Kirchheim. Der wahre Grund für das überraschende Aus des Stadttheaters Kirchheim ist nur schwer auszumachen. Am ehesten dürfte es sich um ein Kommunikationsproblem zwischen den Theatermachern Bernd Gnann und Thomas Oßwald auf der einen Seite sowie der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat auf der anderen Seite handeln. Letztlich geht es um einen städtischen Zuschuss in Höhe von 20 000 Euro für das Jahr 2013 und um einen Rechenschaftsbericht des Theaters.
Wie schon in der Ausschusssitzung am Dienstag sagte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker gestern auf telefonische Nachfrage des Teckboten: „Ich bedaure es zutiefst, dass es mit dem Stadttheater nicht mehr weitergehen soll.“ Sie selbst sieht in dem Modell nach wie vor eine Situation, von der beide Seiten profitieren konnten: „Für die Stadt gab es für günstiges Geld ein gutes Theaterprogramm, und Bernd Gnann konnte Produktionen aus Karlsruhe bei uns noch einmal zeigen.“ So hätte es also weitergehen können, und bislang sprach auch alles dafür. „Es gibt ja ein Programm bis April 2013“, wundert sich die Oberbürgermeisterin darüber, dass jetzt plötzlich vorzeitig Schluss sein soll.
Aus Sicht der Stadtverwaltung war die einzige Bedingung für einen weiteren Zuschuss in Höhe von 20 000 Euro die, dass das Stadttheater einen Rechenschaftsbericht über Einnahmen und Ausgaben vorlegt. „Jeder Zuschussnehmer muss das vorlegen, und das war auch bei Gründung des Stadttheaters vor einem Jahr schon klar. Ich habe nicht nur einmal darum gebeten, einen solchen Bericht vorzulegen.“ Bei der letzten Nachfrage habe sie die Antwort bekommen: „Wir haben entschieden, dass wir von Kirchheim weggehen.“ In der Sitzungsvorlage wäre allerdings noch eine Möglichkeit offen geblieben, wie der Zuschuss für 2013 doch noch hätte fließen können: Die 20 000 Euro hätten einen Sperrvermerk erhalten und wären erst dann gezahlt worden, wenn der Rechenschaftsbericht bis spätestens 30. März 2013 eingegangen wäre.
Dazu dürfte es jetzt aber kaum mehr kommen. „Wir haben unseren Antrag zurückgezogen“, sagte Stadttheater-Geschäftsführer Thomas Oßwald gestern am Telefon. Sowohl ihm als auch Intendant Bernd Gnann sei „zugetragen worden, dass sich der Gemeinderat schwer tut, den Zuschuss im Rahmen der Sparmaßnahmen zu bewilligen“. Dabei sei dieser Zuschuss auch 2012 nicht zum Start des Stadttheaters im Februar geflossen, sondern erst im Juni. Zudem habe es sich bei dem Zuschuss nur um den Betrag für die Nutzung der Stadthalle gehandelt: „Der Zuschuss wandert also eins zu eins wieder zurück in die Stadtkasse.“
Die Unsicherheit, ob sie auch weiterhin mit diesen 20 000 Euro rechnen können, habe für die beiden Theatermacher den Ausschlag gegeben, das Kirchheimer Projekt zu beenden. Die Planungen für das Programm würden immerhin schon bis 2014 reichen, meinte Thomas Oßwald und fügte hinzu: „Da können wir nicht die Haushaltsberatungen des Gemeinderats abwarten.“
Das Programm, das für Anfang 2013 unter anderem einen Auftritt von Julia Neigel in Kirchheim vorgesehen hatte sowie Aufführungen der „Rocky Horror Show“, sei bereits abgesagt. Lediglich die Projekte für das Jahr 2012 werden noch über die Stadthallenbühne gehen: vom heutigen Donnerstag bis Samstag drei Aufführungen von „Gut gegen Nordwind“ sowie am Samstag, 29. Dezember, die „Comedian Harmonists“. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Für die Vorstellung heute Abend kündigte Thomas Oßwald bereits eine Erklärung gegenüber dem Publikum zum Ende des Stadttheaters an. Vom Kirchheimer Publikum habe das Stadttheater viel Zuspruch und Lob erhalten, und um dieses Publikum tut es dem Kirchheimer BDS-Vorsitzenden Thomas Oßwald auch besonders leid.
Zum Rechenschaftsbericht sagt der Stadttheater-Geschäftsführer aber, dass dieser in mehreren Teilen vom Kulturamt angefordert worden sei – mit immer neuen Details. Zudem habe es Schwierigkeiten mit dem Ordnungsamt gegeben wegen der Plakatierung auf Plakatständern. Hier habe dem Stadttheater vor allem die Kooperation mit der Bastion geholfen. Auch die Stadthalle hält Thomas Oßwald nicht für die ideale Theater-Spielstätte. Speziell die Tontechnik sei veraltet. Der angedachte Umzug in einen eigenen Theatersaal im Bless-OF-Gelände sei auch nicht so schnell machbar gewesen wie ursprünglich einmal erwartet.
Außer den möglichen Problemen mit dem städtischen Zuschuss sei an das Stadttheater-Team auch immer wieder Kritik am Programm herangetragen worden. Zum Auftritt von Julia Neigel habe es geheißen: „Jetzt machen die auch noch Musik.“ Beim Theater sei kritisiert worden, dass dasselbe Stück gleich mehrfach aufgeführt werde. Letzteres sei für ein Theater aber durchaus üblich, und außerdem habe das Stadttheater jedes Mal ein volles Haus gehabt, stellt Thomas Oßwald dazu fest.
Wie es nun weitergeht, das möchte der Geschäftsführer noch nicht sagen. Es gebe aber konkrete Gespräche mit einer anderen Kommune: Der dortige Bürgermeister habe bereits Zuschüsse signalisiert. Auch die Hallennutzung lasse sich dort auf fünf Jahre im Voraus regeln, ohne dass deswegen Geld hin- und herfließen müsse. Jedenfalls wollen Thomas Oßwald und Bernd Gnann sich höchstens von Kirchheim verabschieden, nicht aber vom Stadttheater an sich: „Das sind wir unserer großen Fangemeinde schuldig.“ Abschließend sagt Thomas Oßwald noch: „In Kirchheim wird viel Geld für die Jugend ausgegeben, aber nicht für unser Publikum, die Generation 40 plus.“
