In Oberlenningen sollen Flüchtlingsfamilien eine vorübergehende Heimat finden
Lenningen nimmt 30 Asylbewerber auf

Lenningen macht es vor und zeigt Nürtingen und den großen Kreisstädten auf den Fildern die Rote Karte: Etwa 30  Asylbewerber finden in Oberlenningen Obdach.

Lenningen. Ins Rollen gebracht hat die Diskussion um die Unterbringung von Asylbewerbern in Lennin­gen die Papierfabrik. Sie hat insgesamt vier Gebäude in der Sulz­burgstraße in Oberlenningen dem Landkreis Esslingen zur Unterbringungen von Asylbewerbern angeboten. Dieser hatte in Anzeigen nach Immo­bilien gesucht, weil mit einer monatlichen Zuweisung von etwa 70  Menschen im Landkreis zu rechnen ist. Die Zahl der Asylsuchenden steigt in jüngster Zeit rapide an, weshalb das Land Baden-Württemberg mit „Zwangszuweisungen“ droht, um der Flüchtlingsflut Herr zu werden. Weil sämtliche staatlichen Un­terkünfte aus allen Nähten platzen, rief Landrat Heinz Eininger dazu auf, den Verfolgten zu helfen und eine angemessene Unterkunft zu bieten.

Auf diese Bitte reagierte die Ober­lenninger Papierfabrik mit ihren vier Gebäuden – unter der Voraussetzung, dass die Gemeinde ihr Einvernehmen zur Vermietung erklärt. Anfang vergangener Woche fand ein Gespräch mit Vertretern des Landkreises sowie der Verwaltung und vier Gemeinderäten statt. Würden alle vier Häuser angemietet werden, könnten dort bis zu 150 Asylbewerber einziehen. „Das haben wir sofort abgelehnt. Die Sozialverträglichkeit muss auf jeden Fall gegeben sein“, erklärte Bürgermeister Michael Schlecht während der jüngsten Sitzung.

Er legt jedoch großen Wert darauf, dass Lenningen eine soziale und solidarische Gemeinde ist, sich also in die Verantwortung nehmen lässt und den häufig aus Kriegs- und Hungergebieten stammenden Menschen für die Dauer ihres Asylverfahrens eine angemessene Unterkunft bieten will – allerdings mit Maß und Ziel. „Es ist zwingend Rücksicht auf die Ortsteilgröße und die damit zusammenhängende Struktur in Oberlenningen zu nehmen“, stellte der Schultes unmissverständlich klar und konnte sich dabei eine Spitze gegen die Großen Kreisstädte nicht verkneifen: „Nürtingen und andere Große Kreisstädte auf den Fildern stehen noch nicht auf dem Zettel. Bislang haben sich nur Kirchheim und Esslingen zur weiteren Aufnahme bereit erklärt.“

Angemietet werden soll nur das Gebäude Sulzburgstraße 40. Lennin­gen legt außerdem Wert darauf, dass es nicht mit der maximalen Anzahl von Menschen belegt wird. „Wir wollen keine eingepferchten Menschen. Das führt zu einem Aggressionspotenzial“, ist der Schultes überzeugt. Im Moment stehen einer Person vier Quadratmeter zu, im Gespräch ist, den Anspruch künftig auf 7,5 Quadratmeter auszuweiten.

Beim Gespräch mit den Landkreis-Vertretern nannte der Schultes noch weitere Voraussetzungen: ausschließlich Familien, und jede Wohnung wird mit jeweils nur einer Familie belegt. Ferner sollten nicht mehr als 30 Personen in das Gebäude einziehen, wobei diese Zahl leicht über- oder unterschritten werden kann – je nach Familienmitgliedern. „Die Vertreter des Landkreises haben diesen Belegungswünschen zugestimmt. Wir vertrauen darauf, dass die Zusicherung eingehalten wird“, teilte Michael Schlecht dem Gemeinderat mit. Es habe allerdings „etwas gedauert“, dass die Beteiligten sich mit nur einem Gebäude einverstanden erklärt haben. Das soll jetzt aber so schnell als möglich angemietet werden.

„Wir haben auch großen Wert darauf gelegt, dass die Bewohner fachlich betreut werden, einen Ansprechpartner haben und ein Hausmeister sich um das Gebäude kümmert“, führte Michael Schlecht weiter aus. Er ist sich bewusst, dass auch die Lenninger Verwaltung als Ansprechpartner gefordert ist: „Das sind auch für uns Herausforderungen, beispielsweise was die Kindergärten und anderes anbelangt.“

Recht zügig soll es eine Informationsveranstaltung in Oberlenningen für interessierte Bürger über die neue Einrichtung geben. „Das Umfeld hat vermutlich ein gewisses Maß an Berührungsängsten“, sagte Michael Schlecht.