Kirchheim. Über 70 Ötlinger waren der Einladung des ÖBI-Vorsitzenden Hermann Kik ins „Rössle“ gefolgt. Als erstes wurde das „Integrierte Verkehrskonzept“, das die Stadt in Auftrag gegeben hat, erläutert. Dahinter verbirgt sich, so Kik, eine Gesamtbetrachtung aller verkehrlichen Entwicklungen und bisherigen Einzeluntersuchungen für die Stadt, um daraus ganzheitliche Lösungsansätze zu entwickeln. Es werden dabei alle Verkehrsarten betrachtet, also vom Fußgänger, über Rad- und Motorradfahrer sowie Pkw- und Lkw-Verkehre. Der Stadtteil Ötlingen soll bei der Bearbeitung und Umsetzung hohe Priorität haben, so die bisherigen Verlautbarungen aus der Verwaltung. Kik äußerte die Hoffnung, dass das Thema wie geplant auch angegangen wird. Zu oft schon hätten sich Planungen im Laufe der Zeit als Luftschlösser erwiesen. In verschiedenen Workshops sollen die Bürger eingebunden werden, um einen breiten Konsens bei der Ausarbeitung von Lösungsvorschlägen zu erzielen.
Der zweite Diskussionspunkt war der Projektantrag „Soziale Stadt“. Hier handelt es sich um einen Antrag auf Zuschüsse für ein Sanierungsgebiet im Kernbereich von Ötlingen, bei dem sowohl die baulichen als auch die sozialen Aspekte berücksichtigt werden sollen. Dem Zuschussantrag wurde vom Land zwischenzeitlich mit einer Förderung in Höhe von einer Million Euro stattgegeben. Kik machte deutlich, dass er davon ausgeht, dass sich im größten Stadtteil in den kommenden Jahren „endlich etwas bewegt und die Maßnahmen auch umgesetzt werden, wie sie seit Jahrzehnten bei der ÖBI auf der Arbeitsliste stehen“. Auch hier ist die Mitarbeit der Ötlinger gefordert, in die ausgelegten Listen trugen sich bereits erste „Mitarbeitswillige“ ein.
Vehement forderte Hermann Kik ein „Nachtfahrverbot“ für Lastkraftwagen – noch besser ein komplettes Durchfahrtsverbot – für die Gesamtstadt. Mit der B 10, der B 313 und der Autobahn gebe es genügend Umfahrungsmöglichkeiten für die Gesamtstadt. Neben einem Durchfahrtsverbot sollte aber auch großräumig um Kirchheim aufgezeigt werden, welche Umfahrungsmöglichkeiten empfohlen werden.
Er berichtete von Beispielen in Deutschland und Österreich, wo es solche Regelungen schon seit Jahren gebe. Ein sehr gutes Beispiel sei „direkt vor der Haustüre“ zu finden, so gibt es ein solches Durchfahrtsverbot für Lkw in Stuttgart-Vaihingen, wo durch entsprechende Verkehrsschilder geregelt ist, dass im Bedarfsfall Umleitungsverkehr von der Autobahn möglich ist.
Für weiteren Diskussionsstoff sorgte die Eduard-Mörike-Schule. Moniert wurde die Entscheidung gegen einen Standort Ötlingen in Bezug auf die Werkrealschule. Angemahnt wurde auch, die bauliche Substanz zu sichern. Darüber hinaus wurde die Sorge geäußert, ob, und wenn ja, wie der Standort „Eduard-Mörike-Schule“ erhalten beziehungsweise aufgewertet wird.
Begrüßt wurde das Bemühen von Eltern und der ÖBI-Fraktion, die sich für die Einrichtung einer Ganztagesbetreuung an der Grundschule einsetzen. Kik verwies auf die Betreuungslücke nach dem Kindergartenbesuch, wo eine Betreuung angeboten wird.
Als „Schande“ wurde es von den Anwesenden empfunden, wie das Thema „Eduard-Mörike-Mehrzweckhalle“ von Stadt und Gemeinderat von Jahr zu Jahr verschoben und die Halle dem Verfall preisgegeben wird. Es wurde ein Vergleich zu Lenningen gezogen, dort werde für die Teilgemeinde Unterlenningen mit einer Einwohnerzahl von knapp 2 400 eine neue Mehrzweckhalle gebaut. Für Ötlingen mit knapp 7 000 Einwohnern sei es nicht nachvollziehbar, dass seit Jahrzehnten dafür keine Mittel vorhanden sein sollen.
Zum Schluss wurde die Thematik Natur und Nutzung angesprochen und an zwei Beispielen festgemacht. Ein großes Ärgernis sei, dass die Grundstückseigentümer in der „Ötlinger und Jesinger Halde“ nur ein „Bauwerk“ mit einem Kubikmeter errichten dürfen. Das hier natürlich keine Gabel, kein Rechen, geschweige denn eine Sense untergebracht werden kann, liege auf der Hand. Hier, so Kik, seien die politischen Vertreter von Kreis, Region und Land gefordert, Ausnahmeregelungen, wenigstens am Grundstücksrand, zu schaffen.
Auch das leidige Thema „Markungsputzete“ wurde angesprochen, die nach der Kirchheimer Regelung nicht mehr im März, nicht mal als Ausweichtermin bei Schnee oder Minustemperaturen, durchgeführt werden darf. Im Gegensatz dazu habe die Stadt Fellbach die Bevölkerung dazu aufgerufen, sich am 26. März an einer Putzete zu beteiligen.pm
