Kirchheim. Es war der Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl im April 1986, der eine Gruppe Schönauer Bürger dazu trieb, die Ärmel hochzukrempeln und gegen das damalige System der Energieversorgung vor Ort anzugehen. „Uns war klar: Atomenergie ist absolut unverantwortbar“, sagte der „Schönauer Stromrebell“ Michael Sladek am Dienstag bei der Gründung der „Teckwerke Bürgerenergiegenossenschaft“ in Kirchheim. „Ich bin entsetzt darüber, dass wir jetzt wieder dieselben Bilder sehen müssen wie damals“, fügte der Arzt hinzu.
Die Sorge um ihre eigenen Kinder veranlasste die Bürger in Schönau zunächst dazu, eine Initiative für eine atomfreie Zukunft zu gründen. Später wurden die Energiewerke Schönau (EWS) aus der Taufe gehoben. In den 90er-Jahren organisierte Michael Sladek schließlich den Netzrückkauf vor Ort – was allerdings nicht problemlos vonstatten ging. Denn der regionale Energieversorger hatte den Gemeinderat auf seiner Seite. Doch die Einwohner Schönaus stimmten in zwei Bürgerentscheiden für die EWS, die daraufhin eine bundesweite Spendenkampagne starteten. „Es war ein gigantischer Erfolg“, erzählte Michael Sladek.
Mittlerweile beziehen 115 000 Kunden ihren Strom bei den alternativen Energiewerken im Schwarzwald, die zu 96 Prozent auf erneuerbare Energien und zu vier Prozent auf kommunale Kraft-Wärme-Kopplung setzen – ohne Atomenergie, Öl und Kohle. Den EWS gehören derzeit rund 1 000 Genossen an.
Bei der Gründung einer Netzgesellschaft bot Michael Sladek den Kirchheimern Unterstützung an. „Wenn die EWS bei Ihnen beteiligt wären, dann würde es nicht am Geld scheitern“, versicherte der „Stromrebell“. Denn das Geld für ein „vernünftiges Projekt“ zu erhalten, sei kein Problem. „Die Menschen warten auf Kapitalanlagen, die solide sind. Eine Beteiligung am Netz ist hervorragend“, betonte Michael Sladek.
„Stellen Sie jetzt die Weichen und lassen Sie sich nicht entmutigen“, fügte der „Stromrebell“ an die Adresse der Kirchheimer Genossen hinzu. „Bauen Sie Ihre Genossenschaft einfach so auf, dass die Politik nicht an Ihnen vorbeikommt.“
