Kirchheim. Wer die Kirchheim-Info im Max-Eyth-Haus betritt, dem sticht ein schmuckes Regal ins Auge, prall gefüllt mit leckeren Lebensmitteln, fast ausschließlich
Irene Strifler
aus der Region. Sie alle haben eine Gemeinsamkeit: Die unverkennbare Silhouette des Martinskirchturms prangt auf den Etiketten. Klarer Fall: Hier betreiben Kirchenverantwortliche und Stadt „Kirchturmpolitik“ im besten Sinne.
Die feilgebotenen Waren entstammen dem Sortiment der Stiftung Martinskirche. Ziel dieser Stiftung ist bekanntlich, die große Stadtkirche im Herzen Kirchheims zu erhalten. Dafür ist viel Geld vonnöten, allein die Ausgaben für die Dachstuhlsanierung nähern sich einer Millionensumme.
Doch Geld in die Kasse zu bringen, das ist nur die eine Seite der Medaille. Fast noch wichtiger ist es für Dekanin Renate Kath und ihre Mitstreiter, die Martinskirche verstärkt ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken. Zur Zielgruppe zählen zum einen einheimische Menschen, die zum Besuch der Kirche aufgefordert werden sollen. Dort finden nicht nur Gottesdienste, Veranstaltungen und Konzerte statt, dort wird auch ein Ort des Innehaltens im turbulenten Alltag geboten. „Unsere Stadtkirche ist ein Unterbrechungsraum“, bringt es Pfarrer Jochen Maier auf den Punkt. Wenn er beispielsweise mit Konfirmanden den Kirchenraum betritt, erlebt er immer wieder, wie überrascht die Menschen über die plötzliche Stille sind. Im Handumdrehen wird Distanz zum Alltag geschaffen.
Angesprochen werden sollen aber natürlich auch Tagesausflügler,
welche die S-Bahn in reichlicher Zahl nach Kirchheim spült. Kein Wunder, dass auch die Stadt dran interessiert ist, das Schmuckstück Martinskirche als Kirchheimer Highlight zu bewerben. Deshalb kann es nach Einschätzung von Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker auch keinen besseren Ort für den „Martinskirchladen“ geben als die Kirchheim-Info. „Wir wollen gerne dazu beitragen, dass die Martinskirche erhalten und mehr und mehr mit Leben gefüllt wird“, betont die Stadtchefin.
Saniert werden muss wohl langfristig nicht nur die Hülle des betagten Gotteshauses, auch das Innenleben ist auf dem Weg in moderne Zeiten. Unter dem Stichwort „gelebte Spiritualität“ fallen Dekanin Kath gleich eine ganze Menge Anregungen ein, die Menschen dazu bewegen, sich ins kirchliche Geschehen einzuklinken. Offene Türen und regelmäßig Ansprechpartner gehören für die Kirchenfrau unbedingt dazu. „Die Martinskirche als Stadtkirche ist heutzutage nicht nur ein Haus für Gottesdienstbesucher, sondern ein Anlaufpunkt für die ganze Stadt“, ergänzt die Oberbürgermeisterin.
Jetzt hoffen die Motoren der Martinskirchenstiftung um Kirchengemeinderatsmitglied Werner Dresel, dass das einprägsame Logo mit dem Turm der Martinskirche bald allerorten die Blicke auf sich zieht. Wer will, kann ein Polohemd in Schwarz oder Weiß mit Emblem in liturgischem Lila erwerben. Als Mitbringsel oder Souvenirs eignen sich die derzeit vorrätigen Produkte bestens, von den Martinsnudeln über Kirschlikör bis zu Olivenöl. Auch als Geschenkpackung sind die Leckereien zu haben.
Mit einer Erweiterung der Angebotspalette ist alsbald zu rechnen. Ein Flyer, der die Martinskirche ins rechte Licht rückt, befindet sich bereits in Arbeit. Renate Kath, Angelika Matt-Heidecker und Jochen Maier haben aber auch noch eine Menge zusätzlicher Ideen für das Sortiment des Ladens in der Hinterhand. Spontan ist da die Rede von einer handlichen Martinskirche als Briefbeschwerer, von einem schmucken Kuvertöffner mit Turmgriff bis zum leckeren schokoladenen Schlussstein. . . Die neue „Kirchturmpolitik“ bietet jede Menge Raum für Kreativität.
Foto: Jean-Luc Jacques
