Kirchheim. Entstanden war die Idee zum Jubiläumsjahr 2010, als Kirchheim sich über 1050 Jahre freuen konnte, die seit der ersten urkundlichen Nennung im Jahr 960 vergangen waren. Außer um die Vergangenheit ging es 2010 also auch um die Gegenwart und die Zukunft: Ihre Gedanken zum Thema „König von Kirchheim – meine Stadt, meine Idee“ haben 256 Teilnehmer schriftlich eingereicht. Knapp die Hälfte davon, nämlich 125, hatten angekreuzt, dass sie für sich als Familie sprechen. In der ersten Kategorie war Lob gefragt, in Ergänzung des Satzanfangs „Kirchheim ist für mich lebenswert/liebenswert, weil ...“ In der zweiten Sparte ging es dann um Kritik oder Anregungen, als es hieß: „Wenn ich König wäre, würde ich ...“
Gestern nun hat Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker die Ergebnisse dieser Art der Bürgerbefragung vorgestellt, wobei sie betonte: „Das ist sehr schwierig auszuwerten, weil sehr viele unterschiedliche Themen angesprochen sind.“ Trotzdem sei es gut und wichtig, Anregungen zu bekommen und aus erster Hand zu erfahren, welche Themen die Kirchheimer beschäftigen – oder auch auswärtige Besucher.
Natürlich wurden alle wichtigen Themen der Kirchheimer Kommunalpolitik angesprochen – vom Hallenbad und dem Freibad über die Kinderbetreuung, den Verkehr und die Ampeln bis zum Lärmschutz, zur Verschmutzung, zu Bauplätzen oder auch zu Gewerbeansiedlungen. Mitunter ist es für Verwaltung und Gemeinderat schwierig, aus den Forderungen klare Handlungsanweisungen abzuleiten, denn so unterschiedlich die Menschen sind, so unterschiedlich sind auch ihre Meinungen. Bestes Beispiel dafür ist das alte Kirchheimer Reizthema – der Ringschluss bei der Ortsumfahrung. In der Zusammenfassung unterscheiden sich die Aussagen der Kirchheimer zwar nur durch ein einziges Wort, aber inhaltlich liegen Welten dazwischen: „Nord-West-Tangente bauen“ heißt es da genauso wie „Keine Nord-West-Tangente bauen“.
Ähnlich ist es mit dem Hallenbad, wo die „Könige“ letztes Jahr noch alle Alternativen verlangten, vom Neubau über die Sanierung bis zur Schließung. Die Schließung ist inzwischen erfolgt. Sie wurde bei der Befragung als ebenso „undenkbar“ bezeichnet wie die Kooperation mit Dettingen, die mittlerweile ebenfalls eingetreten ist. Zur Sanierung wird es wohl nicht mehr kommen. Aber die Frage nach dem Neubau wird Rat und Verwaltung noch viele Jahre beschäftigen.
Ampeln stehen in Kirchheim ebenfalls seit langer Zeit in der Kritik. Der Forderung nach mehr Kreiseln werde Kirchheim nach und nach folgen, versprach Angelika Matt-Heidecker gestern. Ein Wunsch, bei dem sich dagegen nichts machen lässt, ist der, die Autobahn zu verlegen. Und sämtliche Gaststätten aus Kirchheims Innenstadt zu verbannen – auch das wird ein Wunsch bleiben, dem sogar viele entgegengesetzte Wünsche gegenüberstehen. Trotzdem bleibt auch hier festzustellen, dass manche Kirchheimer unter einer „sinkenden Lebensqualität wegen Lärmbelästigung“ leiden.
Die Anregung, Spielplätze, Radwege oder ÖPNV-Angebote besser im Internet darzustellen, wird sich bei der Stadt Kirchheim leichter verwirklichen lassen. Bei der Forderung nach mehr Kino kann die Stadt selbst nicht aktiv werden. Aber Privatinitiative ist auch hier bereits zu verzeichnen.
Das soll nur eine kleine Auswahl an Anregungen sein, wobei die „Könige“ auch mit Lob nicht sparten. Manche meinten sogar: „Am besten alles so lassen, wie es ist.“ Ein Besucher aus München beschrieb Kirchheim als „fest in Geschichte und Gegenwart verankert, mit hübscher Altstadt, Handel, Industrie und guten Anbindungen in denkbar schönster landschaftlicher Umgebung“.
Wenn es darum ginge, diesen Punkt zu unterschreiben, dann wären sich vermutlich alle Kirchheimer wieder einig. So einig war auch Gunther Sill vom Möbelhaus König mit der Stadtverwaltung, als er den Hauptpreis an Ellen Kunath überreichte und dabei feststellte: „Auch für uns ist es wichtig, dass Kirchheim attraktiv ist und attraktiv bleibt.“
