Ministerpräsident a. D. Erwin Teufel warb in der Peterskirche für den europäischen Gedanken
Klares Plädoyer für Europa

Einen profilierteren Verfechter des europäischen Gedankens hätte sich wohl kaum finden lassen: Dass es Weilheims Altbürgermeister Hermann Bauer gelungen ist, den ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel für einen Vortragsabend in der Peterskirche zu gewinnen, war ein Geschenk, das seinesgleichen sucht.

Weilheim. Die Stiftung Peterskirche hat mit unterschiedlichen Veranstaltungen schon sehr viel Geld gesammelt, das für den Erhalt der Kirche dringend benötigt wird. Der honorarfreie Vortragsabend mit Erwin Teufel war daher nicht nur für die vielen Besucher ein ideeller Gewinn, sondern konnte maßgeblich dazu beitragen, die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen zum Erhalt des Kirchengebäudes intensiv zu unterstützen.

Hermann Bauers berufliches und ehrenamtliches Engagement thematisierte der überzeugte Europäer Erwin Teufel gleich zu Beginn seiner Rede. Er freute sich darüber, mit seinem Vortrag dazu beitragen zu können, „eine der schönsten Kirchen unseres Landes“ zu unterstützen. Auch der 1939 geborene Ministerpräsident a. D. Erwin Teufel könnte eigentlich längst seinen verdienten Ruhestand genießen, nutzt aber gerne jede sich ihm bietende Gelegenheit, für die ihm ungemein wichtige Idee des europäischen Gedankens zu werben.

„Europa – Herkunft und Zukunft“: So war Erwin Teufels interessanter Vortrag überschrieben, mit dem er sein Publikum von Anfang an fesselte. Dass das heutige Europa trotz einiger wohl unvermeidbarer Startschwierigkeiten und aktueller Probleme eine nicht hoch genug einzuschätzende Errungenschaft darstelle, konnte er überzeugend vermitteln und sein Publikum dafür sensibilisieren, dass es seit dem westfälischen Frieden 1648 in Europa fast 50 große Kriege gab. Dass es nun ein vereinigtes Europa mit Deutschland und Frankreich im Zentrum gebe – Länder, die sich über Jahrhunderte bekriegt hatten – sei eine großartige Errungenschaft. Sir Winston Churchill bestätigte er, recht gehabt zu haben, als dieser bereits im Jahr 1946 gefordert hatte: „Wir brauchen die Vereinigten Staaten von Europa.“

Im Blick auf eine gewisse Europamüdigkeit votierte Erwin Teufel ganz klar für das Prinzip der Subsidiarität. Überzeugt davon, dass die unteren Behörden vieles besser können, sprach sich der Redner klar dafür aus, viel mehr Verantwortung an die vor Ort in lokalen Rathäusern tätigen Menschen, an die zuständigen und mit den Problemen vertrauten Landkreise oder auch an die für die jeweiligen Bundesländer Verantwortlichen zu übertragen, anstatt alles zentral von Brüssel aus steuern zu wollen. Brüssel solle sich nicht mit möglichst vielen, sondern mit den richtigen Aufgaben befassen. Entscheidungen auf höchster Ebene seien notwendig, aber nicht alle Belange und Fragen müssten auf höchster Ebene entschieden werden.

Äußerst kritisch bewertete der Altministerpräsident beispielsweise die Verletzung des Stabilitätspakts, den Deutschland eingefordert, selbst aber nicht eingehalten habe. Außerdem forderte er, dass Staaten – ähnlich wie auch Banken – Eigenkapital anlegen und dass Geschäfte, die fernab von jeder Realwirtschaft getätigt werden, unterbunden werden müssten.

Europa sei mehr als ein Staatenverbund und mehr als eine Wirtschaftsgemeinschaft beziehungsweise ein administratives Gebilde. Mit der Akropolis, dem Kapitol und Golgatha nannte Erwin Teufel die drei Hügel, auf denen das vereinte Europa erfolgreich erbaut wurde, und verband sein klares Bekenntnis für Europa mit einem Plädoyer für den Rechtsstaat und die an die oberste Stelle zu setzenden Menschenrechte. Musikalisch stimmig beschlossen wurde der offizielle Teil der Veranstaltung von Kantorin Gabriele Bender auf der Goll-Orgel mit der als Europahymne bekannten neunten Symphonie Beethovens mit dem zum Thema Europa passenden Titel „Freude schöner Götterfunken“.

Als souveräner Gastgeber verabschiedete sich Pfarrer Peter Brändle von Erwin Teufel mit dem Hinweis darauf, dass ihm der statt eines Honorars übergebene Weilheimer Wein auch nach der anstehenden Fastenzeit noch munden möge.