Das Konzept Lebe Balance des Teams aus zwei Medizinern und zwei Psychologen der Uni Freiburg basiert auf fünf großen Bausteinen, die Diplom-Psychologin Lisa Lyssenko in der Kirchheimer Stadthalle kurz umriss.
Irene Strifler
Kirchheim. Erstes Stichwort ist die Achtsamkeit. Lyssenko ortete die Wurzeln dafür im Buddhismus, betonte aber, dass das Grundkonzept in allen großen Weltreligionen verankert sei. Beispielhaft nannte sie das monotone Beten des Rosenkranzes in der katholischen Kirche. „Das Dasein im Augenblick kommt oft zu kurz“, betonte sie. Mittlerweile sei deshalb Achtsamkeit in alle seriösen Behandlungskonzepte integriert. Lyssenko nannte aktuelle Studien, wonach Achtsamkeitstraining auch das Gedächtniszentrum stärke und dabei helfe, emotional regulierend zu wirken.
Zweiter Baustein ist die Selbstfürsorge. „Selbstzweifel quälen jeden“, tröstete die Psychologin. Auf der anderen Seite gibt es aber auch die Gefahr der permanenten Selbstüberschätzung. Sie sprach vom „Besser-als-der-Durchschnitt-Effekt“ und verwies auf Studien, wonach beispielsweise Autofahrer ihre Fahrkünste stets etwas besser als die Gleichaltriger einschätzten. Ziel ist, eine gesunde Selbstachtung zu entwickeln und sich selbst wie einen guten Freund zu begleiten. „Da muss ich mir nicht unbedingt das große Wellness-Wochenende gönnen, sondern einfach im Alltag fragen: Was brauche ich jetzt?“, erläuterte Lyssenko und beantwortete für sich spontan die Frage, indem sie demonstrativ zum Wasserglas griff.
Baustein Nummer drei sind die Werte. „Was ist mir in meinem Leben wichtig?“, nannte die Psychologin als Leitmotiv. Denn: Handeln nach eigenen Werten stärkt die Motivation und verleiht dem Leben Sinn. Problematisch werde es dann, wenn die Diskrepanz hoch sei zwischen dem, was einem eigentlich wichtig ist und den Werten, nach denen man lebt: „Irgendetwas läuft dann falsch“, warnte die Fachfrau.
Baustein vier ist ein soziales Netz. Soziale Beziehungen bezeichnete die Freiburger Wissenschaftlerin als wichtigsten Schutzfaktor für innere Balance. Aber: „Soziale Netze wollen gepflegt werden.“ Ganz wichtig ist hier die Kommunikation. Längst sei bekannt, dass Beziehungen dann gut funktionieren, wenn kommuniziert wird und gemeinsame Interessen aktiv gepflegt werden. Das Netz kann auf den Pfeilern Familie, Beruf, Freunde und Bekannte sowie Nachbarn ruhen, wobei nicht alle Bereiche in gleicher Intensität abgedeckt werden müssen.
Last, not least plädierte Lyssenko vehement für den letzten Schritt, der Balance schaffen heißt. Wichtig sei, alle Erkenntnisse in den Alltag zu übertragen, sich möglicherweise Etappenziele zu benennen, um Veränderungen im eigenen Lebensstil zu bewirken, denn: „Lebe Balance will keine Eintagsfliege sein.“ Dabei dürfe man sich ruhig für jeden Schritt belohnen, meinte sie und motivierte jeden, sich dafür auf die Schulter zu klopfen, dass er sich aufgerafft habe, ihren Vortrag als ersten Schritt zu einem anderen Leben zu besuchen.