Schlierbach. Dass das Schlierbacher Rathaus barrierefrei werden muss, ist unbestritten. „Es wurde immer deutlicher, dass ein direkter Zugang zum Rathaus für ältere Menschen oder Eltern mit Kinderwagen notwendig ist“, machte Bürgermeister Paul Schmid deutlich. Folgerichtig hatte sich der Rat bereits im vergangenen September grundsätzlich für die Errichtung eines Außenaufzugs an der Südwestseite des Rathauses ausgesprochen, um einen barrierefreien Zugang zu den verschiedenen Stockwerken des Rathauses zu ermöglichen.
Offen blieb bei der damaligen Beschlussfassung allerdings die Ausführung des Aufzugs. Strittig war, ob der Aufzug komplett verglast oder eingehaust errichtet werden sollte – den Gemeinderäten fehlte eine Kostenschätzung für beide Alternativen als Entscheidungsgrundlage. Ebenfalls zu entscheiden hatten die Räte über die Aufzugtechnik. Zur Auswahl standen Seilaufzug oder Hydraulikaufzug. Nun stellte die Verwaltung aktuelle Kostenberechnungen vor.
Insgesamt bewegen sich die Kosten für die unterschiedlichen Aufzugausführungen zwischen knapp 135 000 Euro für einen vollverglasten Seilaufzug mit Glaskabine und Glastüren und rund 118 000 Euro für einen mit Fassadenplatten eingehausten Hydraulikaufzug mit Edelstahlkabine und Edelstahltüren. Bei der Glasvariante ließen sich die Kosten durch einen Einbau von Edelstahl- statt Glastüren nochmals um 4 500 Euro drücken, wie Architektin Monika Kern erklärte.
Generell, so Monika Kern, seien Hydraulikaufzüge in der Anschaffung günstiger als Seilaufzüge. Dennoch riet Kern zur Anschaffung eines Seilaufzugs. „Der macht als Außenaufzug einfach weniger Probleme.“ Dazu brauche ein Hydraulikaufzug auch einen separaten Maschinenraum, der unter der südlichen Rathaustreppe eingebaut werden müsse. Und: „Das Hydrauliköl muss im Winter beheizt werden“, so die Architektin. Die zusätzliche Einrichtung des Maschinenraums kalkuliert die Architektin mit rund 3 500 Euro, die Heizkosten für das Hydrauliköl seien dann eine laufende Betriebsausgabe, die momentan nicht zu beziffern sei.
In der anschließenden Diskussion zeichnete sich schnell eine Mehrheit für einen vollverglasten Seilaufzug ab. Kurt Moll (CDU) argumentierte dabei vor allem mit der Optik: „Da der Preisunterschied nicht so groß ist, glauben wir, dass der Glasaufzug die schönere Variante ist.“ Auch vermutete er, dass ein hydraulischer Antrieb in der Wartung teurer kommen würde als ein Seilaufzug und sprach sich gegen einen Hydraulikantrieb aus. Timo Beier (FUW) kam zu einem ähnlichen Schluss, plädierte aber dafür, die gläserne Aufzugskabine nicht wie von der Verwaltung vorgeschlagen mit Edelstahltüren zu bestücken: „Wenn man schon alles verglast, sollten die Türen auch aus Glas sein.“
Auf verlorenem Posten stand dagegen August Leins (FUW), der für die Anschaffung der billigsten Aufzugvariante „eingehaust mit Hydraulikantrieb“ warb. „Allzu oft wird das Ding eh nicht benutzt werden, deshalb brauchen wir keine Luxusausführung“, begründete er seinen Standpunkt. Außerdem könne er sich nicht vorstellen, dass das Hydrauliköl beheizt werden müsse. „Ein Bagger funktioniert im Winter auch ohne Ölheizung“, so seine Argumentation.
Letztendlich entschied sich der Gemeinderat mehrheitlich für den Aufzug in der vollverglasten Variante inklusive Glastüren und mit Seilantrieb.
