Stadt Kirchheim plant neues Gewerbegebiet Hegelesberg zwischen Kruichling und Nägelestal
„Landmark“-Turm und neuer Kreisel

Das neue Kirchheimer Gewerbegebiet Hegelesberg nimmt immer konkretere Formen an. Der Gemeinderat hat nun den Aufstellungs- und Auslegungsbeschluss für einen Bebauungsplan gefasst, der auch einschneidende Veränderungen in der Straßenführung mit sich bringt.

Andreas Volz

Kirchheim. Der Bedarf für neue Gewerbebauplätze sei vorhanden und bestätige sich in vielen Anfragen sowie in konkreten Gesprächen, sagte Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Die vorhandenen Plätze im Kruichling seien „nahezu erschöpft“, und deswegen plane die Stadt Kirchheim nun das Gewerbegebiet Hegelesberg, bei dem das Eigentum der Stadt bereits gegeben sei.

Zur Erschließung des Gewerbegebiets ist vorgesehen, die Nürtinger Straße nach Norden zu verlegen und direkt per Kreisverkehr mit der Hegelstraße und der Straße „Kruichling“ zu verbinden. Aus dem restlichen Teil der Nürtinger Straße, der dann nicht mehr benötigt wird, soll eine Fuß- und Radwegverbindung entstehen.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Thilo Rose signalisierte „klare Zustimmung“ zur Erschließung des neuen Gewerbegebiets. Rückblickend fand er es zwar immer noch schade, dass sich IKEA an diesem Standort nicht niederlassen konnte. Aber der Ausblick auf ein Gewerbegebiet sei doch eine gewisse Entschädigung dafür. In Kirchheim gebe es derzeit einen Mangel an Gewerbeflächen. „Dem wirken wir hiermit entgegen“, stellte Thilo Rose fest.

Auch Hagen Zweifel, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, fand es „gut, dass der Hegelesberg in diesem Umfang erschlossen wird“. Aber allein die Tatsache, dass nun Ersatzhabitate für Zauneidechsen bereitgestellt werden müssten, zeige, „wie schwierig solche Dinge in Zukunft sein werden“. Von der neuen Verkehrsführung verspricht er sich erhebliche Verbesserungen.

Peter Bodo Schöllkopf von der SPD-Fraktion war ebenfalls der Meinung, dass Kirchheim ein neues Gewerbegebiet braucht, weil Kirchheim auch auf neue Arbeitsplätze angewiesen sei. Der Standort in unmittelbarer Autobahnnähe sei gut. Einzig die Frage nach einer vorzuschreibenden Dachbegrünung machte ihm Schwierigkeiten. Die Hallen dürften schließlich sehr groß werden. Und architektonisch sei es ein großer Unterschied, ob man nun 80 bis 100 Quadratmeter begrünter Dachfläche hat oder 2 000 bis 3 000 Quadratmeter.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Sabine Bur am Orde-Käß sprach davon, dass ihre Fraktion noch vor wenigen Jahren strikt gegen ein Gewerbegebiet Hegelesberg gewesen sei, weil man mit Flächen möglichst sparsam umgehen müsse: „Wir waren davon überzeugt, dass es auf den vorhandenen Flächen genügend Potential gibt.“ Inzwischen aber sähen auch die Grünen einen Bedarf an größeren Gewerbeflächen in Kirchheim. „Wir können uns der Entwicklung nicht verschließen.“ Aber dennoch stellte sie die Frage, ob die Wirtschaft hier nicht auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten könne, indem die Stadt für das Gewerbegebiet Hegelesberg „strenge ökologische und energetische Kriterien“ festsetze.

Albert Kahle (FDP/KiBü) sprach noch die Autobahnanbindung an. Er forderte, die häufig bereits angesprochene Rechtsabbiegerspur zur Autobahn in Fahrtrichtung Stuttgart zeitgleich zu realisieren, um den Verkehr besser zu entzerren.

Eva Frohnmeyer-Carey von der Frauenliste sah einerseits die Notwendigkeit für ein neues Gewerbegebiet und die entsprechenden Vorzüge des Hegelesbergs. Andererseits sah sie aber auch die Problematik, dass es sich hier um „große Flächen guter Ackerböden“ handle, weswegen sie sinnvolle ökologische Ausgleichsmaßnahmen für unausweichlich hält. Außerdem fragte sie nach, warum die Stadtverwaltung am Hegelesberg ein Gebäude von 20 Metern Höhe vorsehe.

Stadtplanungsamtsleiter Gernot Pohl sah einen „dringenden städtebaulichen Wunsch“, der für ein 20 Meter hohes Gebäude im Gewerbegebiet Hegelesberg spreche. Das würde in direkter Nähe zur Autobahnausfahrt Kirchheim-West und am „Eingang zur Stadt“ aus dieser Richtung der Stadt „eine wichtige Landmark an prominenter Stelle verleihen“. Außerdem würde ein flacheres, breiteres Gebäude bei gleicher Kubatur einen größeren ökologischen Schaden anrichten als der 20-Meter-Turm.

Zur Dachbegrünung meinte Gernot Pohl, dass die Stadt so etwas grundsätzlich befürworte. Aber es lasse sich in den seltensten Fällen so durchsetzen wie gefordert. Er sieht da auch einen „Widerspruch zur Wirtschaftsförderung“. Insofern sei die Dachbegrünung im Gewerbegebiet Hegelesberg zwar nicht in dem Maß vorgeschrieben, wie es vielleicht wünschenswert wäre. Aber immerhin sei die Dachbegrünung auch nicht verboten.

Den Bodeneingriff findet der Planungsamtsleiter ebenfalls „bedauerlich“, aber es handle sich hier um eine Abwägungssache: „Manchmal können wir auch nicht umhin, Böden zu versiegeln.“ Und was die Nutzung erneuerbarer Energien betrifft, würden die meisten fortschrittlichen Gewerbebetriebe von selbst darauf achten. Aber ein gemeinsames Nahwärmekonzept von vornherein zu entwickeln, sei ausgesprochen schwierig, „weil wir ja nicht wissen, welchen Bedarf die Betriebe haben“.

Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker sieht gerade in der Flexibilität des neuen Gewerbegebiets die größten Vorteile für die Vermarktung: „Ich merke in den Verhandlungen, dass es als sehr positiv betrachtet wird, dass da nicht so viel festgeschrieben ist wie im Kruichling.“