Schlierbach. Regina Freitag, bei der Schlierbacher Gemeindeverwaltung für den Betreuungsbereich zuständig, stellte im Gemeinderat die Ergebnisse der Umfrage vor. „Wir hatten die Umfrage dem Rat ja schon im Frühjahr angekündigt“, leitete sie in das Thema ein. Gefragt wurde in allen drei Schlierbacher Kindergärten nach dem Bedarf einer Öffnungszeitenverlängerung bis 17 Uhr. Zusätzlich gefragt waren die Eltern von Kindern im Gebrüder-Weiler-Kindergarten: Da der Kindergarten bisher am Vormittag nur bis 12.30 Uhr geöffnet hat, wurde hier der grundsätzliche Bedarf nach verlängerten Öffnungszeiten bis 13 Uhr, 14 Uhr und 16 Uhr abgefragt.
Die Eltern von immerhin zwölf Kindern im Gebrüder-Weiler-Kindergarten wünschen demnach eine Ausweitung der dortigen Öffnungszeiten bis 14 Uhr, was dann auch ein Mittagessen der Kinder einschließt, während für derzeit fünf Kinder bereits eine Öffnungszeit bis 13 Uhr ausreichend wäre. „Die Verlängerung bis 13 Uhr können wir sehr kurzfristig realisieren, indem wir die Dienstpläne umstellen“, erklärte Regina Freitag. „Das würde den Eltern schon einmal weiterhelfen.“ Vier Kinder sollen nach dem Umfrageergebnis sogar bis 16 Uhr im Kindergarten bleiben.
Eine Verlängerung bis 14 Uhr hingegen sei nicht ganz so einfach zu machen. „Dazu wäre dann eine Personalaufstockung nötig“, machte Regina Freitag klar. Die Gemeinde rechnet hier mit zusätzlichen Personalkosten in Höhe von 40 000 bis 50 000 Euro jährlich. Auch müsste für das Mittagessen ein geeigneter Caterer gefunden und die vorhandene Küchenzeile im Kindergarten erweitert werden.
Baulich und ausstattungsmäßig gäbe es bei einer Erweiterung der Öffnungszeiten bis maximal 14 Uhr keine Probleme im bestehenden Kindergarten, erklärte Freitag, auch bei dem Caterer, der das Kinderhaus Dorfwiesen beliefert, sei man mit einer unverbindlichen Anfrage auf offene Ohren gestoßen. Eine größere Investition in den Brandschutz würde hingegen bei einer Öffnung bis 16 Uhr auf die Gemeinde zukommen, was rund 63 000 Euro kosten würde. Denn dann müsste im Obergeschoss ein Schlaf- und Ruheraum eingerichtet werden, der eine Brandschutztreppe notwendig mache.
Insgesamt fiel der Beschlussantrag der Verwaltung, im Gebrüder-Weiler-Kindergarten die Öffnungszeiten schrittweise zunächst auf 13 Uhr und dann auf 14 Uhr zu verlängern, auf einhellige Zustimmung. „Ich weiß, dass das Geld kostet, aber wir müssen da rangehen“, signalisierte Kurt Moll die Zustimmung der CDU-Fraktion. „Wir sind mit dem Bau des Kinderhauses Dorfwiesen in die richtige Richtung gegangen, dürfen uns darauf aber nicht ausruhen“, so Ralf Dreizler von den Freien Wählern.
Uneinigkeit herrschte aber bei der Interpretation der Befragungsergebnisse zum Betreuungsbedarf bis 17 Uhr. Hier hatten im Kinderhaus die Eltern von drei und im Dr. Irmgard-Frank-Kindergarten die Eltern von sechs Kindern einen zumindest tageweisen Betreuungsbedarf bis 17 Uhr angemeldet. Während die Gemeindeverwaltung hier keinen Handlungsbedarf feststellen konnte, sahen dies vor allem Jörn Feldsieper und Ralf Dreizler (beide FUW) anders. „Das sind immerhin neun Kinder – fast eine ganze Gruppe“, so Dreizler. Sie brachten eine einjährige Pilotphase im Gebrüder-Weiler-Kindergarten mit einer Öffnungszeit bis 17 Uhr ins Spiel. „Manchmal ist es so, dass man etwas anbietet und plötzlich der Bedarf da ist“, so Feldsieper. In anderen Gemeinden sei da seiner Meinung nach teilweise mehr geboten, was die Flexibilität der Betreuungsangebote angehe.
Diese Aussage stieß bei Verwaltung und auch im Ratsrund auf Widerspruch. „Wir haben immer noch auswärtige Kinder, die deswegen hier sind, weil wir so flexibel sind“, verteidigte Regina Freitag das Schlierbacher Betreuungsangebot. Tatsächlich seien die Rückmeldungen so, dass Schlierbach vom Preis und Angebot her attraktiv sei. Auch Marco Emmert (CDU) befand: „Unser Angebot ist nicht schlecht.“ Bürgermeister Paul Schmid stellte fest: „In der Liga, in der wir spielen, sind wir ganz vorne.“
Nach teilweise hitzigem Hin und Her stellte Kurt Moll (CDU) schließlich einen Kompromissvorschlag zur Debatte: Sein Antrag sah vor, nochmals konkret bei den Eltern nachzufragen. „Das müssten wir dann so formulieren: Wer meldet sich konkret bis zum 1. März für eine Betreuung bis 17 Uhr an? Und wenn es dann für eine Gruppe reicht, machen wir das im neuen Kindergartenjahr“, so Molls Vorschlag. Dieser stieß dann auch bei den Verfechtern eines Pilotprojekts auf Zustimmung. Einstimmig beauftragte der Gemeinderat die Verwaltung, nicht nur die verlängerten Öffnungszeiten bis 14 Uhr im Gebrüder-Weiler-Kindergarten vorzubereiten, sondern auch nochmals konkret auf die Eltern mit Bedarf bis 17 Uhr zuzugehen.