Professor Dr. Rolf Walter präsentiert den zweiten Band seiner begeisternden „Bad-Boy-Geschichten“
Lausbubengeschichten aus vergangenen Tagen

Kirchheim. Jugendlichen, die sich partout nicht an anerkannte Regeln halten wollen, wurde schon immer gerne prophezeit, dass aus ihnen „niemals etwas werden“ könne. 


Auch Rolf Walter wurde das wohl immer wieder unmissverständlich klargemacht. Dass diese Prognose nicht stimmen muss, hat er aber längst nachhaltig bewiesen.

Mit „Herr Professor, Sie sind ein Lausbub“, hatte der 1953 in Kirchheim Geborene seine 2004 in Buchform erschienene und völlig zu Recht auf großes Interesse stoßende „autobiografische Spätlese“ überschrieben. Da er schon in seinen vorpubertären rebellischen Jugendjahren nicht nur seinen Eltern, Nachbarn, wohlwollenden Freunden, aber auch anerkannten und vor allem stadtbekannten Autoritäten keinesfalls mit dem erhofften Respekt begegnete, wurde sein mutiges Debüt damals zum mit Freude und Erstaunen wahrgenommenen Überraschungserfolg.

Die fragwürdige These einer schon in den Jugendjahren angeblich verbauten Zukunft konnte Rolf Walter überzeugend widerlegen. Nach seinem in Nürtingen abgelegten Abitur und einer abgeschlossenen kaufmännischen Lehre zog es den Spross einer angesehenen Kirchheimer Metzgersfamilie zunächst nach Nürnberg, wo er in den Siebzigerjahren nicht nur äußerst gewissenhaft Wirtschaftswissenschaften studierte, sondern gleich noch promovierte und sich in den 80er-Jahren auch noch habilitierte.

Für seine Forschungsarbeiten in Venezuela wurde er zudem mit dem Orden „Francisco de Miranda erster Klasse am Band“ geehrt. Von Nürnberg 1991 an die Friedrich-Schiller-Universität Jena berufen, hat der einstige „Lausbub“ aus Kirchheim seither tatsächlich einen Lehrstuhl als ordentlicher Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte inne. Das hätte ihm früher wohl niemand zugetraut.

Dass er inzwischen mit höchsten wissenschaftlichen Weihen daherkommt und seinem Coup der 2004 erschienenen „Bad-Boy-Geschichten“ nun auch noch einen Nachfolgeband hinterherschicken kann, ist mehr als folgerichtig. Fortsetzungen von begeistert gefeierten Überraschungserfolgen bergen gelegentlich die latente Gefahr in sich, dass durch den entstandenen Erwartungsdruck eventuell auch einmal Material zweiter Wahl nachgeliefert werden könnte, doch das ist bei dem unter dem Titel „Lausbuaba, elende!“ erschienenen Band 2 der „Bad-Boy-Geschichten“ eindeutig nicht der Fall.

Immerhin sind seit dem erfolgreichen Debüt ja auch schon rund neun Jahre vergangen und Rolf Walter muss nicht hoch gespannte Erwartungen eines nachfrageorientierten Verlagshauses erfüllen, sondern hat mit der aktuell von ihm gewählten Erscheinungsart „Book on Demand“ alles ohne Fremdinteressen klar unter Kontrolle.

Auch das neue kleine Bändchen ist mit seinen wieder rund 100 Seiten kurzweiligem Lesegenuss ein reines Vergnügen – vor allem dann, wenn man Kirchheim und die vielen bei Rolf Walter mit wohlwollender humorvoller Übertreibung skizzierten stadtbekannten Persönlichkeiten des damaligen öffentlichen Lebens noch kennt.

Ganz oben auf seiner Liste rangiert der legendäre Bademeister Hubertus Beckers, den Generationen von Freibadbesuchern vielleicht nicht unbedingt uneingeschränkt ins Herz geschlossen, aber doch notgedrungen respektiert und vielleicht auch nie ganz vergessen haben. Sein beim Sommernachtsfest immer wieder gern verfolgter tollkühner Fahrrad-Stunt auf der wackligen „Bühne“ des Drei-Meter-Bretts mit Sprung in den Abgrund sind genauso unvergessene Bestandteile der Kirchheimer Freibadgeschichte wie die von langer Hand geplante „spontane“ Idee der Wasserballmannschaft, den Kleinwagen des streitbaren Bademeisters kurzerhand auf eine der vielen Umkleidekabinen zu stellen.

Rolf Walter widmet diesem unschlagbaren Kirchheimer Original in seinem neu aufgelegten Erzählband gleich drei Geschichten, die die Freude des Erinnerns mit einer absolut kurzweiligen und vergnüglichen Lektüre verbinden. Zugleich werden in dem neu vorgelegten Erzählband aber auch Erinnerungen an den berühmten „Webers-Carle“, die beiden brüderlich eng verbundenen ­„Moschdhoyler“, den äußerst gestrengen „Parkwächter Sommer“ oder den Monokel tragenden „Nerzakenig“ und andere wichtige und unvergessene Persönlichkeiten von einst dankenswerterweise vor dem drohenden Vergessen bewahrt.

Die geweckten Erinnerungen an einstige schillernde Persönlichkeiten können auch Zugezogenen oder vielleicht doch etwas zu spät Geborenen große Freude bereiten. Die uneingeschränktes Lese- und Erinnerungsvergnügen garantierende Neuauflage ist ein ideales Geschenk, das man sich selbst oder auch guten Freunden durchaus gönnen kann.

Wer nach der Lektüre des neu aufgelegten Bändchens gerne auch noch in die Welt der schon 2004 veröffentlichten Lausbubenstreiche eintauchen möchte, muss darauf hoffen, dass die Buchhäuser ihres Vertrauens den eigentlich schon vergriffenen Erstling aufgrund der durch den Nachfolgeband neu geweckten Nachfrage inzwischen doch wieder liefern können.

Ansonsten kann auch direkt über den Autor persönlich eines der noch vorhandenen Restexemplare von einst geordert werden. Eine direkte Kontaktaufnahme ist möglich über die Adresse der weitere aktuelle Informationen und Lese-Kostproben bereithaltenden Homepage www.lausbuaba.de.