Agentur für Maschinenbau im Landkreis
Krise lehrt vermehrte Zusammenarbeit

Die IG Metall Esslingen, der Arbeitsgeberverband Südwestmetall, die Wirtschaftsförderung der Region Stuttgart sowie Geschäftsleitungen und Betriebsräte von Metall- und Elektro-Unternehmen haben eine Agentur für den Maschinenbau im Kreis gegründet.

Kreis Esslingen. Zu den 15 teilnehmenden Unternehmen, die zusammen rund 15 000 Mitarbeiter beschäftigen, zählen die Leuze/Bielomatik-Gruppe, die Maschinenfabrik Heller, Index/Traub, Festo, Balluff, Putzmeister, J. Eberspächer und Metabo. Die Agentur soll den Teilnehmern in Zukunft helfen, ihre Zusammenarbeit zu verstärken.

Durch die Weltwirtschaftskrise sei es bereits zu intensiver Zusammenarbeit der Unternehmen gekommen, berichtete Sieghard Bender, erster Bevollmächtigter der IG Metall Esslingen. Dies geschah in erster Linie durch die regionale Arbeitnehmer­überlassung, bei der ein Unternehmen nicht benötigte Arbeiter einem anderen Unternehmen überlässt.

Bei der neuen Agentur stellt der Bereich Personal- und Organisationsentwicklung eine der beiden Säulen dar. Dabei sollen die tariflichen Regelungen zur regionalen gegenseitigen Arbeitnehmerüberlassung und die Stipendiumsregelung zur Höherqualifizierung der Mitarbeiter genutzt werden. Denkbar seien auch Praktika in den Partnerbetrieben. Angst, Betriebsgeheimnisse zu verlieren, habe man keine, erklärte Gerhard Reiner, Mitglied der Heller-Geschäftsleitung, die in der Krise Mitarbeiter an andere Betriebe verliehen hatten: „Wir sind keine Wettbewerber“, meinte er. Stattdessen kam er auf einen Vorteil des Austausches zu sprechen: „Wir geben den Mitarbeitern die Möglichkeit, ihren Horizont zu erweitern.“ Wie dies aussehen könnte, illustrierte Reiner an einem Beispiel: „Falls wir unsere Mitarbeiter in China einsetzen wollten, könnten sie ein Praktikum bei der Firma machen, die dort bereits vertreten ist.“

Im Bereich Personal sollten mit der Agentur außerdem Regelungen zum Einsatz von Leiharbeit getroffen werden. Dabei könnte auch mit einer regionalen Leihfirma als erste Anlaufstelle gearbeitet werden.

Die zweite Säule der Agentur soll der Bereich Technologie und Innovation darstellen. „Durch die positiven Erfahrungen im Bereich Personal hat sich herausgestellt, dass auch synergetische Ansätze zwischen Unternehmen entstehen können“, meinte Hans-Jürgen Drung, Betriebsratsvorsitzender bei Festo. „Mit neuen Ideen wollen wir die Beschäftigung in der Region halten.“ Bei Entwicklungen im Bereich Mobilität und Energie könnten die Unternehmen zusammenarbeiten. Als Beispiele wurden energiesparende Produktionssys­teme, kleine, dezentrale Windkraftanlagen und die Rückbaukompetenz bei Atomkraftwerken genannt. Bereits in der Vergangenheit hatten sich Beschäftigte aus Entwicklungsabteilungen in einer Zukunftswerkstatt getroffen. „Wenn wir nicht miteinander im Wettbewerb sind, können wir nur voneinander lernen“, meinte Gerhard Reiner.

Die Struktur der neuen Agentur habe man bewusst klein gehalten, erzählte IG-Metall-Bevollmächtigter Sieghard Bender. Zwei Kümmerer, einer aus dem Bereich Personal und einer aus dem Bereich Technik, sollen die Kooperationen organisieren.