Weilheim. Die in der Bürgerfragerunde vorgebrachten Bedenken vonseiten der Eltern konnten die Entscheidung des Gemeinderats nicht abwenden: Einstimmig beschloss das Gremium, die beiden Weilheimer Grundschulen schrittweise am Standort Limburg-Grundschule zusammenzulegen. „Es ist ein schwieriges Thema, das allerdings nicht nur Weilheim betrifft“, gab Bürgermeister Johannes Züfle mit Blick auf ähnliche Probleme in anderen Städten zu bedenken. Den Vorwurf, nicht rechtzeitig informiert zu haben, wies der Verwaltungschef zurück: „Schon im Rahmen des Strategischen Entwicklungskonzepts hat das Thema eine Rolle gespielt.“ Die Zusammenlegung der beiden Schulen sei schlicht eine Auswirkung der demografischen Entwicklung.
Die einzügige Grundschule im Bildungszentrum Wühle nimmt vom Schuljahr 2012/13 an keine Abc-Schützen mehr auf. Geichzeitig werden damit die Schulbezirke für die Grundschulen aufgehoben. In zwei Jahren entscheidet der Gemeinderat dann, ob die vierte Klasse im Schuljahr 2014/15 noch in der Wühle bleibt oder mit ihrem Klassenlehrer an die Limburg-Grundschule wechselt.
Im September 1997 besuchten die ersten Weilheimer Schüler die neu gebaute Grundschule im Bildungszentrum Wühle. Nötig geworden war der Neubau, weil die Gemeinde Neidlingen aufgrund der hohen Schülerzahlen die Hepsisauer Kinder nicht mehr aufnehmen konnte. Damals gab es an den Weilheimer Grundschulen fünf erste Klassen mit insgesamt 131 Kindern. Im laufenden Schuljahr verteilen sich 105 Abc-Schützen auf vier Klassen, im September schrumpft die Zahl der Erstklässler auf knapp 80. Der Blick in die Zukunft zeigt, dass Weilheim Jahrgänge mit nur noch rund 60 Schülern ins Haus stehen und die Grundschule dauerhaft dreizügig wird. Durch Rückstellungen, Übergänge auf Förderschulen und den Trend zu Privatschulen würden zudem zehn Prozent der Kinder meist gar nicht in Weilheim eingeschult, erklärte Züfle.
Er machte den Eltern keine Hoffnung auf eine neue Buslinie, die den längeren Schulweg beispielsweise für Kinder vom Egelsberg beziehungsweise aus dem Gebiet „Lange Morgen“ abfedern könnte. „Unter drei Kilometern richtet der Landkreis keinen Bus ein.“
Christian Birzele-Unger, Rektor an der Grund- und Werkrealschule im Bildungszentrum Wühle und geschäftsführender Schulleiter, brachte sein Bedauern zum Ausdruck: „Die Schließung der Grundschule im BZ Wühle lässt bei den Kolleginnen und mir viel Herzblut fließen.“ An der Schule sei einiges entwickelt worden. Birzele-Unger nannte unter anderem die mit dem TSV entwickelte Konzeption „bewegter Schulanfang“ ebenso wie das Projekt „Schutzengel an der Grundschule“ sowie den bilingualen Unterricht in einzelnen Fächern. „Trotzdem trage ich die Zusammenlegung der Grundschulen mit“, betonte der Schulleiter. Die demografische Entwicklung der Schülerzahlen setze unumstößliche Fakten, jede andere Entscheidung sei deshalb fachlich nicht zu vertreten.
Stadträtin Martina Herrlinger stellte den Zusammenhang mit dem vorgesehenen Ganztagsbetrieb an der Limburg-Grundschule her und hob hervor: „Wir müssen den Standort stärken.“ Dr. Hansjörg Egerer blies ins selbe Horn. Zudem verwies er auf den Raumbedarf im Bildungszentrum Wühle, der durch den Pavillon nicht gänzlich behoben sei. „Zwei Grundschulen können wir uns auf Dauer nicht leisten“, lautete das Argument von Albrecht Narr, der Verständnis für die Einwände der Eltern hatte und an die Verwaltung den Appell richtete: „Die Anregungen der Eltern sollten wir ernst nehmen und vor künftigen Entscheidungen umfassender und rechtzeitiger informieren.“
