Lenninger Gemeinderat über Kindertageseinrichtungen informiert
Kündigung vor Dienstantritt

Eine Kündigung vor Arbeitsantritt, mehr Gehalt für Erzieherinnen und erste Gespräche zum Thema Ganztagesschule lautete die weite Spannbreite, die Hauptamtsleiter Günther Kern dem Lenninger Gemeinderat bezüglich der Fortschreibung des Entwicklungsplans für die Kindertageseinrichtungen vortrug.

Lenningen. Zahlen, Daten, Fakten – damit überhäufte Lenningens Hauptamtsleiter Günther Kern den Gemeinderat. Fehlen durften bei diesem breitgefächerten Thema auch die Stichworte Rechtsanspruch auf Kleinkindbetreuung, Fachkräftemangel, Inklusion und Sprachbildung nicht. Volle Belegung bei der Betreuung der unter Dreijährigen konnte Günther Kern vermelden. Die Vorgabe der Politik lautet hier 34 Prozent, was im Falle Lenningen etwa 65 Kindern entspricht. „Der Ist-Bestand liegt bei 41 Plätzen. Somit haben wir eine Versorgungsquote von 27 Prozent“, rechnete Günther Kern vor. Anvisieren will er für Lenningen 32 bis 33 Prozent.

Die Belegung in den Regelgruppen ist in den einzelnen Ortsteilen unterschiedlich. „Schöne heile Welt in Gutenberg und Schopfloch“, so der Hauptamtsleiter. Auch in Oberlenningen ist die Lage entspannt, Brucken und Unterlenningen sind dagegen gut belegt. „Die Schließung einer Gruppe in Oberlenningen möchte ich aber nicht zur Diskussion stellen, denn wir brauchen diese Sicherheit, um notfalls dort Kinder aus Brucken oder Unterlenningen aufnehmen zu können“, sagte Günther Kern.

Zurück zum Anfang heißt es beim Kindergarten in Unterlenningen. „Gestern habe ich die Kündigung der zukünftigen Leitung auf den Tisch bekommen“, musste der Hauptamtsleiter mitteilen. Dies rief ungläubiges Staunen im Ratsrund und in den Reihen der Zuhörer hervor. „Dass ein Vertrag noch vor Dienstantritt gekündigt wurde, ist uns noch nie passiert. Das ist eine unglückliche Situation“, bedauerte Bürgermeister Michael Schlecht, zumal der Markt annähernd leer ist. Deshalb brachten er und sein Hauptamtsleiter die Vergütung der Erzieherinnen zur Sprache. „Die Bezahlung hinkt bei uns hinterher. Für gleiche Arbeit muss es gleiches Geld geben“, so der Schultes. Wegen des Orientierungsplans gibt es keine klassische Aufteilung von angelernter und ausgebildeter Kraft. „Die Bezahlung der Kinderpflegerinnen ist unterirdisch. 1300 Euro netto bei einer Hundert-Prozent-Stelle treiben einem die Tränen in die Augen“, nahm Günther Kern kein Blatt vor den Mund.

Die Schulkindbetreuung platzt aus allen Nähten. „Das Angebot wird in nie da gewesener Form in Anspruch genommen. Wir kommen an unsere Grenzen und brauchen eine halbe Personalstelle mehr, damit der Schichtplan wieder funktioniert“, informierte der Hauptamtsleiter. Zwei Eltern musste gar abgesagt werden, denn der Standort Oberlenningen ist an seinen Grenzen angelangt. „Mehr geht nicht, sonst bekommen wir Schwierigkeiten mit der Betriebserlaubnis“, so Günther Kern. Aus diesem Grund denkt die Verwaltung über ein zweites Standbein in Unterlenningen nach, Gespräche sollen mit den beiden Rektoren Merkle und Bizer geführt werden. Die könnten weitreichende Folgen haben. „Oberlenningen ist keine Ganztagesschule. Dort gibt es eine Ganztagesbetreuung“, machte Michael Schlecht auf den großen Unterschied aufmerksam.

Bei der Schulkindbetreuung hat das Land gewisse Vorgaben auf den Weg gebracht. Für Ganztagesschulen muss ein pädagogisches Konzept vorliegen, dann gibt es auch zusätzliche Lehrerstellen. „Wir werden in diesem Bereich etwas tun müssen, denn es gibt nicht nur ein Personal- sondern auch ein Raumproblem – aber auch eine Möglichkeit, dies zu entzerren“, sagte Michael Schlecht. Er hat wenig Lust, an die erst vor wenigen Jahren erweiterte Grundschule in Oberlenningen schon wieder anzubauen, weshalb die Verwaltung die Lindenschule in Unterlenningen ins Gespräch brachte – eben als Ganztagesschule. Weil viele Eltern aus Brucken und Unterlenningen ihre Kinder in Oberlenningen wegen der Betreuung anmelden, hat die Lindenschule Kapazitäten frei.

Dem von der Verwaltung umrissenen Rahmen folgte der Gemeinderat – sowohl was die höhere Bezahlung, mehr Kindergartenplätze als auch das laute Nachdenken über eine Ganztagesschule anbelangt. „Das Signal einer besseren Bezahlung ist notwendig, wenn nicht sogar überfällig. Es gibt keine wirklichen Unterschiede mehr, denn jede Kraft ist für ihre Bezugskinder verantwortlich“, erklärte Georg Zwingmann. Der Ganztagesschule steht er positiv gegenüber: „Wir müssen den Bedarf und den Zeitgeist erfassen, uns rechzeitig mit diesem Thema befassen und mit den Schulen in einen Prozess kommen.“