Holzmaden. Die Holzmadener Landwirtsfamilie Münsinger gibt nicht auf. Obwohl sie mit Plänen für eine Erweiterung ihres landwirtschaftlichen Betriebs schon einmal auf massiven Widerstand gestoßen ist, hat sie sich nun mit einem neuen Vorhaben an die Gemeinde gewandt. Im Gemeinderat stellte Bürgermeister Jürgen Riehle die Bauvoranfrage von Uli und Mathias Münsinger vor. Vater und Sohn möchten im Holzmadener Seebachtal in Verlängerung der Brunnenstraße einen Mutterkuhstall für 40 Tiere sowie ein Fahrsilo und ein Güllesilo errichten.
„Vorgesehen ist ein Stall mit Laufhof und Futterbereich“, erläuterte Jürgen Riehle. 47 mal 25 Meter groß solle der geplante Bau werden, die Höhe betrage rund neun Meter. Dazu kämen zwei Fahrsilos und ein etwas kleineres Güllesilo mit einem Durchmesser von zwölf Metern. Als Standort haben Vater und Sohn ein Wiesenstück östlich der bereits bestehenden Hofanlage vorgesehen. Die Entfernung zum nächsten Wohnhaus würde rund 150 Meter betragen.
„Anhand der Unterlagen, die uns vorliegen, ist es schwierig zu entscheiden, ob der Standort geeignet ist“, sagte Jürgen Riehle. Aus seiner Sicht müsse der Landwirt zunächst einmal ein Erschließungskonzept vorlegen. „Es gibt keine Aussagen dazu, wo die Zufahrt sein soll und welche Belastungen für die Anwohner entstehen“, so Riehle. Wichtig sei es zu wissen, welche Fahrzeuge eingesetzt würden und wie groß die Lärm- und Geruchsbelastungen seien.
Eben diese Punkte waren es auch, die bei einem anderen Bauvorhaben der Familie Münsinger Widerstände ausgelöst hatten. 2010 reagierten zahlreiche Anwohner im Ort mit Protestschreiben auf die damaligen Pläne der Landwirtsfamilie, eine Mehrzweckhalle, zwei Silos und eine Geflügelzucht samt Schlachtung aufzubauen. Sie fürchteten Krach und Gestank in den Wohngebieten. Auch der Verwaltung und dem Gemeinderat gingen die Pläne damals zu weit. Das Landratsamt lehnte das Vorhaben schließlich ab.
Abfinden möchte sich Uli Münsinger damit jedoch nicht: Er hat juristische Schritte ergriffen und Widerspruch gegen die Entscheidung einlegt. „Im Landkreis Esslingen ist die Untere Naturschutzbehörde sehr restriktiv“, äußerte er seine Meinung gegenüber dem Teckboten. Im Nachbarkreis Göppingen hätten es landwirtschaftliche Betriebe viel leichter mit Erweiterungen.
„Die Familie Münsinger bewirtschaftet den Betrieb jetzt schon seit vier Generationen“, sagte Uli Münsinger. Sein Ziel ist es, dass der Hof auch in fünfter Generation weitergeführt werden kann – und zwar als Vollerwerbs-Betrieb. „Mein Sohn Mathias hat gerade seine Ausbildung zum Landwirt abgeschlossen“, so Uli Münsinger. Um weitermachen zu können, müsse der Betrieb expandieren. Zurzeit hält die Familie Rinder, Schafe und Gänse, bewirtschaftet Streuobstwiesen, betreibt eine Obstannahmestelle und einen Hofladen.
Bürgermeister Jürgen Riehle sieht angesichts der Expansionspläne noch weitere Probleme. So gibt es im Ort bereits einen ausgesiedelten Großlandwirt, dem die Gemeinde aufgrund eines Gemeinderatsbeschlusses bevorzugt Grundstücke überlässt. „Holzmaden ist die kleinste Gemarkung im Landkreis“, so Riehle. „Die Flächen reichen nicht für zwei große landwirtschaftliche Betriebe aus.“ Problematisch ist aus seiner Sicht zudem die Lage im Landschaftsschutzgebiet. Dort bauen dürfen nur privilegierte Betriebe. Die Privilegierung feststellen muss wiederum das Landratsamt in Esslingen. Dort steht eine endgültige Entscheidung darüber aber noch aus: „Die Frage der Privilegierung muss noch geklärt werden“, sagte Pressesprecher Peter Keck.
„Da wird ein ganz trauriges Spiel mit uns gespielt“, klagte Uli Münsinger angesichts all der Widerstände. Unterstützung für seine Pläne habe er lediglich beim Ministerium für Ländlichen Raum gefunden. „Das Ministerium hat sich aktiv eingebracht und versucht, zwischen Landwirt und Landratsamt zu vermitteln“, bestätigte die Pressestelle der Behörde. Fest stehe aber auch: „Die Zuständigkeit liegt beim Landratsamt.“
