Gegen den amtierenden Bürgermeister einer gut situierten Kommune anzutreten, dazu gehört Mut. Ein ernstzunehmender Herausforderer riskiert das nur, wenn einiges im Argen liegt.
Kirchheims Hauptamtsleiter Steffen Weigel ist alles andere als ein Juxkandidat. Er meint es ernst und weiß, dass in Wendlingen auf kommunalpolitischem Parkett einiges schiefgelaufen ist. „Defizite im Führungsstil“ – das ist nur eine von vielen Klagen, die über den Amtsinhaber kursieren. Deshalb drängen die Gemeinderäte quer durch alle Fraktionen lautstark auf Alternativen – auch jetzt noch, wo es mit dem SPD-Mann, der sich Überparteilichkeit auf seine Fahnen geschrieben hat, eine erste Alternative gibt. Aber eben bislang nur eine. Der Countdown läuft erst an.
Letztlich liegt die Entscheidung beim Bürger. Der wiederum lebt nicht schlecht in der 16 000-Einwohner-Stadt mit Sportpark, S-Bahn-Anschluss, Wirtschaftsbetrieben . . . Hier dürfte der Leidensdruck niedriger sein als im Ratsrund.
Eine Volkswahl hat zudem ihre eigenen Gesetze. Charisma und Überzeugungskraft spielen in der Öffentlichkeit mitunter eine größere Rolle als grundehrliche Arbeit.
Die Wahl ist noch lange nicht gelaufen. Weigels früher Wahlkampfauftakt ist zunächst nicht mehr als ein mutiger Schritt.IRENE STRIFLER
