Thomas Kräh ist der neue Geschäftsführer der Kreiskrankenhäuser – Managementvertrag auf drei Jahre
Kliniken-Führungsmannschaft wieder komplett

Er soll gemeinsam mit Elvira Benz dafür sorgen, dass der „Patient Kreiskliniken“ bald wieder das Krankenbett verlassen kann. Gestern hat der Aufsichtsratsvorsitzende der Kliniken-gGmbH, Landrat Heinz Eininger, den neuen Kliniken-Geschäftsführer Thomas Kräh, einen ausgewiesenen Krankenhausfachmann, vorgestellt.

Richard Umstadt

Esslingen. Die Aufgabe wird nicht leicht, das weiß der 47-jährige verheiratete Familienvater aus Bad Abbach bei Regensburg. Doch er bringt eine zwölfjährige Erfahrung im Sanieren und Führen von Krankenhäusern mit und ist insgesamt seit mehr als 22 Jahren im Gesundheitswesen tätig.

Von dem neuen Geschäftsführer, der gemeinsam mit seiner Stellvertreterin Elvira Benz die Führungsmannschaft bildet, erwartet der Aufsichtsratsvorsitzende der Kreiskliniken, dass er das bereits eingeleitete Stabilisierungsprogramm konsequent umsetzt, um die Häuser wieder in die schwarzen Zahlen zu bringen. Sollte es zur Fusion mit dem Städtischen Klinikum Esslingen kommen, so wird er die Kreiskliniken beim Fusionsprozess begleiten.

Thomas Kräh hat dazu drei Jahre Zeit. So lange läuft sein Managementvertrag. Er ist nicht direkt bei den Kreiskliniken angestellt, sondern bleibt Mitarbeiter der Firma EconoMedic, die seit dem Sommer bereits das Klinikmanagement unterstützt und auf deren Sachverstand das Management der Kreiskliniken zurückgreifen kann. EconoMedic hatte bereits im Frühjahr die Verlagerung der Inneren Medizin von Plochingen nach Kirchheim empfohlen, was jetzt durch das Ernst & Young Gutachten bestätigt wurde.

Auf seinen befristeten Vertrag anspielend, meint Kräh: „Tausend Tage braucht man, um das Schiff wieder flott zu machen.“ Und dass ihm dies gemeinsam mit der Kreiskliniken-Mannschaft und den Spezialisten von EconoMedic auch gelingt, daran zweifelt der selbstbewusste 47-Jährige nicht. Seine Kernaufgabe sieht er im „Turnaround“, dem Drehen der Zahlen von Rot auf Schwarz. Dabei will er Prozesse verbessern und wirtschaftlicher gestalten. Die Qualität in Medizin und Pflege soll erhalten bleiben. Wichtig ist ihm, bei allen Strukturmaßnahmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitzunehmen und gemeinsam mit dem Personal das Vertrauen der Bevölkerung in die Kreiskliniken weiter zu fördern. Gespannt ist Kräh auf das Kliniken-Gutachten von Ernst & Young, das als Basis für die Fusionsgespräche Mitte Januar vorgestellt wird.

Kein Geheimnis um die Einstellung von Thomas Kräh wollte der Aufsichtsratsvorsitzende gegenüber „den Partnern in Esslingen“ machen. „Wir haben das im Vorfeld kommuniziert“, so Heinz Eininger. Im kommenden Jahr sollen Grundsatzbeschlüsse zur strukturellen Zusammenarbeit gefasst werden, um dann die Abstimmungsprozesse ins Laufen zu bringen. „Nur die Fusion der Kreiskliniken mit dem Klinikum der Stadt Esslingen bringt signifikante wirtschaftliche Vorteile“, ist sich der Landrat sicher.

Dass es mit den Krankenhäusern überhaupt so weit kommen musste, dafür macht er die Bundespolitik verantwortlich. „69 Prozent der Kliniken in Baden-Württemberg schreiben in diesem Jahr rote Zahlen“, verdeutlicht er das Ausmaß der Katastrophe und erinnert an die Bundestagswahl 2013: „In diesem Punkt werden die Städte und Landkreise die Bundespolitik stellen. Wenn das so weitergeht, wird es bald keine Krankenhäuser mehr in kommunaler Trägerschaft geben.“ Wobei er auch die mangelnden Fördergelder des Landes für den Krankenhausbau moniert.

Eininger dankte der stellvertretenden Geschäftsführerin Elvira Benz, die seit April kommissarisch die Führungsaufgabe aufgrund der krankheitsbedingten Abwesenheit des Geschäftsführers Franz Winkler wahrgenommen hatte. Für Benz erfordert die Umbruchsituation der Kliniken eine „sehr hohe Sensibilität“ und die Notwendigkeit der Transparenz und Information. „Doch jetzt haben wir die Aussicht, dass der Patient wieder gesund wird.“