Der Kirchheimer Traditionsverein hat nach langer Suche einen neuen Vorsitzenden gefunden
Liederkranz löst sich nicht auf

In den letzten Wochen sah es düster aus für den ältesten Kirchheimer Gesangverein, den Liederkranz. Denn nach 24 Jahren stand der Verein im März plötzlich ohne Vorsitzenden da. Wäre nicht in letzter Minute ein Nachfolger gefunden worden, hätte das nach 185 Jahren das Ende des Vereins bedeutet.

Kirchheim. Die Erleichterung war Reinhold Geier deutlich anzusehen, als er den Mitgliedern des Gesangvereins die gute Nachricht verkündete. „Der Kirchheimer Liederkranz wird weiter existieren“, sagte Geier, der dem Verein 24 lange Jahre als

Ers­

ter Vorsitzender gedient hat. Künftig führt Neuzugang Klaus Bender, der zum Zeitpunkt seiner Wahl noch keine 24 Stunden lang Mitglied des Liederkranzes war, den ältesten Kirchheimer Gesangverein. Zu seiner Stellvertreterin wurde Ruth Mößner, langjähriges aktives Mitglied des Vereins, ebenfalls einstimmig erkoren.

Dass die außerordentliche Mitgliederversammlung, deren einziger Tagesordnungspunkt der Fortbestand des Vereins war, eine solch gute Wendung nehmen würde, war viele Wochen lang nicht absehbar. I

m März war Reinhold Geier von seinem Amt als Erster Vorsitzender zurückgetreten. Und dann passierte das, womit zurzeit viele Vereine zu kämpfen haben: Keiner wollte Geiers Nachfolger werden. Auch für den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden gab es keine Kandidaten.

Damit geriet der Kirchheimer Liederkranz, der in diesem Jahr 185 Jahre alt geworden ist, in eine bedrohliche Situation. „Die übrigen Vorstandsposten Schriftführer und Kassiererin und der achtköpfige Beirat hätten nicht ausgereicht, um den Verein weiterzuführen“, so Reinhold Geier. In dieser Situation stattete der Präsident des Chorverbands Karl Pfaff, Udo Goldmann, den Mitgliedern einen Besuch ab und appellierte an sie, den Verein nicht untergehen zu lassen. Er zeigte Möglichkeiten auf, wie der Verein sein Führungsproblem lösen könne. Beispielsweise könne der Vereinsvorsitz geteilt werden (siehe Interview). Für den Fall, dass sich weiterhin niemand bereit erklären würde, empfahl Goldmann, den Verein so lange „auf Eis zu legen“, bis eine Lösung in Sicht sei.

Dass das nicht nötig geworden ist, verdankt der Liederkranz seinem jüngsten Mitglied, dem 52 Jahre alten Klaus Bender, der mit seiner Frau, einer Kirchheimerin, seit Januar die Chorproben des Liederkranzes besucht. Gebürtig kommt er aus dem Hunsrück. Das Singen wurde Klaus Bender in die Wiege gelegt. „Mein Vater war fünffacher Chorleiter“, erzählte er den Mitgliedern des Liederkranzes, die ihn später für die nächs­ten drei Jahre einstimmig zum Vorsitzenden wählen sollten. Als er von Mitgliedern angesprochen worden sei, ob er nicht kandidieren wolle, hätte er nicht lange überlegen müssen.

„Das Schreckgespenst ‚Auflösung‘ ist beerdigt“, sagte Klaus Bender. Er wolle jetzt Ruhe in den Verein bringen, damit sich dieser auf die nächs­ten Auftritte konzentrieren könne. Unter anderem wird der Liederkranz bei der Schlosshofserenade am 28. Juli auftreten. Obwohl der neue Vorsitzende versprach, nicht gleich alles umschmeißen zu wollen, hatte er doch einen Veränderungsvorschlag, der ihm nach eigener Aussage sehr am Herzen lag. „Ich habe gemerkt, dass einige hier noch ‚Sie‘ zueinander sagen“, sagte er. „Ich bin der Klaus. Und ich werde euch ab heute duzen.“ Durch den Liederkranz weht ab sofort ein frischer Wind.