Kfz-Werkstätten und Heizungsbetriebe haben alle Hände voll zu tun – Getränkeflaschen platzen
Kälte lässt Telefone heiß laufen

Seit gut einer Woche hat die Kälte auch die Region um Kirchheim im Griff. Autobatterien geht der Saft aus, mit Diesel betriebene Fahrzeuge bleiben liegen und in ausgekühlten Häusern platzen Wasserleitungen. Notdienste sind rund um die Uhr im Einsatz.

Rainer Hoyler Fahrzeugtechnik - Starthilfe
Rainer Hoyler Fahrzeugtechnik - Starthilfe
Kirchheim. Morgens bibbern und mittags kältefrei – Viertklässler einer Lenninger Grundschule bekamen die Auswirkungen des Dauerfrosts am Montag nicht nur auf dem Schulweg mit rot-gefrorenen Nasenspitzen und eisigen Fingern zu spüren. Nachdem am Wochenende die Heizung in dem Schulgebäude ausgefallen war, zeigte das Thermometer im Klassenzimmer nur noch sieben Grad an – derzeit kein Einzelfall in weniger gut gedämmten Altbauten.

„Im Moment streiken Heizungen häufiger als sonst. Sie sind bei der Kälte einfach stärker gefordert“, weiß Elke Henzler vom Schlierbacher Betrieb Hans Klein. Überstunden in Heizungs- und Sanitärbetrieben sind deshalb zurzeit an der Tagesordnung. „Der letzte Monteur kam gestern erst kurz vor Mitternacht nach Hause“, so Elke Henzler, die die Kundendienste organisiert. „Es gibt Leute, die schalten nachts die Heizung ab, um zu sparen“, sagt sie kopfschüttelnd. Eingefrorene Wasserrohre und Rohrbrüche seien nicht selten die Folge. Seitdem die Quecksilbersäulen in den Thermometern unter der Marke von minus zehn Grad verharren, laufen nicht nur in dem Schlierbacher Betrieb die Telefone heiß.

Schöne Bescherung: Weil seine Lagerhalle nicht ausreichend beheizt war, sind dem Kirchheimer Getränkehändler Jörg Banzhaf (recht
Schöne Bescherung: Weil seine Lagerhalle nicht ausreichend beheizt war, sind dem Kirchheimer Getränkehändler Jörg Banzhaf (rechts) insgesamt 4¿200 Flaschen Sprudel, Saftschorle und Bier geplatzt.
Auch Gitta Vester, Chefin des gleichnamigen Schlierbacher Lieferanten von Heizöl und anderen Brennstoffen, hat derzeit alle Hände voll zu tun. „So langsam stoßen wir an unsere Kapazitätsgrenzen“, sagt sie. Weil die Heizöllager in Plochingen und Stuttgart leer seien, müsse der Nachschub aus Karlsruhe geholt werden. „Die Zeit fehlt natürlich, um die Kunden zu beliefern.“ Aufgrund der sehr großen Nachfrage sei der Preis für Heizöl allein in der letzten Woche um zehn Prozent gestiegen. In der Hoffnung, dass der Preis nach der Kälteperiode nachgebe, würden viele nur Kleinmengen bestellen, so Gitta Vester.

„Schon bevor wir aufmachen, stehen Leute vor der Tür“, erzählt Margit Hoyler von der gleichnamigen Weilheimer Kfz-Werkstatt. Aufgrund der hohen Minustemperaturen machen insbesondere Batterien schlapp. An Lagerhaltung ist da kaum noch zu denken. „So wie sie angeliefert werden, bauen wir sie zurzeit ein“, sagt der Chef des Betriebs, Rainer Hoyler. Auch sei er in den vergangenen Tagen zu Pannen gerufen worden, weil im Kühlsystem zu wenig Frostschutz war. „Da ist schlicht das Kühlwasser eingefroren. Durch den Hitzestau gab es Motorschäden.“ Anders als sonst im Februar ist der Hof derzeit randvoll mit defekten Fahrzeugen.

„Bei kurzen Fahrten nicht alle Verbraucher anschalten“, lautet der Tipp von Stefan Schmauder, Chef von Auto Schmauder in Kirchheim. Denn würden beispielsweise Sitzheizung, Gebläse und Licht die Batterie anzapfen, habe die bei den derzeitigen Temperaturen keine Chance, sich auf Kurzstrecken aufzuladen. Auch rät er, im Winter möglichst darauf zu verzichten, die Handbremse anzuziehen, da die Seilzüge festfrieren könnten.

Auf offener Strecke bleiben derzeit insbesondere Dieselfahrzeuge liegen. Vor allem etwas ältere Kraftstofffilter verstopfen durch den „versulzenden“, sprich geleeartigen, Diesel. „Ich vermute, dass die Raffinerien dem Diesel nicht so viele Additive beigemischt haben wie sonst“, mutmaßt Uwe Diez, Chef des gleichnamigen Autohauses in Gutenberg, in dessen Werkstatt die Kunden derzeit ebenfalls Schlange stehen. In anderen Wintern werde Diesel erst ab gut 20 Grad unter Null flockig. Dann helfe nur, ihn aufzutauen. „Spezielle Fließverbesserer muss man bei mindestens fünf Grad plus beimengen, sonst vermischen sie sich nicht mit dem Diesel“, so der Fachmann. „Das Problem ist, dass diese Zusätze derzeit ausverkauft sind.“ Ein Kunde sei da gewesen, der von Neuhausen auf den Fildern bis Gutenberg Werkstätten abgeklappert hatte und nirgendwo den Zusatz bekommen konnte, mit dem Diesel bis 31 Grad unter Null fließfähig bleibt.

Unisono warnen die Kfz-Experten davor, versulzenden Diesel mit Benzin zu mischen, da die fein justierte Einspritzanlage das nicht verkraftet – der Griff zum falschen Zapfhahn könnte deshalb eine teure Reparatur nach sich ziehen.

Teuer kam der Frost indes auch Jörg Banzhaf zu stehen. Weil seine Lagerhalle nicht ausreichend beheizt war, platzten dem Kirchheimer Getränkehändler insgesamt 4 200 Flaschen Sprudel, Saftschorle und Bier. „Das passiert mir nicht mehr“, versichert Banzhaf. „Jetzt wird geheizt.“