Garten im Herbst
Kontrasterlebnisse und Stressabbau

Was die Pflanzen im Garten alles leisten

Bepflanzte Beete, windabweisende und schattenspendende Hecken und große Gehölze sind wichtige Trittsteine im Biotopverbund und b
Bepflanzte Beete, windabweisende und schattenspendende Hecken und große Gehölze sind wichtige Trittsteine im Biotopverbund und bieten den Raum für erholsame Stunden im Garten. Foto: BGL

BGL. „Private Gärten leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Biodiversität, bieten multifunktionale Pflanzen und fördern nachweislich die menschliche Gesundheit." Dr. Michael Henze vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL) stellt mit diesem Statement gleich drei zentrale Themenfelder vor, die die Bedeutung des privaten Grüns unterstreichen - und von denen viele Gartenbesitzende gar nichts wissen.

Trittsteinbiotope im urbanen Grünsystem

Rund 17 Millionen Hausgärten gibt es in Deutschland - große, kleine, einige mehr, andere weniger gepflegt, mal sehr intensiv und vielfältig bepflanzt, mal mit eher einfachen Rasenflächen. Je nach den persönlichen Erwartungen und Wünschen, aber auch unterschiedlichen Nutzungsformen und nicht zuletzt Budgets ihrer Besitzenden sind private Gärten sehr unterschiedlich. Dr. Michael Henze: „Gerade die Verschiedenartigkeit privater Gärten kann zur biologischen Vielfalt beitragen: Unterschiedliche Strukturen und Bepflanzungen bieten verschiedenen Tier- und Pflanzenarten Lebensräume. Als sogenannte ‚Trittsteinbiotope‘ können Gärten zudem dabei helfen, Entfernungen zwischen größeren Kernlebensräumen zu überbrücken." Private Gärten sind hier von besonderer Bedeutung, denn im Gegensatz zu großflächigen landwirtschaftlichen Monokulturen zeichnen sie sich durch eine außergewöhnlich hohe Pflanzenvielfalt auf relativ kleinem Raum aus. Die Vielfalt an Strukturen - von Staudenbeeten über Hecken und Gehölzpflanzungen bis hin zu kleinen Teichen - schafft zahlreiche wertvolle Mikrolebensräume. Je mehr solcher unterschiedlichen Lebensräume vorhanden sind, umso mehr Arten finden hier Nahrung, Nistmöglichkeiten und Schutz. Verschiedene heimische Pflanzen wie die Kornelkirsche (Cornus mas), die Felsenbirne (Amelanchier) oder der Wilde Apfel (Malus sylvestris) bieten Insekten Nahrung und dienen Vögeln als Brutstätte. Eine Vielzahl an Stauden und Gräsern, Bodendeckern, Kleingehölzen und auch Exoten tragen zu der Vielfalt bei, die den eigenen Garten ganz nebenbei zum Naturerlebnisraum machen. Dr. Michael Henze: „Deshalb achten wir bei der Gartenplanung, -anlage und -pflege immer auch auf die Gärten im direkten Umfeld und entwickeln in Abstimmung mit den Gartenbesitzenden die Flächen vor und hinter dem Haus hin zu mehr Vielfalt."

Ästhetik, Funktion und Ökologie

Viele Gehölze erfüllen im Garten gleich mehrere Funktionen: Vordergründig betrachtet sollen sie natürlich ästhetisch ansprechend sein, aber darüber hinaus dienen sie als Sicht- und Windschutz, bieten gleichzeitig wertvollen Lebensraum für die Tierwelt und sie können noch mehr. Dr. Michael Henze erläutert: „Eine naturnahe Hecke aus heimischen Sträuchern filtert Staub, dämpft Lärm und bildet ein günstiges Kleinklima, während sie Vögeln und Insekten Schutz und Nahrung bietet. Vielen ist gar nicht bewusst, welche Mehrfachnutzen sie mit der Auswahl ihrer Gartenpflanzen erreichen können." Beispielhaft nennt er den Feuerdorn (Pyracantha). Das immergrüne Gehölz bietet ganzjährigen Sichtschutz, attraktive Blüten für Insekten und leuchtende Beeren als Vogelnahrung im Winter. Dr. Michael Henze: „Im Vergleich zu verschiedenen immergrünen Koniferen oder Kirschlorbeer können blühende und fruchtende Sträucher heimischen Tierarten ein vielfältigeres Nahrungsangebot und zusätzliche Lebensräume bieten." Nicht zu unterschätzen ist auch die positive Wirkung von Gärten auf das Mikroklima: Hier kann Wasser versickern, während Boden und Pflanzen durch Schattenwurf und Verdunstung aktiv kühlend wirken.

Gesundheitsquelle: Erholung und Wohlbefinden

Der eigene Garten ist für Viele ein zentraler Ort für die psychische und physische Regeneration. Verschiedene deutsche und internationale Studien belegen die positive Wirkung von Naturerfahrung auf Stimmung und Konzentration des Menschen: Sie schafft Kontrasterlebnisse und ermöglicht Stressabbau durch umfassende psychische und emotionale Entspannung. Natürliche Reize und die Stimulation der Sinne können Menschen helfen, vom Alltag abzuschalten und Abstand zu Problemen zu gewinnen. Dr. Michael Henze: „Viele Menschen erleben diese positiven Effekte eher unbewusst, mit einer guten Gartengestaltung lassen sich diese Effekte aber auch bewusst steigern. Duftende Kräuter entlang der Gartenwege oder an der Terrasse, blühende Beete, die auch von drinnen wahrgenommen werden, das Rauschen eines Gräsersolitärs im Vorgarten, Weinreben oder Kiwis entlang einer Pergola, die zum Naschen einladen... es sind oft kleine Dinge, die eine große Wirkung entfalten." Weitere Informationen zu verschiedensten Pflanzen- und Gartenthemen finden sich auf www.mein-traumgarten.de.