Kirchheim. Fast drei Stunden lang begeisterten am Sonntag die Happy Voices und Pfarrer Dietmar Scheytt-Stövhase das Publikum in der Ötlinger Johanneskirche. Mit seinem Programm „Happy Hour“ gestaltete der
Chor unter Leitung von Robert Kast einen kurzweiligen und amüsanten Benefizabend, dessen Einnahmen komplett der Aktion Rückenwind und dem häuslichen Kinderhospizdienst zugute kommen. Beide Projekte unterstützen benachteiligte oder kranke Kinder und freuen sich über diesen musikalischen Einsatz.
„Radio Gaga – der Tecksender“ führte mit verschiedensten Sendungen durchs Programm, laut eigenem Motto „wahnsinnig gut“. Den Anfang machte die Morgenshow mit „Crazy Chrissi“, in der zur Einstimmung ein Live-Medley der Happy Voices geboten wurde. Im Taxi nach Paris oder im Tretboot in Seenot – eins bewies der Chor schon jetzt: die „pure Lust“, nicht nur am Leben, sondern vor allem am Singen. Mit großer Liebe zum Detail war auch das Bühnenbild gestaltet. Jeder Sänger und jede Sängerin war im Radio-Gaga-Stil eingekleidet, die Songs wurden passend durch Papp-Taxi oder Luftschlangen in Szene gesetzt. „Crazy Chrissi“ interviewte „Vorständin“ Moni, die beschrieb, wie dem Chor gemeinsam mit Pfarrer Scheytt-Stövhase nach einer gemeinsam gestalteten Hochzeit die Idee zum Benefiz-Abend gekommen war.
Beim nächsten Musikbeitrag der Happy Voices – „Those were the days“ – griff die gute Laune des Chors schnell auf das Publikum über, das beim Refrain begeistert mitklatschte. Nach dem kurzen Verkehrshinweis auf verstopfte Straßen rund um Ötlingen folgte der Wetterbericht, der einem innigen Wunsch der Frauen der Happy Voices Ausdruck verlieh. Sie mussten ihre Regenschirme auspacken, denn „it’s raining men“!
Dann war die Zeit fürs Kirchenkabarett von Pfarrer Dietmar Scheytt-Stövhase gekommen. Launig erzählte er von den Anforderungen und Herausforderungen seines Berufs und von seiner stets positiven Sichtweise auf das Leben. Die ganzen Drängler auf der Autobahn hält er daher immer für die Ehemänner hochschwangerer Frauen, warum sonst sollten sie es so eilig haben? Um die Geburtenrate macht sich der Albershausener Pfarrer demnach keine Sorgen mehr. Auch sein innovatives Werbekonzept für die Kirche stellte er vor. Gemeinsam mit einem Mineralwasserproduzenten und einer Metzgerei schloss er eine Vereinbarung zum gegenseitigen Werben, selbst sein Talar ist Pfarrer Scheytt-Stövhase dafür nicht zu schade.
Nach der Pause klagte Scheytt-Stövhase über den jedes Jahr wiederkehrenden Weihnachtsstress, der ihn dazu bewog, das Weihnachtsfest künftig im Mai zu feiern, denn: „Weihnachten ist, wenn man sich Weihnachten vorstellt“. Das Ötlinger Publikum ließ sich von dieser Stimmung anstecken und sang ganz beseelt zwei Tage nach Frühlingsanfang „O du fröhliche“. Das rief wieder die Happy Voices auf den Plan, die den Weihnachtsmann höchstpersönlich mitbrachten. Sie steigerten die festlichen Gefühle noch mit der Präsentation von Bachs „Air“, wunderbar intoniert in einer kompletten A-cappella-Version, „Heal the world“ und dem schwungvollen Lied „Gummibaum“, das den Weihnachtswahnsinn einmal aus der Sicht eines Migranten zeigt.
Doch mit der Weihnachtsstimmung war es schnell vorbei, als die Sportsendung „Kick die Teck“ das Lokalderby Kirchheim-Ötlingen kommentierte. Beim folgenden „Wunschkonzert“, in dem sich Frau Häfele aus Neidlingen Howard Carpendales „Hallo Eugen“ – oder doch eher „Hello Again“ – wünschte, entspann sich ein Streit um den Sender, wie ihn wahrscheinlich jede Familie kennt. Klassik gegen AC/DC – am Ende half nur noch, den Stecker zu ziehen. Den Abend rundete wieder das Kirchenkabarett von Dietmar Scheytt-Stövhase ab, der in der Sportsendung seine Erfahrungen als Schiedsrichter darlegte. Je nach Gastfreundlichkeit der Ortschaften entschied der Pfarrer spontan über die passenden Regeln, was ihm zwar den Titel „beliebtester Schiedsrichter der Saison“ einbrachte, jedoch nach nur einer Saison und einem diplomatischen Zwischenfall mit der italienischen Mannschaft zu seinem Rücktritt als kirchlicher Schiedsrichter führte.
Unter großem Applaus endete der unterhaltsame Wohltätigkeitsabend, und die Happy Voices ließen es sich nicht nehmen, das Publikum mit einem stimmgewaltigen „Halleluja“ in die neue Woche zu verabschieden. Die Spendensammlerinnen an den Eingängen verzeichneten großen Andrang, das Engagement für die beiden geförderten Aktionen hat sich auf jeden Fall gelohnt.
