Traut der Staat eigentlich sich selbst nicht? Für was braucht eine moderne Gesellschaft, deren Alltag aus elektronisch gespeicherten Daten – Personalausweis, Krankenkassenkarte, etc. – bestimmt wird, noch eine Volkszählung? Mal ganz abgesehen von Bürgern, die via Geodatenspeicherung vom iPhone, Sonys Datenleck bei der Playstation oder deutschlandweiten Kundenkarten sowieso schon bis aufs letzte Hemd ausgeleuchtet, ausspioniert und langzeitdatengespeichert sind. Hat sich seit 2000 Jahren im Gedankengut eines Staates nichts verändert? Da kam ein gewisser Herodes auf die Idee, sein Volk zu zählen – aus Angst vor einem neuen König.
Es drängt sich die Frage auf, wozu die Bürger in jedem Rathaus ein Einwohnermeldeamt mit Steuergeldern finanzieren. Drehen die Beamten dort Däumchen oder zweifeln sie an ihren eigenen Fähigkeiten? Wieso wissen die nicht, ob jemand verheiratet ist oder die „Mutter nach 1955 in das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland zugezogen“ ist oder eben nicht? Sind die Daten allesamt verschlampt? Als was man zuletzt tätig war, ist dank der Lohnsteuerkarte für den Staat kein Geheimnis, genau so wenig ob Hartz IV oder Arbeitslosengeld beantragt wurde. Wer schwarz arbeitet, wird dies dem Fragebogen ganz sicher nicht wie einem Tagebuch anvertrauen und wer im Kiez unerkannt bleiben will, wird dies auch trotz des Zensus problemlos schaffen.
Über die Volkszählung freuen dürfen sich insbesondere die Leiter von Asylbewerberheimen. Hier ist eine Vollerhebung Gesetz, sprich jeder einzelne Bewohner muss erfasst und die Fragen in Urdu, Benali, Maithili oder mazedonisch übersetzt werden.
Wenn schon jetzt so viele Fragen offen sind, wie viele kommen dann nach? Etwa: Wer wertet die ganze Datenflut datenschutzrechtlich einwandfrei aus? Was kostet die ganze Chose und welchen Nutzen hat das Volk davon? Hoffen wir mal, dass es beim Zensus ausnahmsweise zu keinem Datenleck kommt und Wikileaks nicht grüßen lässt.
Kommentar: Was soll das?
