Gutes Geschäftsjahr 2012 bei der Volksbank Kirchheim-Nürtingen – Jubiläumsjahr mit vielen Aktivitäten
Kreditgeschäft als Wachstumsmotor

Die Volksbank Kirchheim-Nürtingen blickt auf ein gutes Geschäftsjahr 2012 zurück. Die Vorstandsmitglieder Harald Kuhn und Wolfgang Mauch zogen am Donnerstag bei einer Pressekonferenz eine positive Bilanz. Vor allem das Kreditgeschäft erwies sich als Wachstumsmotor.

Nürtingen. Auch bei den Einlagen konnte die Bank einen Zuwachs verzeichnen. „Es war wieder ein gutes Jahr, trotz schwieriger Rahmenbedingungen und der anhaltenden Niedrigzinsphase“, sagte Vorstandsmitglied Wolfgang Mauch. Die robuste wirtschaftliche Entwicklung in der Region habe zum guten Ergebnis beigetragen. Die anfänglichen Befürchtungen hinsichtlich der konjunkturellen Entwicklung zu Beginn des Jahres hätten sich nicht bewahrheitet.

Das Kreditvolumen erhöhte sich um 4,4 Prozent auf 1,087 Milliarden Euro (Vorjahr 1,042 Milliarden Euro). Damit liege man über dem Durchschnitt in Baden-Württemberg. Wobei sich Firmenkredite und Privatkundenkredite etwa gleich entwickelten, so Mauch. Die neu vergebenen Kredite nahmen gegenüber dem Vorjahr sogar um 10,8 Prozent auf 259,5 Millionen Euro zu.

Die Einlagen stiegen um 2,1 Prozent auf 1,244 Milliarden Euro (Vorjahr 1,218 Milliarden Euro). Hier spüre man die zunehmende Konkurrenz vor allem ausländischer Banken, die mit Konditionen in den Markt drängten, die weit über den Marktsätzen lägen. Auch fließe aufgrund der unsicheren Währungssituation viel Geld in Sachanlagen. Dass man hier dennoch habe wachsen könne, zeige das Vertrauen der Kunden in das genossenschaftliche Modell. Wegen des niedrigen Zinsniveaus seien vor allem täglich fällige Einlagen gefragt gewesen.

Das betreute Kundenvolumen betrug zum Jahresende 3,6 Milliarden Euro, ein Plus von drei Prozent. Darin enthalten sind auch die vermittelten Produkte der Verbundpartner wie Bausparverträge, Versicherungen und Wertpapiere. Während dem Bausparen nach wie vor eine hohe Bedeutung zukommt, habe das Wertpapiergeschäft im vergangenen Jahr wieder angezogen, aber auch hier vor allem sichere Anlageformen mit Kapitalgarantie oder Immobilienfonds.

Auch mit dem Ertrag sind die beiden Vorstandsmitglieder zufrieden. Wie im Vorjahr wird ein Gewinn von 4,5 Millionen Euro ausgewiesen. Weiter rückläufig war der Zinsüberschuss. Dieser sank um 2,5 Prozent auf 34,6 Millionen Euro (Vorjahr 35,5 Millionen Euro). „Dieses Thema wird uns in den nächsten Jahren noch intensiv beschäftigen“, sagt Vorstandsmitglied Harald Kuhn: „Es sieht nicht so aus, als ob sich hier etwas ändern wird. Schließlich haben die Staaten ein Interesse daran, sich durch die niedrigen Zinsen zu sanieren.“ Der Provisionsüberschuss habe auf dem hohen Vorjahresniveau gehalten werden können. Mit den Kosten liege man im Plan. Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft sei dank der guten wirtschaftlichen Situation in der Region auf niedrigem Niveau.

Vom Bilanzgewinn soll an die Mitglieder eine Dividende in Höhe von 5,5 Prozent ausgeschüttet werden. Darüber wird die neu gewählte Vertreterversammlung am 14. Mai in der Stadthalle in Nürtingen abstimmen. Die Zahl der Mitglieder der Volksbank Kirchheim-Nürtingen ist im vergangenen Jahr um 566 auf 51 034 gestiegen.

Der Personalbestand bei der Volksbank Kirchheim-Nürtingen war mit 305 Vollzeitstellen konstant. 28 Auszubildende sind dort beschäftigt. „Wir wollen unsere qualifizierten Kräfte aus dem eigenen Nachwuchs rekrutieren“, so Kuhn. Am Zweigstellennetz mit 22 Filialen und einer SB-Filiale seien keine Veränderungen geplant.

Der Vorstand bewertet die Einigung des Europäischen Rates zur Bankenaufsicht positiv. Der Kompromiss der EU-Finanzminister sieht vor, dass die Europäische Zentralbank nur Banken mit einer Bilanzsumme von über 30 Milliarden Euro beaufsichtigt. Immer noch offen sei indes das Thema eines gemeinsamen europäischen Sicherungsfonds für Banken, gegen den sich Volksbanken und Kreissparkassen vehement aussprechen, weil sie dadurch die Aufweichung ihrer eigenen Sicherungseinrichtungen befürchten. Der Vorstand kritisiert außerdem das Beraterregister, an das alle deutschen Banken seit Ende 2012 die Namen ihrer Kundenbetreuer melden müssen, was mit einem riesigen bürokratischen Aufwand verbunden sei. „Per Formalie soll hier erzwungen werden, dass der Kunde ordentlich beraten wird. Doch das sollte eigentlich selbstverständlich sein“, so Wolfgang Mauch.

Im vergangenen Herbst hatte die Bank nach 15 Monaten Bauzeit ihre komplett sanierte und umgebaute Hauptstelle in Nürtingen wieder in Betrieb genommen. „Das Gebäude wird sehr gut angenommen“, so Harald Kuhn, auch das darin umgesetzte Kunstkonzept komme sehr gut an.

Für das laufende Jahr rechnen Mauch und Kuhn mit einem ähnlichen Erfolg wie 2012. „Wir gehen davon aus, dass das bundesweit prognostizierte Wirtschaftswachstum von 0,5 bis 0,6 Prozent bei uns in der Region etwas höher ausfallen wird, mit einer Eins vor dem Komma“, so Harald Kuhn. Der Druck auf die Zinsspanne werde bleiben, der Wettbewerb im Einlagengeschäft weiter zunehmen: „Das heißt, wir müssen durch Qualität wachsen.“

In diesem Jahr feiert die Nürtinger Volksbank ihr 150-jähriges Bestehen. Gegründet 1863, gehört sie zu den ältesten Genossenschaftsbanken in Württemberg. Entstanden war sie als Handwerkerbank auf Betreiben des Nürtinger Gewerbevereins, nur ein Jahr nach Einführung der Gewerbefreiheit. Heute sind unter dem Dach der Volksbank Kirchheim-Nürtingen 19 ehemals selbständige Genossenschaftsbanken vereinigt. Mit einem Festakt im April läutet die Bank ihr Jubiläumsjahr ein. Von Mai bis September sind dann Veranstaltungen für Mitglieder und Kunden geplant. Außerdem will die Bank aus Anlass des Jubiläums zahlreiche Projekte in der Region mit insgesamt 150 000 Euro fördern.