Der Landkreis Esslingen will bereits jetzt bei der regionalen Schulentwicklung ein Wörtchen mitreden und nicht erst, wenn der grün-rote Gesetzesentwurf vorliegt. Deshalb beauftragte gestern der Schulausschuss des Kreistags die Verwaltung beim Staatlichen Schulamt in Nürtingen eine teilraumbezogene regionale Schulentwicklung zu initiieren.
Richard Umstadt
Esslingen. „Wir müssen einen Fuß in die Tür bekommen“ sagte Landrat Heinz Eininger und die Ausschussmitglieder pflichteten ihm bei. Wie der Kreisverwaltungschef, so erachteten es auch sie für notwendig, auf der Grundlage der bereits genehmigten Gemeinschaftsschulen Esslingen, Deizisau und Wendlingen, der aktuell vorliegenden Anträge von Frickenhausen und Köngen sowie der Planungen von Kirchheim, Esslingen und des Filderraums unter allen Beteiligten das weitere Vorgehen abzustimmen. Deshalb beauftragte der Kultur- und Schulausschuss die Kreisverwaltung einen entsprechenden Antrag beim Staatlichen Schulamt zu stellen, um zu klären, welche Rolle die beruflichen Schulen im Konzept einer regionalen Schulentwicklung spielen und wie sich diese auf die Schülerbeförderung auswirkt, für ebenfalls der Landkreis zuständig ist.
Die Ausschussmitglieder waren sich auch einig darüber, dass es nicht sein könne, für teures Geld erstellte beziehungsweise sanierte berufliche Schulen, vor allem berufliche Gymnasien, leer stehen zu lassen. Dies wurde befürchtet, falls an den genannten Gemeinschaftsschulen im Landkreis Sekundarstufen II eingerichtet würden, die ebenfalls zum Abitur führen und somit in Konkurrenz treten würden.
„Wer eine Gemeinschaftsschule und anschließend die Sekundärstufe II besucht, wird kein berufliches Gymnasium besuchen“, war sich Martin Klein, Freie Wähler, sicher, „und wir haben viele Standorte im Landkreis, wo das gegeben ist“, fürchtete er eine Schwächung des „sehr differenziert ausgebauten beruflichen Gymnasialwesens“.
Während Fraktionschefin Marianne Erdrich-Sommer, Grüne, gerne für eine weitere Planung den Gesetzesentwurf der Landeseregierung abgewartet hätte, dauerte dies Landrat Heinz Eininger zu lang – „ich gehe davon aus, dass es Sommer 2014 wird, bis das Gesetz kommt“. Doch schon jetzt laufe die dritte Runde zur Einrichtung der Gemeinschaftsschulen. Eininger wollte aber nicht abwarten, bis Fakten geschaffen werden, sondern rechtzeitig eingreifen.
Dazu gibt dem Landkreis das Eckpunktepapier des baden-württembergischen Kultusministeriums für eine regionale Schulentwicklung die Möglichkeit. „Wir wollen die Auswirkungen der lokalen und regionalen Schulplanungen auf unsere Sonderschulen und beruflichen Schulen wissen und wollen eine Gesamtbetrachtung der Auswirkungen auf den ÖPNV“, sagte Landrat Eininger.
Eine drohende Konkurrenzsituation der Sekundarstufe II zu den beruflichen Gymnasien sah Gabriele Probst, Grüne, nicht. Für die Einrichtung einer Sekundarstufe II seien 60 Schüler notwendig. „Das schaffen eine ganze Menge Schulen nicht“, meinte die Kreisrätin. Doch der Landrat blieb aufgrund von entsprechenden Erfahrungen mit Schülerzahlen in der Praxis mißtrauisch.
Auch die Freien Wähler unterstützten den Verwaltungsvorschlag. „Die Richtung der Sekundarstufe II gefällt uns überhaupt nicht“, sagte ihr Vorsitzender Alfred Bachofer, „diese Entwicklung führt zur theoretisch-akademischen Ausrichtung. Damit tun wir niemanden einen Gefallen“.
Dem stimmte auch Marianne Erdrich-Sommer zu: „Die Schüler müssen auf die beruflichen Wirklichkeiten ausgerichtet werden“. Trotz des Verteilungskampfes um die abnehmende Schülerzahl war es ihr deshalb um die beruflichen Gymnasien nicht Bange. „Diese Qualität hat das allgemeinbildende Gymnasium nicht“. Ähnlich sah dies auch Michael Neumann, SPD.
Einen von Walter Bauer, SPD, eingebrachten Antrag zur Einführung von „Gelenkklassen“ oder „Aufsetzerklassen“ nach der zehnten Klasse nahm der Ausschuss zur Kenntnis. Über ihn soll in der nächsten Sitzung befunden werden. In diese Sitzung wird die Verwaltung auch einen Schulamtsvertreter einladen, der über den aktuellen Stand der regionalen Schulentwicklung berichten soll.