Notzingen. Eigentlich war alles schon mehrfach durchdiskutiert und auch beschlossen worden – eigentlich. Doch in der jüngsten Sitzung entfachte sich wieder eine muntere Grundsatzdiskussion zum Thema Ganztagsbetreuung und wie viel sie eine Gemeinde kosten darf oder kann.
„Fünf Kinder sind angemeldet, deshalb ist die Mindestzahl von sechs nicht erreicht“, erklärte Bürgermeister Jochen Flogaus. Weil die Bodenbachgemeinde bei den verlängerten Öffnungszeiten in den bestehenden Gruppen an ihre Grenzen stößt, war beschlossen worden, bei Interesse eine Kleingruppe mit maximal zehn Kindern im Alter zwischen drei und sechs Jahren in der kindgerecht ausgebauten Wohnung im Kindergarten Alemannenweg einzurichten. Nötig wären dann mindestens zwei Vollzeitkräfte, besser noch 2,5 Erzieherinnenstellen. „Dafür ist mit Kosten von etwa 95 000 Euro zu rechnen, denen rund 8 300 Euro Einnahmen entgegenstehen“, führte der Schultes aus.
„Es geht nur um ein Kind, das fehlt. Wir reden also darüber, ob wir 1 500 Euro mehr oder weniger ausgeben wollen“, brachte es Herbert Hiller auf den Punkt. Er sah kein Problem darin, diese Kleingruppe zum Starten zu bringen. Die Gegenposition nahm Günter Barz ein: „Für 95 000 Euro ermöglichen wir vier Frauen arbeiten zu gehen – das sprengt den Rahmen. Wir sind auch dem Gemeinwohl verpflichtet.“ Die hohen Kosten wurden nun auch immer mehr Gemeinderäten bewusst.
In den sauren Apfel beißen würde Helga Merz. „Angefangen muss mal werden“, sagte sie. Ins gleiche Horn blies Hans Prell. „Wir sollten mit dem gleichen Mut weitergehen wie bisher“, sagte er und verwies auf die guten Erfahrungen. „Ist das Angebot erst einmal da, wird es auch angenommen und die Gruppen sind voll. Bei mehr angemeldeten Kindern würden wir auch jetzt nicht mehr darüber diskutieren“, sagte er weiter.
Diesen Ball nahm Jochen Flogaus dankbar an. Er sieht auch die Eltern in der Pflicht. „Eine Umfrage bringt keine hundertprozentige Aussage. Um planen zu können, brauchen wir konkrete Anmeldungen“, so der Schultes. Diesen Schritt sind Eltern von fünf Kindern gegangen. Für einige Kinder wurde jedoch ein Rückzieher gemacht, weil die Kleingruppe nicht im Wunschkindergarten untergebracht werden soll. „Wir diskutieren um den heißen Brei. Wir haben beschlossen, ab sechs Kindern eine Kleingruppe zu eröffnen. Die Anzahl haben wir nicht – also machen wir es auch nicht“, erklärte ein leicht entnervter Rudolf Kiltz.
Um einen goldenen Mittelweg bemüht, schlug Jochen Flogaus schließlich vor, die Einführung der Kleingruppe zu verschieben. Eine Umfrage soll in einigen Monaten klären, ob bis zum 1. März 2012 ein größerer Bedarf besteht und die Gruppe dann eingeführt wird. „Das Angebot steht aber immer unter dem Vorbehalt, dass wir auch zwei Erzieherinnen bekommen“, gab Jochen Flogaus zu bedenken. Bei einer Gegenstimme sprach sich der Gemeinderat für diese Lösung aus.
