Lenningen. „Das war kein einfacher Winterdienst. Wir haben eine Kündigung erhalten“, räumte Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht in der Sitzung ein. Tiefbauamtsleiter Karl-Heinz Griesinger meinte dazu lapidar: „Auch diesen Winter haben wir über die Runden gebracht – und sogar noch etwas Streusalz übrig.“ Ein großes Lob erhielt jedoch der Bauhof aus seinem Munde. Die Mitarbeiter gingen das eine oder andere Mal bis an die Grenzen des Machbaren, denn mitten im Winter mussten sie wegen einer kurzfristigen Kündigung zusätzlich auch noch in Gutenberg, Schopfloch, Krebsstein und der Torfgrube die Straßen räumen. Dazu kam noch der Totalschaden des „Holder“, einem Kommunal-Schlepper. Um ihn und das durch die Kündigung ausgefallene Fahrzeug zu ersetzen, mietete die Gemeinde einen Unimog mit Schneepflug an.
Auch Michael Schlecht ist sich bewusst, dass die Mitarbeiter an der Grenze der Belastbarkeit angekommen waren. „Es ist nur deshalb gut abgelaufen, weil der Winter irgendwann einmal ein Einsehen hatte – sonst hätten wir ein großes Problem gehabt“, so der Schultes.
Der Umwelt zuliebe werden in Lenningen bewusst nicht alle Straße freigesalzen. „Mit Winterreifen lässt es sich gut auf einer Schneedecke fahren“, sagte Michael Schlecht. Wo aber die Verkehrssicherheit gefragt ist, beispielsweise bei Steilstrecken oder in Kreuzungsbereichen, werde gesalzen. Der Schultes machte in diesem Zusammenhang auf ein weiteres Ärgernis aufmerksam: „Wo die Räumfahrzeuge nicht sicher wegen parkender Autos durchkommen, sind unsere Mitarbeiter angehalten, nicht durchzufahren. Darüber gibt es dann eine Dokumentation.“
Probleme gab es zudem bei der Abfuhr der Schneemassen in den Ortsdurchfahrten Gutenberg und Schopfloch, teilweise sogar auch in Oberlenningen. Schwierigkeiten bereiteten zudem starke Schneeverwehungen zum Harpprechthaus und zu den Maierhöfen bei Schopfloch. „Wir haben noch nicht alles im Griff. Aber irgendwo ist Schluss, denn es ist nicht bezahlbar“, sagte Michael Schlecht.
Insgesamt wurden im vergangenen Winter knapp 360 Tonnen Streusalz auf Lenninger Markung verbraucht. Im Haushaltsjahr 2010, das sozusagen zwei halbe Winter umfasst, sind rund 3 400 Arbeitsstunden und 2 400 Maschinen- und Fahrzeugstunden angefallen. Dies verursachte für den Bauhof Kosten in Höhe von 188 000 Euro.
Georg Zwingmann interessierten die Gründe für die überraschende Kündigung mitten in der Räumsaison. „Der Fahrer war möglicherweise überfordert, denn es ist eine Riesenaufgabe. Vielleicht war er auch die rauen Worte nicht gewohnt, die hin und wieder auf der Alb fallen“, lautete dazu die Antwort von Karl-Heinz Griesinger.
Das Thema Winterdienst wird den Lenninger Gemeinderat noch vor der nächsten kalten Jahreszeit ein weiteres Mal beschäftigen. „Winterdienst ist ein teures Unterfangen, es ist personalintensiv und auch mit Materialkosten verbunden“, sagte Michael Schlecht. Solle er billiger werden, müsse man sich vom gewohnten Standard verabschieden. „Das ist in diesem Fall aber eine Frage der Sicherheit“, gab er zu bedenken.
Nun sollen alle wesentlichen Daten aufgearbeitet werden, damit der Gemeinderat eine Entscheidungsgrundlage hat. Mit dem Engelhof hat die Gemeinde Lenningen einen weiteren Sonderfall. „Bis zur Diepoldsburg ist das Straßenbauamt zuständig“, erklärte Karl-Heinz Griesinger. Ab da, bis einschließlich zum Bergwachthaus, übernimmt ein privater Anbieter diese Arbeit.
