Neidlingen. Geschäftsfrau durch und durch war Isa Justus aus Nabern über Jahrzehnte hinweg. Mit ihrem Mann Hans betrieb sie die Metzgerei Justus in Kirchheim. Nun, im Ruhestand, widmet sich Isa Justus ihrem Hobby: dem Garten, der Natur und den Kräutern. So hat sie sich nach turbulenten Geschäftsjahren mutig in die Ausbildung zur Kräuterpädagogin in der renommierten Gundermannschule gestürzt, mit Erfolg und Zertifikat. Erfüllt durch großes Kräuter-Wissen hat sie den Neidlinger Landfrauen (Un-)Kräuter nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch vorgestellt.
Was wachsen da für Delikatessen am Wiesen-, Weges- und Waldesrand? „Sie schmecken alle nicht nur gut, sondern sind ausgesprochen bekömmlich und gesund“, so die Expertin. Da lauschten die Anwesenden, als ein Loblied auf ein sehr dominantes Doldengewächs, den überwiegend ungeliebten „Giersch“, auch „Geißtritt“ genannt, zu hören war. „In der Volksheilkunde anerkannt ist Giersch als „Gichtpflanze“, erläuterte Isa Justus und nannte die wertvollen Eigenschaften, nämlich blutreinigende und entgiftende Wirkung. Eine Gierschlimonade mundete gar köstlich und vielerlei Anwendungsmöglichkeiten in der Küche wurden aufgezählt
Löwenzahn, so könnte man vermuten, hat wohl kaum einmal so intensiv sein Gelb, die Farbe der Sonne, Wärme und des Lichts, verströmt wie in diesem Frühjahr. Seine Heilwirkung erstaunte ebenfalls und saisonbedingt stellten sich Bärlauch, Gundermann, Brennnessel, Vogelmiere, Gänseblümchen, Labkraut und Spitzwegerich vor. – Alles Unkräuter zum Genießen, zum Hinsehen, zum Abpflücken, zum Anfassen. Für eine Wildkräutertarte aus neun Kräutern, Kräuterbutter mit Veilchen- und Löwenzahnblüte, Kräuterliköre und weitere ungewöhnliche Köstlichkeiten gab es nur wohlgefällige Meinungen.
Da war urplötzlich nicht mehr von „ärgerlichen Unkräutern“ die Rede. Isa Justus erzählte, wie es morgens für sie am heimischen Frühstückstisch die Teemischung frisch aus dem Garten gibt, wie für den Mittag in Salat, Gemüse und Getränken Wild- und Gewürzkräuter und Blüten folgen.
Durch viele Anregungen, Wissen und Tipps um die (Un-)Kräuter hat die Spezialistin ihre Zuhörerinnen spüren lassen, wie Kräuter und Pflanzen für sie zu Lebensbegleitern geworden sind. Inzwischen war zu erfahren, dass Gehörtes vielfach schon in die Praxis umgesetzt wurde und Gaumenfreuden pur hervorgerufen hat.rr
