Lenningen. In zwei Bussen ging es für die Lenninger donauabwärts – eine Fahrt, die vor 300 Jahren die ersten auswandernden Donauschwaben auf den primitiven Ulmer Schachteln leisten mussten. Gleich am Anreisetag besuchte die Gruppe Regensburg. Wer über die 800 Jahre alte Steinerne Brücke ankommt, der überblickt die unermessliche Fülle gut erhaltener historischer Bauten: Kirchen, mittelalterliche Türme, Bürger- und Handelshäuser. Man kommt vorbei an den Resten des Römerlagers Castra Regina mit Mauer und Nordtor, der Porta Praetoria, dem gotischen Dom und dem Alten Rathaus, dem Ort vieler Reichs- und Fürstentage, von 1663 bis 1806 Sitz des „Immerwährenden Reichstags“. Nicht unverdient also zählt Regensburg zum UNESCO-Weltkulturerbe. Als Universitätsstadt ist es auch eine deutlich junge Stadt. In der ehemaligen Klosterkirche Sankt Oswald beschloss das tägliche „Wort für den Tag“ diesen ersten Besuchspunkt.
In Passau bezogen die Schwaben ihr Standquartier im zentral gelegenen Hotel „Weißer Hase“. Tags darauf brachte sie eine Schifffahrt zur oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz, vorbei an Burgen und Klöstern und den bunten, mit etwas Schnee verzauberten Herbstwäldern – einmalig die Fahrt durch die Schlögener Schleife, wo die Donau den Schlögenberg kilometerweit aufs Engste umschlingt. Die Stille der Naturwunder wurde nur drei Mal unterbrochen durch das Technikwunder riesiger Schleusen. In Linz bestechen zunächst einige moderne Bauten, die wohl daher rühren, dass Linz europäische Kulturhauptstadt 2009 war: der Donaupark mit Brucknerhaus, das Lentos Kunstmuseum und das Ars Electronica Center. In der Innenstadt selbst erwartete die Reisenden der imposante Hauptplatz, stattliche Fassaden und dominierend – der Dom und die Kirchen. In einem Café durften sie das heiß ersehnte Stück original Linzertorte genießen. Nach dem „Wort in den Tag“ in der Martin-Luther-Kirche brachten die Busse die Gruppe nach Passau zurück.
Der dritte Tag war der Stadt Passau gewidmet. Die heutige Altstadt, zwischen Donau und Inn gelegen, präsentiert sich als Barockstadt, wie sie nach schlimmen Stadtbränden im 17. Jahrhundert von italienischen Meistern geschaffen wurde. Über allem thront der Dom Sankt Stephan mit der größten Domorgel der Welt. Hier besuchten die Lenninger das mittägliche Orgelkonzert. Diese vom Zusammenfluss dreier Flüsse geprägte Bischofs-, Kultur- und Universitätsstadt ist wohl eine der schönsten Städte an der Donau.
Als Kontrastprogramm fuhr die Gruppe am Nachmittag ins nahe Bad Füssing, wo seit über 70 Jahren Schwefelwasser, mit 56 Grad Celsius aus der Tiefe kommend, der Heilung und Erholung dient.
Am vierten Tag ging es hinüber nach Böhmen – eindrucksvoll war schon die Anfahrt durch den verschneiten Böhmerwald. Dann ging es an der hier entspringenden Moldau und dem in der Sonne funkelnden Moldau-Stausee vorbei zu der von der Moldau umschlungenen kleinen Stadt Cesky Krumlov, dem ehemaligen Krumau, mit dem gewaltigen Schloss. Nach der Wende ist sie zu einer viel besuchten UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt geworden.
Dann fuhren die Lenninger weiter nach Budweis. Gegründet 1265 ist diese Stadt heute Verwaltungs- und Kulturzentrum für ganz Südböhmen. Es ist eine Stadt mit engen Gassen und Laubengängen, mit einem riesigem Marktplatz und einem Dom. In der schlichten Kirche der evangelischen Böhmischen Brüder stellte deren Pfarrer in Wort und Bild seine seit 1922 bestehende junge, aktive Gemeinde vor.
Der fünfte Tag führte in den Nationalpark Bayerischer Wald. Bei blauem Himmel und tropfendem Schnee ging es durch den Hochwald, vorbei an Elchen, Wölfen, Wisenten und Luchsen, die dort ein artgerechtes, relativ freies Leben führen. Ein Höhepunkt war der weltweit längste Baumwipfelpfad mit 1 300 Metern Länge und einem 44 Meter hohen Baumturm in Eiform, einen umfassenden Rundblick bietend: über den endlosen Wäldern die Gipfel des Lusen und des Großen Rachel und im Süden bei der klaren Sicht die Alpenkette. Der Ausflug schloss mit dem „Wort für den Tag“ in der schönen Barockkirche von Rinchnach – die Feier des Reformationstags in einer katholischen Kirche. Die freundliche Aufnahme durch den dortigen Pfarrer bestätigte, dass es an der Basis kaum noch konfessionell bedingte Berührungsängste gibt.
Zurück in Passau gab es noch einen letzten Programmpunkt dieses Tages: ein Kabarettabend im „Scharfrichterhaus“ mit Monika Blankenberg und ihrem Thema „Altern ist nichts für Feiglinge“.
Bei der Rückreise wurde ein erster Zwischenhalt an der Walhalla bei Regensburg eingelegt, dem von Ludwig I. von Bayern gestifteten Ehrentempel für Helden und Geistesgrößen „teutscher Zunge“. Wenn im Jahre 1842 ein bayerischer König so viel Geld ausgibt für ein gesamtdeutsches Ehrenmal, und wenn er damit seiner Vision einer vereinten Nation Ausdruck verleiht, dann gilt dem auch heute noch großer Respekt.
Ein nächster Halt war beim Kloster Weltenburg, wo am Donaudurchbruch der Fluss seinen Weg durch den harten Kalk sich hat freikämpfen müssen. Hier gab es auch eine deftige Mahlzeit aus der Klosterküche.
Der letzte Halt galt der Fuggerstadt Augsburg, und dort speziell der geschichtsträchtigen evangelischen Hauptkirche Sankt Anna. Hier im Karmeliterkloster weilte Martin Luther 1518, als er im Streitgespräch mit Kardinal Cajetan den Widerruf seiner Lehre verweigerte. Dort hielt die Reisegemeinde ein letztes Mal und bei großer Orgelmusik das „Wort für den Tag“. Pfarrerin Oberle blickte dankbar zurück auf eine Woche großer Gemeinsamkeit und gegenseitiger Unterstützung. Neben den Oberles sorgte das Mitarbeiterteam für den perfekten Ablauf der Reise: das „Wort für den Tag“-Team mit Ute Berger, Sigrid Kirchner, Helmut Köble und Doris Schwohl, die beiden hauseigenen Organisten Horst Henning und Berte Köble sowie der nachgereiste „Bruckener“ Konzertorganist Jens Wollenschläger, der Reiserätselmacher Walter Rings und die beiden Busfahrer Maike und Ludwig. hk
