Erfolgreiche Radverkehrspolitik: Die Stadt erhält das Zertifikat „Fahrradfreundliche Kommune“
Kirchheim will sich mit den Besten messen

Die Stadt Kirchheim gehört zu einem exklusiven Klub in Baden-Württemberg: Sie ist eine von fünf Städten im Land, die sich mit dem Zertifikat „Fahrradfreundliche Kommune“ schmücken können. Entsprechend stolz ist Bürgermeister Riemer auf die Auszeichnung.

Andreas Volz

Kirchheim. Günter Riemer zählt drei Städte auf, die schon vor Kirchheim zur „Fahrradfreundlichen Kommune“ geworden sind: Karlsruhe, Offenburg und Freiburg. Hinzugekommen seien nun noch Heidelberg und Kirchheim. Insgesamt hatten sich dieses Mal vier Kommunen um die begehrte Auszeichnung beworben, die Verkehrsminister Winfried Hermann jetzt übergeben hat. Für Bürgermeister Riemer ist das ein zusätzlicher Grund zur Freude, bei einer Quote von 50 Prozent zu den Gewinnern zu zählen.

Mit dem Zertifikat werden Heidelberg und Kirchheim „für ihre Erfolge in der Radverkehrsförderung geehrt“, wie das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg mitteilt. Geprüft worden seien demnach „Faktoren wie die fahrradfreundliche Infrastruktur und die Kommunikation oder das kommunalpolitische Engagement für die Mobilität mit zwei Pedalen“. Auch wenn es nicht ausschließlich Fahrräder sind, die sich durch zwei Pedale definieren lassen, so geht es in diesem Fall doch eindeutig um eine „gleichermaßen erfolgreiche wie nachhaltige Radverkehrspolitik, der ein Gesamtkonzept zugrunde liegt“.

Allerdings gibt es für die Stadt Kirchheim keinerlei Grund, sich künftig auf den Lorbeeren auszuruhen. „Die Auszeichnung ist kein Dauerzustand. Sie wird nur für fünf Jahre verliehen“, sagt Günter Riemer und spricht gleich von weiteren Aufgaben, die die Stadt zugleich mit dem Zertifikat erhalten habe. So gehe es um eine Zahlenerhebung über die Anteile des Radverkehrs am gesamten Verkehrsaufkommen, aber auch darum, die Kommunikation zum Thema „Radfahren“ zu verbessern. Die Radstation am Bahnhof ist eine weitere Aufgabe. Aber um diese Aufgabe hat sich der Gemeinderat bereits gekümmert, der Beschluss ist gefasst.

Günter Riemer hat allerdings noch so manches andere im Sinn, gerade wenn es um die Kommunikation geht. Er möchte auch die Verhaltensweisen der Radfahrer thematisieren. So hält er nicht nur das Radeln in der Fußgängerzone für eine Unsitte, die immer mehr um sich greift, sondern auch das Radfahren auf Gehwegen, was immer mehr Erwachsene für selbstverständlich zu halten scheinen. – Ein weiteres Thema für Kirchheim seien die Schulradwege, die sich noch verbessern lassen.

Es gibt in Kirchheim also noch viel zu tun, um die Radverkehrsförderung voranzubringen. Für den Bürgermeister steht deshalb fest, dass sich die Stadt in fünf Jahren erneut um das Zertifikat „Fahrradfreundliche Kommune“ bewerben wird und dass sie auch dann gute Chancen haben wird, die Auszeichnung wieder zu erhalten.

Außer dem Bürgermeister freut sich auch der Kirchheimer Stadtrat und Grünen-Landtagsabgeordnete Andreas Schwarz über das Zertifikat: „Kirchheim hat diese Auszeichnung verdient, weil wir hier seit vielen Jahren auf die Förderung des Radverkehrs setzen.“ Als Beispiele nennt er in seiner schriftlichen Stellungnahme die Anlage von Fahrradwegen, das Markieren von Fahrradschutzstreifen oder auch die angedachte Fahrradstation an der S-Bahn-Station.

Nicht weniger erfreut zeigt sich die Kirchheimer Initiative „Fahr-Rad“, die aus der Lokalen Agenda hervorgegangen ist. Dieter Hutt, der Sprecher der Initiative, führt vor allem das „Konzept zur fahrradfreundlichen Markierung des Hauptstraßennetzes“ an, und zwar als „Grundlage dessen, was bis heute erreicht wurde“. Er betont die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten in Kirchheim und weist zugleich auf das große Ziel der Radverkehrsförderung in Kirchheim hin: „Es war unser Anliegen, uns an den Besten zu messen, und das waren – und sind – die Mitgliedsstädte der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte in Nordrhein-Westfalen.“

Als die Initiative „Fahr-Rad“ 2001 ihre Arbeit aufnahm, hat es in Baden-Württemberg noch an einem entsprechenden Netzwerk gefehlt. Inzwischen aber ist Kirchheim nicht nur Mitglied der „Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen Baden-Württemberg“, sondern auch als Vorreiterkommune zertifiziert.