Kirchheim. Alter wird immer mehr individuell definiert. Bekanntlich ist man so alt,
wie man sich fühlt. Ähnlich sieht es auch der sechste Altenbericht, der sich mit differenzierten Altersbildern auseinandersetzt. „Dieses eigene Feld Seniorenpolitik“ erläuterte Markus Grübel, der seit 2002 für die CDU im Wahlkreis Esslingen im Bundestag sitzt und Obmann seiner Fraktion im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist.
Im Blick ist die zunehmende Lebenserwartung, die dem Einzelnen viele neue Perspektiven eröffnet. Der demografische Wandel könne so als vielfältige Gestaltungsaufgabe gesehen werden. Empfohlen wird der Politik, Senioren nicht als eigenständige Zielgruppe zu benennen, sondern in der Generationenarbeit zu sehen mit all‘ ihren Wechselwirkungen. Nicht das Alter solle ins Blickfeld genommen werden, sondern der Prozess des Alterns.
Ein weiterer, oft gehörter Punkt ist die Aussage: „Bildung muss für alle Altersgruppen selbstverständlich werden“. Auch mit der Frage des Alters in der Arbeitswelt beschäftigte sich der Bericht und sah sowohl Unternehmen, Beschäftigte, Sozialpartner sowie den Gesetzgeber gefordert. Ziel sei die Steigerung der Erwerbsbeteiligung der 55- bis 65-Jährigen. Die Gesundheitspolitik sollte dahingehend ausgerichtet werden, die körperliche, geistig-seelische und soziale Gesundheit zu erhalten. Der Altenbericht nimmt sich außerdem der kulturellen Unterschiede der Ruheständler an. Eine Thematik, die vor allem vor Ort nicht ausgeblendet werden darf.
Den Kreisseniorenrat Esslingen jedenfalls wird nicht nur dieser Aspekt des Altenberichts beschäftigen. Wie sein Vorsitzender Rainer Häußler berichtete, standen 2010 ein verbessertes Versorgungsmanagement nach Krankenhausaufenthalt, Handwerkerschulungen, die ärztliche Versorgung in Alters- und Pflegeheimen, die Aktion Bewegung im Alter, die legale Beschäftigung von osteuropäischen Hilfskräften sowie der Umgang mit Computer &Co. im Mittelpunkt der Kreisseniorenarbeit. Im Ehrenamtswettbewerb „Starke Helfer“ errang der Verein mit seinem Sicherheitsberater den ersten Preis.
„Gut vernetzt“ im Landkreis ist der Kreisseniorenrat mit seinen 231 Mitgliedern und dem 21-köpfigen Vorstand nach den Worten von Rainer Häußler. „Auch mit Kirchheim sind wir auf einem guten Weg“, meinte der Vorsitzende im DRK-Seniorenzentrum Fickerstift in Kirchheim. Lediglich ein Ansprechpartner für die vielschichtige Seniorenarbeit in der Teckstadt fehle noch, was ihm Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker in ihrem Grußwort zusagte. Lob zollte er dem Landkreis für die Einrichtung der Pflegestützpunkte – „damit hat er Maßstäbe gesetzt“ – und für sein Engagement in der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung.
Als „Impulsgeber und Multiplikator in der Altenhilfeberatung“ bezeichnete Landrat Heinz Eininger den Kreisseniorenrat und gab das Kompliment zurück. „Zu keiner Zeit gab es eine solche Varianz an Altersbildern wie heute“, verwies der Landrat auf den sechsten Altenbericht. Darin wird auch die Bewegung als herausragendes Mittel, um Körper, Geist und Seele gesund zu halten, propagiert, wie dies im Landkreis durch „B.U.S. – Bewegung, Unterhaltung, Spaß“ bereits umgesetzt wird. „Das brauchen alle Generationen, damit kann man nicht früh genug beginnen“, bestätigte Rainer Häußler. In diesem Sinne plädierte Kirchheims Oberbürgermeisterin für „Generationsplätze“ in der Stadt, auf denen sich Bürger jeglichen Alters, ähnlich wie in China, durch Bewegung fit halten können.
Auch für Eva Balz, stellvertretende Vorsitzende des Landesseniorenrats, stellte die Legalisierung der Pflegekräfte aus anderen Ländern ein Riesenproblem dar. „Das muss vor allem der Bund anpacken“, meinte sie und verwies als Lösung auf das „Modell Österreich“. Dort wurde die Arbeit bereits legalisiert und wird zum Teil aus der Pflegekasse bezahlt.
