgeschlossen. „Bis jetzt haben wir das Bundesligaspiel VfB Stuttgart gegen Hannover 96 zusammen angeschaut und wir konnten Fredi Bobic treffen, der fleißig Autogrammkarten schrieb“, sagte Marcel Rademacher von der Evangelischen Gesellschaft. „Auch der Besuch in der VfB-Fußballschule hat sehr viel Spaß gemacht. Das Übernachten war auch super und unser Buch „Die Schatzinsel“, das wir alle zusammen lesen, ist wirklich spannend. Als Nächstes möchte ich die drei Fragezeichen lesen“, so der 13-jährige Tobias Genuit vom Stuttgarter Projekt.

Das Projekt „kicken & lesen“ ist breit angelegt. Es geht nicht nur um die Verbindung von Büchern und Fußball. Auch Bewerbungen mussten die Jungen selbst schreiben, um überhaupt an dem Projekt mitwirken zu dürfen. Landesweit wurden nur zehn Projekte ausgewählt und unterstützt.

„Ich habe zum Beispiel den Jugendlichen jeden Tag die Aufgabe gegeben, einen Zeitungsartikel aus dem Sportteil auszusuchen. Diesen mussten die Jungs für sich durchlesen und ihn anschließend in einem selbst gebastelten Fernseher als Nachrichtensprecher wiedergeben“, erzählte Nicola Otto von der Jugendfarm Kusterdingen.

Vor allem aber sollen grundlegende Dinge wie Sozialkompetenz, Teamfähigkeit, Pünktlichkeit, Umgang mit Sieg und Niederlage sowie der gegenseitige Respekt gefördert werden. Durch die Kombination Bewegung und Bildung können leichter Vorurteile abgebaut und das Interesse an Neuem geweckt werden. „Mit Fußball erreichen wir die meisten Jungen, und jeder Einzelne mehr, der später ein Buch liest, ist schon ein Erfolg“, resümierten die drei Veranstalter. Im VfB-Camp hat Ilyas Polat den Sozialpreis gewonnen – nicht für herausragende Fußballleistungen, sondern für seinen großartigen teamfähigen Einsatz während des Spiels.