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Kirchheimer Realität
Am Freitag gegen 22 Uhr hielt es keinen in der Halle mehr auf seinem Sitz. Obwohl auf der Tribüne an diesem Abend deutliche Lücken klafften, erinnerte der Lärmpegel doch sehr an die Play-off-Erfolge im Frühjahr 2012, als dem Überraschungsteam aus der schwäbischen Provinz um ein Haar die Sensation gelungen wäre. Der Sieg gegen Gießen nach zweimaliger Verlängerung am Freitag hat gezeigt: Die Knights bringen die großen Dramen auf die Bühne. Eine Droge, die beim Publikum noch immer wirkt. Trotz einer Saison mit vielen Enttäuschungen und einer unter dem Strich schwachen Heimbilanz.

Aus sportlicher Sicht lässt sich Frieden schließen mit einer Saison voller Überraschungen. Positiv wie negativ und daher: im Mittel brauchbar. Nach dem mit viel Glück und fremder Hilfe erreichten Klassenerhalt im Vorjahr ist Platz zehn am Ende mehr als die meisten erwartet hatten. Ob man von Kirchheimer Mannschaften in Zukunft wieder mehr erwarten darf, ist die spannende Frage. Immerhin haben sich die Ritter seit Gründung der Pro A vor sechs Jahren fast durchgängig im oberen Tabellendrittel behauptet.

Zweifel sind erlaubt. Finanzielles Wachstum, professionelle Strukturen, eine erstklassige Nachwuchsarbeit und glanzvolle Spielstätten – Was die Liga mit Tempo vorantreibt, ist in Kirchheim eine bestenfalls vage Perspektive. Warum man sich beim Handel mit Leidenschaft und Emotionen im stärksten Wirtschaftsraum der Republik so schwer tut, ist eine Frage, die sich nicht nur die Verantwortlichen stellen. Über einen Fahrplan in Richtung erste Liga – vor zwei Jahren noch selbstbewusst verkündet – spricht man in Kirchheim nicht einmal mehr hinter vorgehaltener Hand. Es sind die kleinen Schritte, die mühevoll sind. Im Herbst gehen die Knights erstmals mit hauptamtlichem Geschäftsführer an den Start. Vorgaben der Liga, die erst der Anfang sind. Bis 2016 drohen weitere, schärfere Auflagen. Ohne wachsenden Etat werden die nicht zu erfüllen sein, will man weiterhin ein konkurrenzfähiges Team ins Rennen schicken.

Die Saison ist um. Den Großteil der Mannschaft will man versuchen, zu halten. Mehr als Absichtserklärungen sind derzeit allerdings nicht drin, weil für konkrete Verhandlungen die finanzielle Basis fehlt. Das ist Kirchheimer Realität.BERND KÖBLE