Gudrun Maria Krickl beschreibt in „Brautfahrt ins Ungewisse“ das Leben von sechs württembergischen Herzoginnen
Liebe, Tyrannen und flüchtende FrauenInfo

Kirchheim. „Brautfahrt ins Ungewisse“ – unter diesem Titel hat Gudrun Maria Krickl sechs „Lebenswege


württembergischer Herzoginnen“ in einem Buch zusammengefasst. Die einzelnen Geschichten und Schicksale könnten teilweise unter­schiedlicher nicht sein. War die eine Braut so reich, dass der württembergische Herrscher eine vergleichsweise schlechte Partie für sie war, so gab es andere Bräute, die ihrerseits aus kaum bis überhaupt nicht mehr standesgemäßen Verhältnissen kamen. Sie alle hatten aber immer wieder mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen – vor der Eheschließung, während der Ehe, im Witwenstand oder auch während ihrer gesamten Zugehörigkeit zum Hause Württemberg.

Kirchheim spielt in dem Buch auch eine Rolle. Bei fünf der sechs vorgestellten Herzoginnen wird über Aufenthalte in Kirchheim berichtet. Teils haben diese Aufenthalte nur wenige Tage gedauert, teils viele Jahre. Eine Klammer bilden bekanntermaßen die erste württembergische Herzogin, Barbara Gonzaga von Mantua, sowie Franziska von Hohenheim, die als letzte Witwe eines regierenden Herzogs von Württemberg starb. Zwischen beiden liegen zwar 300 Jahre. Aber beiden gemeinsam ist, dass sie in Kirchheim bestattet wurden und dass ihr Grab schon kurz nach ihrem Tod in Vergessenheit geraten war.

Barbara Gonzaga ist den geschichtsbewussten Kirchheimern erst kürzlich durch eine Ausstellung im Kornhaus noch etwas deutlicher ins Bewusstsein gerückt worden. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Grafen und späteren Herzog Eberhard im Bart, unterstützte sie 1488 die Kirchheimer Klosterfrauen im Kampf gegen Eberhards gleichnamigen, doch unrühmlichen Vetter, Eberhard den Jüngeren. Eberhard der Jüngere machte ihr im Witwenstand zunächst das Leben schwer. Dem Frauenkloster in Kirchheim aber blieb Barbara bis zu ihrem Tod fest verbunden. Schließlich fand sie dort 1503 auch ihre letzte Ruhestätte. Als das Kloster gut 30 Jahre später aufgelöst wurde, ist die Erinnerung an ihr Grab verloren gegangen. Gudrun Maria Krickl schreibt: „Barbaras Leichnam ist bis heute verschollen, die Erinnerung an sie ist aber lebendig.“

Barbara Gonzaga ist sicher diejenige der sechs Herzoginnen, auf die der Buchtitel „Brautfahrt ins Ungewisse“ am besten zutrifft. Im Sommer 1474 führte sie diese Brautfahrt nach Württemberg, in ein Land, das ihr vollkommen unbekannt war. Der imposante Zug mit über 230 Personen wird im Buch detailliert beschrieben. Eine Heimkehr ins geliebte Mantua war der reichen Markgrafentochter aber nie wieder vergönnt.

Ganz anders Sabina von Bayern: Sie war diejenige von allen sechs Herzoginnen in Gudrun Maria Krickls Buch, die in Württemberg und in ihrer Ehe mit Herzog Ulrich am allerwenigsten glücklich wurde. Bereits viereinhalb Jahre nach der Hochzeit flüchtete sie zum ersten Mal. Allerdings wurde sie von ihrer bayerischen Familie nicht gerade begeistert empfangen. Solange Herzog Ulrich vertrieben war, konnte Sabina nach Württemberg zurückkehren. Als ihr Mann aber 1534 Württemberg endgültig zurückeroberte, folgte die erneute Flucht der Herzogin. Erst nach dem Tod Ulrichs 1550 konnte sie sich auf Dauer in Württemberg niederlassen.

Sibylla von Anhalt wiederum, der Gemahlin Herzog Friedrichs I., war zunächst einmal eine glückliche Ehe beschieden – was für fürstliche Verhältnisse eher ungewöhnlich war. Genauso ungewöhnlich ist die Tatsache, dass es sich um eine Liebesheirat handelte, die da 1581 in Stuttgart gefeiert wurde. Gudrun Maria Krickl schreibt dann aber von einer zunehmenden Entfremdung: „Friedrich ließ keine Gelegenheit aus, Sibylla zu tyrannisieren.“ Das alles hinderte den Herzog jedoch nicht daran, 15 eheliche Kinder zu zeugen. Eines dieser Kinder, Magnus von Württemberg-Neuenbürg, der 27-jährig in der Schlacht bei Wimpfen sein Leben verlieren sollte, wurde im Dezember 1594 in Kirchheim geboren. Das Städtchen war damals kurzfristig zur Ersatzresidenz geworden, wie es im Buch heißt: „Als Stuttgart 1594 von der Pest heimgesucht wurde, zog sich die herzogliche Familie für längere Zeit nach Kirchheim zurück.“ In Kirchheim gab es später dann wohl auch eine Versöhnung der Eheleute, als Friedrich Ende 1607 – wenige Wochen vor seinem Tod – bei einem Aufenthalt in der Teckstadt ernsthaft erkrankt war.

Deutliche Parallelen gibt es zwischen Sibylla von Anhalt und Anna Catharina von Salm-Kyrburg, der Frau von Sibyllas Enkel, Herzog Eberhard III. Auch in Anna Catharinas Fall handelte es sich um eine Liebesehe, aus der viele Kinder hervorgehen sollten – 14 an der Zahl. Und auch eines ihrer Kinder, Dorothea Amalia, wurde in Kirchheim geboren. In diesem Fall musste die herzogliche Familie 1643 wegen Kriegsgefahr „vorübergehend im Kirchheimer Schloss Unterkunft suchen“, wie Gudrun Maria Krickl schreibt. Allerdings war Anna Catharina von Salm-Kyrburg als Gräfin keine standesgemäße Partie für den Herzog von Württemberg. Bemerkenswert an ihr ist außerdem die Tatsache, dass sie die einzige der sechs „Bräute“ ist, die vor ihrem herzoglichen Gemahl starb.

Die nächste Generation wird ausgelassen und nur kurz in anderen Zusammenhängen erwähnt: Anna Catharinas Sohn, Herzog Wilhelm Ludwig, war mit einer wichtigen „Kirchheimerin“ verheiratet, Magdalena Sibylla von Hessen-Darmstadt. Sie wiederum sorgte für die nächste „Brautfahrt ins Ungewisse“ – und zwar für Johanna Elisabetha von Baden-Durlach, die Magdalena Sibyllas Sohn Eberhard Ludwig heiraten sollte. Diese Ehe allerdings war von Anfang an unglücklich, weil Eberhard Ludwig von seiner Braut alles andere als angetan war. Nachdem 1698, ein Jahr nach der Eheschließung, der Thronfolger geboren war, „sah der Herzog seine dynastischen Pflichten als erfüllt an und zog sich zurück“. Die Frau an seiner Seite war über viele Jahre hinweg seine Mätresse Wilhelmine von Grävenitz. Erst zwei Jahre vor seinem Tod wandte sich Eberhard Ludwig wieder seiner Gemahlin zu. Als kurz darauf der Thronfolger Friedrich Ludwig mit 32 Jahren starb, hoffte er gar – wenn auch vergeblich –, mit der 51-jährigen Johanna Elisabetha nochmals einen Sohn zeugen zu können. Nach dem Tod Eberhard Ludwigs im Jahr 1733 verbrachte Johanna Elisabetha einen Großteil ihrer 24 Witwenjahre im Kirchheimer Schloss.

Hätte Eberhard Ludwig doch noch einen Sohn gehabt, wäre sein Vetter Karl Alexander niemals auf den Thron gelangt. Und dann wäre auch dessen Sohn Carl Eugen wohl kaum württembergischer Herzog geworden. Ohne Herzog Carl Eugen schließlich würde niemand eine gewisse Franziska von Leutrum, geborene von Bernerdin, kennen. Carl Eugen machte diese Franziska erst zu seiner Geliebten, dann – nach ihrer Erhebung zur Reichsgräfin von Hohenheim und nach dem Tod seiner ersten Frau, die in ihrer Heimat fernab von Württemberg gelebt hatte – 1785 zu seiner Gemahlin „zur linken Hand“ und 1791 schließlich zur rechtmäßigen Herzogin von Württemberg.

Die Bezüge Franziskas von Hohenheim zu Kirchheim sind vielfältig und weitgehend bekannt. Deshalb hier in aller Kürze, was Gudrun Maria Krickl erwähnt: 1771 beginnt die nähere Bekanntschaft Franziskas mit Carl Eugen bei einem Jagdausflug in Kirchheim. Anfang 1795, ein gutes Jahr nach Carl Eugens Tod, bezieht sie ihren Witwensitz in Kirchheim. Im Buch heißt es dazu: „Nur langsam gewöhnte sie sich in Kirchheim ein, obwohl eine ihrer Schwestern in der Stadt lebte. Die Tage herzoglicher Pracht waren vorbei, ihr Auskommen dennoch angemessen.“ Kurz nach der Ankunft in Kirchheim hört sie auf, Tagebuch zu schreiben. Einer der letzten Einträge wirkt nicht gerade schmeichelhaft für Kirchheim: „Der heutige Tag glich wieder dem gestrigen.“ Wie einst Barbara Gonzaga, litt auch Franziska von Hohenheim unter einem Nachfolger ihres Mannes – in diesem Fall unter dem Neffen, Herzog Friedrich II., dem späteren König Friedrich I. Das sollte sich sogar über ihren Tod am 1. Januar 1811 hinaus fortsetzen. Gudrun Maria Krickl schreibt: „In einer Gruft unter dem Chor der Kirchheimer Martinskirche bettete man Franziska zur letzten Ruhe. Ihre Grabstätte blieb unbeschriftet – dem Gedenken sollte möglichst wenig Raum geschaffen werden.“ Inzwischen gibt es allerdings Gedenktafeln, -platten und -stelen. Und im Gegensatz zu Barbara Gonzaga sind Franziskas Gebeine auch nicht für immer verschollen. Sie ruhen unter dem Chor der Martinskirche.

Gudrun Maria Krickls Buch „Brautfahrt ins Ungewisse“ ist im Silberburg-Verlag erschienen. Es erzählt in sechs Lebensbildern die Geschichte württembergischer Herzoginnen – konsequent aus Sicht der historischen Frauengestalten. Mitunter ist der Blick auf Liebe, Ehe und Familie aber etwas zu modern geraten. Außerdem hätte es auch dieses Buch verdient gehabt, wesentlich sorgfältiger redigiert zu werden.

Wer die Autorin kennenlernen möchte, hat dazu am Mittwoch, 7. November, 20 Uhr, die Gelegenheit: Gudrun Maria Krickl stellt ihr Buch in der Kirchheimer Buchhandlung Zimmermann vor.