Die Gemeinschaftsschulen stellen keine Konkurrenz zu den beruflichen Schulen dar. Davon ist der Leiter des Staatlichen Schulamts Nürtingen, Dr. Günter Klein, überzeugt. Im Kultur- und Schulausschuss des Esslinger Kreistags präsentierte er gestern die Grundzüge der regionalen Schulentwicklung.
Anke Kirsammer
Kreis Esslingen. Wenn Ende März die Anmeldungen für die weiterführenden Schulen vorliegen, wird das Staatliche Schulamt Nürtingen, wo es Bedarf sieht, mit Schulträgern, -leitern und Elternbeiräten nach Lösungen suchen. Einbezogen wird auch der Landkreis, um die betroffenen ÖPNV-Linien anzuschauen. „Einige Schulen müssen sicher Schüler abweisen und Alternativen aufzeigen, aber das war in den letzten beiden Jahren genauso“, sagte der Leiter des Nürtinger Schulamts, Dr. Günter Klein. Mit weniger als 16 Kindern dürfe künftig keine Klasse in einer weiterführenden Schule mehr eingerichtet werden. Ausnahmen gebe es lediglich für eine Übergangszeit. Betroffen sein werden insbesondere Werkreal- beziehungsweise Hauptschulen. Von einst 50 Standorten im Landkreis ist deren Zahl mittlerweile auf 25 geschrumpft. „Wir müssen den Rückbau organisieren“, so Klein. In vier Werkrealschulen im Landkreis drücken derzeit lediglich noch zwischen zehn und 16 Fünftklässler die Schulbank, weitere vier haben sogar deutlich unter zehn Kinder in der Eingangsklasse. Generell will sich die Behörde bei der Schulentwicklung unter anderem davon leiten lassen, wie die Übergangsquoten aussehen, aber auch nach dem baulichen Zustand einer Schule oder dem Bedarf für ein Ganztagesangebot fragen.
Während man sich bisher in Baden-Württemberg an den Schularten orientiert hat, richtet der Entwurf zur Änderung des Schulgesetzes den Fokus auf die Abschlüsse. Realschulen sollen künftig auch eine Hauptschulabschlussprüfung anbieten können“, erklärte Klein. Ein Werkrealschulabschluss könne aber nur an einer Werkrealschule erzielt werden. „Das kann man, muss man aber nicht gut finden.“ Gemeinschaftsschulen sollen je nach erreichtem Bildungsstandard den Haupt-, den Realschulabschluss beziehungsweise sogar das Abitur anbieten können, sofern sie über eine Sekundarstufe II verfügen. Andernfalls können Schüler, die in der zehnten Klasse nach gymnasialem Standard unterrichtet wurden, auch auf ein allgemeinbildendes Gymnasium wechseln. In maximal 40 Minuten soll jedes Kind eine Schule erreichen können, die zu einem der Abschlüsse führt.
Laut Gesetzentwurf müssen neugegründete Schulen – hauptsächlich Gemeinschaftsschulen also – Eingangsklassen mit 40 Schülern erreichen, für neu eingerichtete Gymnasien gilt der Schwellenwert von 60 Schülern. Diese Hürde müsste auch genommen werden, wollte man eine Sekundarstufe II an einer Gemeinschaftsschule anbieten. „Solche Bestrebungen gibt es derzeit nicht“, hob Klein auf die Frage von Landrat Eininger hervor. „Für berufliche Schulen sehe ich keine Gefahr“, so der Schulamtsleiter.
„Wir kommen im Landkreis vielleicht auch an den Punkt, an dem wir über Grundschulstandorte nachdenken müssen“, kündigte Klein an. In eine Gesamtplanung müssten Berufs- sowie Sonderschulen ebenfalls einbezogen werden. „Gemeinschaftsschulen sind per se inklusive Schulen.“ Deshalb will das Schulamt mit dem Landkreis in einen Planungsprozess einsteigen, um zukunftsfähige Lösungen im sonderpädagogischen Bereich zu finden.
Wie eine Karte zeigte, verfügt der Landkreis über ein vielfältges Schulangebot. Dazu gehören drei Gemeinschaftsschulen, im Schuljahr 2014/15 kommen Köngen und Frickenhausen dazu. In der nächsten Runde rechnet Klein mit drei bis sechs Anträgen. „Ich bin froh darüber, dass es kein Rennen darum gibt, möglichst schnell viele Gemeinschaftsschulen, sondern ein gutes Schulangebot zu haben.“
Wolfgang Haug (FDP) forderte genaue, landkreisspezifische Zahlen für eine weitere Beratung. Marianne Erdrich-Sommer, Grünen Kreisrätin und Leiterin der Kirchheimer Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule, betonte: „Nicht die Gemeinschaftsschule stört die Planungssicherheit. Wir haben eine veränderte Wirtschaftssituation, bei der Betriebe um Auszubildende feilschen. Außerdem stimmen Schüler und Eltern stärker als früher mit den Füßen ab.“
Eininger erklärte, Kultusminister Stoch sei der Idee des Landkreistags gegenüber aufgeschlossen, zwischen Gemeinschafts- beziehungsweise Realschulen und beruflichen Gymnasien Kooperationen zu vereinbaren.
